{"id":110205,"date":"2023-03-10T12:12:49","date_gmt":"2023-03-10T11:12:49","guid":{"rendered":"https:\/\/enr.today\/?p=110205"},"modified":"2023-03-10T12:13:38","modified_gmt":"2023-03-10T11:13:38","slug":"europaeische-laender-uneins-ueber-das-ende-des-verbrennungsmotors","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/europaeische-laender-uneins-ueber-das-ende-des-verbrennungsmotors\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische L\u00e4nder uneins \u00fcber das Ende des Verbrennungsmotors"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem sich die EU-Mitgliedstaaten und das Europ\u00e4ische Parlament bereits im Oktober letzten Jahres auf ein Verkaufsverbot f\u00fcr neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2035 geeinigt hatten, schien die urspr\u00fcnglich f\u00fcr Dienstag angesetzte Abstimmung im EU-Rat nur noch eine Formsache zu sein. Stattdessen stellen nun Forderungen, vor allem der deutschen Regierung, mit synthetischen Kraftstoffen (so genannten E-Fuels) betriebene Motoren von der Verordnung auszunehmen, die offizielle Entscheidung in Frage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Synthetische Kraftstoffe werden durch die Verbindung von Wasserstoff mit Kohlendioxid hergestellt, und das Ergebnis ihrer Verbrennung kann aus der Atmosph\u00e4re abgeschieden werden. Diese Kraftstoffe gelten allerdings nur dann als klimaneutral, wenn die f\u00fcr ihre Herstellung und ihre Bestandteile ben\u00f6tigte Energie aus erneuerbaren Quellen stammt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Deutschland haben sich k\u00fcrzlich auch L\u00e4nder wie Italien und die Tschechische Republik gegen die Pl\u00e4ne f\u00fcr das Verkaufsverbot ausgesprochen. Gemeinsam mit Polen, das die Verordnung bereits seit l\u00e4ngerem ablehnt, und Bulgarien, das sich der Stimme enth\u00e4lt, k\u00f6nnten diese L\u00e4nder eine Sperrminorit\u00e4t im EU-Rat bilden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Verordnung anzunehmen, m\u00fcssten 15 der 27 EU-Mitgliedstaaten, die mindestens 65 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung der EU ausmachen, f\u00fcr ein Verbot stimmen. Deutschland ist das bev\u00f6lkerungsreichste EU-Land, Italien steht an dritter und Polen an f\u00fcnfter Stelle. Ohne die Unterst\u00fctzung Deutschlands erschien das Erreichen einer Mehrheit unwahrscheinlich, die 65 Prozent der EU-B\u00fcrger repr\u00e4sentiert. Daher wurde die Abstimmung verschoben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pl\u00e4ne, die klimasch\u00e4dlichen CO2-Emissionen von neuen PKW und Vans bis 2035 um 100 Prozent zu reduzieren, sind Teil eines gr\u00f6\u00dferen Programms zur Bew\u00e4ltigung des Klimawandels, des so genannten Pakets \u201eFit f\u00fcr 55\u201c. Das ist wiederum Teil des Europ\u00e4ischen Gr\u00fcnen Deals. Die EU will ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegen\u00fcber dem Stand von 1990 senken und bis 2050 Klimaneutralit\u00e4t erreichen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Deutschland ohne E-Fuel-Ausnahme nicht an Bord<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der deutsche Verkehrsminister <strong>Volker Wissing<\/strong> sprach sich letzte Woche gegen das Verkaufsverbot aus und drohte, dass Berlin es nicht unterst\u00fctzen werde. Er argumentierte, die EU-Kommission habe noch keinen erg\u00e4nzenden Gesetzentwurf vorgelegt, wie mit klimaneutralen Kraftstoffen betriebene PKW und Vans auch nach 2035 in der EU zugelassen werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Anschluss an eine Kabinettssitzung \u00e4u\u00dferte Bundeskanzler <strong>Olaf Scholz<\/strong>, die Bundesregierung sei sich einig, dass sie von der Europ\u00e4ischen Kommission einen Vorschlag erwarte, wie solche E-Fuels nach 2035 eingesetzt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der deutsche Finanzminister <strong>Christian Lindner<\/strong> sagte, dass neu zugelassene Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nach 2035 von dem Verbot ausgenommen werden sollten. \u201eWir brauchen diese rechtssichere, klare Verbindung zwischen der Entscheidung \u00fcber Flottengrenzwerte und der M\u00f6glichkeit von Neuzulassungen\u201c. Da die Technologie des Verbrennungsmotors weltweit weiterhin von Bedeutung sei, m\u00fcsse ein Autoexporteur wie Deutschland sich das notwendige Know-how in diesem Bereich erhalten, f\u00fcgte er hinzu. F\u00fcr seine Partei, die FDP, habe Technologieoffenheit einen hohen Stellenwert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Italien und Polen str\u00e4uben sich ebenfalls<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die italienische Ministerpr\u00e4sidentin <strong>Giorgia Meloni <\/strong>begr\u00fc\u00dfte die Entscheidung, die EU-Abstimmung \u00fcber das Verbot des Verkaufs von Kohlenstoff emittierenden Benzin- und Dieselfahrzeugen ab 2035 zu vertagen, als \u201eitalienischen Erfolg\u201c. Sie sagte, die Position der italienischen Regierung sei klar: \u201eEs muss einen sorgf\u00e4ltig geplanten, fairen und nachhaltigen \u00dcbergang geben, um negative Auswirkungen auf Produktion und Besch\u00e4ftigung zu vermeiden\u201c. Meloni fuhr fort: \u201eEs ist richtig, null CO2-Emissionen so schnell wie m\u00f6glich anzustreben, aber die Staaten m\u00fcssen die Freiheit haben, den Weg zu gehen, den sie f\u00fcr den effektivsten und nachhaltigsten halten. Das bedeutet, dass sie sauberen Technologien jenseits von Elektromobilit\u00e4t nicht die T\u00fcr verschlie\u00dfen d\u00fcrfen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer an die Vertreter der 27 EU-Mitgliedstaaten gerichteten Erkl\u00e4rung zu dem Verbot betonte Italien, dass \u201edie Verordnung nicht mit dem Grundsatz der Technologieneutralit\u00e4t vereinbar ist, da sie ein Emissionsreduktionsziel von 100 Prozent bis 2035 festlegt und keine Anreize f\u00fcr die Verwendung erneuerbarer Kraftstoffe bietet\u201c. Des Weiteren hei\u00dft es in dem Dokument, dass \u201eFahrzeuge mit Verbrennungsmotor vornehmlich im Besitz von B\u00fcrgern und B\u00fcrgerinnen mit geringem Einkommen sind und auch nach 2035 auf der Stra\u00dfe bleiben werden. Der Erfolg von Elektroautos wird in hohem Ma\u00dfe davon abh\u00e4ngen, wie erschwinglich sie f\u00fcr diese B\u00fcrger werden\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Polen geh\u00f6rt zu den Mitgliedsstaaten, die Einw\u00e4nde gegen das Verbot erheben. \u201eWir waren von Anfang an und sind nach wie vor gegen das Verbot des Verkaufs von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor nach 2035\u201c, sagte die polnische Ministerin f\u00fcr Klima und Umwelt, <strong>Anna Moskwa<\/strong>, am Rande einer Konferenz \u00fcber Photovoltaik in Br\u00fcssel, so die Polnische Presseagentur (PAP).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEs gibt immer mehr skeptische Stimmen in den Diskussionen hinter den Kulissen. Die Staaten wachen auf und stellen fest, dass das Jahr 2035 gar nicht mehr so weit entfernt ist. Dies gilt vor allem f\u00fcr die kleineren L\u00e4nder die, wie man sich unschwer vorstellen kann, mit ausl\u00e4ndischen Technologien \u00fcberschwemmt zu werden drohen. Ihre B\u00fcrger beginnen, diese Realit\u00e4t zu begreifen und die Konsequenzen f\u00fcr sich selbst zu verstehen\u201c, sagte Moskwa bei einem Treffen mit Journalisten, wie PAP berichtete.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Frankreich, Kroatien und Slowenien stehen hinter dem Verbot<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Mittwoch forderte der franz\u00f6sische Verkehrsminister <strong><strong>Cl\u00e9ment<\/strong><\/strong> <strong>Beaune<\/strong> Deutschland dringend auf, ein Verkaufsverbot f\u00fcr Neuwagen mit Verbrennungsmotoren in der Europ\u00e4ischen Union ab 2035 zu unterst\u00fctzen und bedauerte den \u201eAnflug von Rebellion\u201c aus Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWenn wir diesen Ehrgeiz nicht beibehalten, werden wir wirtschaftlich und \u00f6kologisch abgeh\u00e4ngt\u201c, erkl\u00e4rte Beaune. \u201eEs wird uns nicht gelingen, das Elektroauto f\u00fcr alle zug\u00e4nglich zu machen, wenn wir gegenl\u00e4ufige Signale senden\u201c, f\u00fcgte der Minister hinzu. \u201eDas Signal war klar: Es wurde unterst\u00fctzt, auch von Deutschland. Es wurde unter der franz\u00f6sischen EU-Ratspr\u00e4sidentschaft als gro\u00dfes Ziel verabschiedet\u201c, betonte Beaune.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kroatien unterst\u00fctzt die Verordnung f\u00fcr das Verbot. Zagreb betrachtet es als eine bedeutende Komponente des Europ\u00e4ischen Gr\u00fcnen Deals und als einen der wichtigsten Teilschritte auf dem Weg zur Klimaneutralit\u00e4t bis 2050.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl Kroatien \u00fcber keine so starke Automobilindustrie verf\u00fcgt wie die Tschechische Republik, die Slowakei oder Ungarn, ist das Unternehmen Rimac Automobili in den letzten Jahren mit der Entwicklung eines elektrischen Sportwagens weltber\u00fchmt geworden. Rimac konnte Hyundai und Porsche als Investoren gewinnen und betreibt au\u00dferdem ein Joint Venture mit Bugatti.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Slowenien geh\u00f6rt ebenfalls zu der Gruppe von Mitgliedstaaten, die die Verbotsverordnung unterst\u00fctzen. Laut dem slowenischen Ministerium f\u00fcr Umwelt, Klima und Energie werde das Verbot zur Erreichung der Klima-, Energie- und Umweltziele im Verkehrssektor beitragen, weshalb Slowenien seine Position nicht ge\u00e4ndert habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ministerium betonte auch, dass die Europ\u00e4ische Kommission im Rahmen der neuen Verordnung die Entwicklung und den Einsatz von emissionsfreien Mobilit\u00e4tstechnologien und -infrastrukturen durch regelm\u00e4\u00dfige \u00dcberpr\u00fcfungen \u00fcberwachen werde. Falls erforderlich, k\u00f6nne die Europ\u00e4ische Kommission im Rahmen dieser \u00dcberpr\u00fcfungen die Notwendigkeit rechtfertigen, weiterhin mit synthetischem Kraftstoff betriebene, kohlenstofffreie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zu verkaufen, so das Ministerium. Nach Ansicht des Ministeriums gebe es mehrere Wege zur Dekarbonisierung von Personenkraftwagen, und man sei \u201enicht dagegen, die T\u00fcr f\u00fcr eine solche L\u00f6sung offen zu lassen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bosnien und Herzegowina unternimmt Anstrengungen f\u00fcr die Zukunft<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl es keine einheitliche staatliche Politik f\u00fcr einen graduellen \u00dcbergang zur Nutzung von Elektro- und Hybridautos und den Ausstieg aus Benzin- und Dieselfahrzeugen gibt, hat die Regierung der F\u00f6deration Bosnien und Herzegowina den Trend erkannt und einer Reihe von Personen Anreize f\u00fcr den Kauf von Elektroautos gew\u00e4hrt. Der Anteil dieser Fahrzeuge in Bosnien und Herzegowina nimmt zu, liegt aber immer noch deutlich unterhalb jenem in L\u00e4ndern der Europ\u00e4ischen Union und der umliegenden Region.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Autohersteller setzen zunehmend auf Hybrid- und Elektroautos. Sie sind sich der Notwendigkeit bewusst, diese Fahrzeuge in Bosnien und Herzegowina einzuf\u00fchren, zumal die Hauptstadt des Landes h\u00e4ufig zu den am st\u00e4rksten verschmutzten Metropolen der Welt gez\u00e4hlt wird. F\u00fcr das neue, gr\u00fcne Bewusstsein steht auch ein Team junger Ingenieure, die sich im Unternehmen GS-TMT zusammengeschlossen haben. Sie haben mit dem EVO das erste in Bosnien und Herzegowina hergestellte, leichte elektrische Lieferfahrzeug entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel wird freitags ver\u00f6ffentlicht. Der Inhalt basiert auf Nachrichten der teilnehmenden Agenturen im enr.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Abstimmung im Rat der Europ\u00e4ischen Union \u00fcber das De-facto-Verkaufsverbot f\u00fcr Autos mit Verbrennungsmotoren in der EU wurde verschoben, nachdem mehrere L\u00e4nder die Entscheidung in Frage gestellt und damit einen Teil des EU-Pakets zur Bew\u00e4ltigung des Klimawandels ins Wanken gebracht haben.<\/p>\n","protected":false},"author":119,"featured_media":109341,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[39],"tags":[8917,8913],"class_list":["post-110205","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-key-story","tag-verbot","tag-verbrennungsmotor"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110205","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/119"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=110205"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110205\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/109341"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=110205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=110205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=110205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}