{"id":115089,"date":"2023-03-24T10:35:57","date_gmt":"2023-03-24T09:35:57","guid":{"rendered":"https:\/\/enr.today\/?p=115089"},"modified":"2023-03-24T10:37:25","modified_gmt":"2023-03-24T09:37:25","slug":"kommt-die-naechste-bankenkrise-ezb-sieht-finanzielle-resilienz-der-eurozone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/kommt-die-naechste-bankenkrise-ezb-sieht-finanzielle-resilienz-der-eurozone\/","title":{"rendered":"Kommt die n\u00e4chste Bankenkrise? EZB sieht finanzielle Resilienz der Eurozone"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Montag bem\u00fchten sich f\u00fchrende Politiker und Finanzfachleute in Europa, das Vertrauen der Verbraucher nach der Krise bei der zweitgr\u00f6\u00dften Schweizer Bank<strong> Credit Suisse <\/strong>wiederherzustellen. Die Not\u00fcbernahme der Credit Suisse durch das Konkurrenzunternehmen UBS und die Schwierigkeiten einiger kleinerer Finanzinstitute in den USA haben im Laufe dieser Woche Sorgen um die Banken in der Eurozone befeuert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berater in Europa best\u00e4tigten, dass im Falle einer Bankenpleite in der Europ\u00e4ischen Union eine feste Regel gelte, nach der Aktion\u00e4re und andere Gl\u00e4ubiger in Anspruch genommen w\u00fcrden. Verluste der Bank w\u00fcrden zun\u00e4chst durch das Aktienkapital getragen. Reiche dieses nicht aus, w\u00fcrden nachrangige Anleihen herangezogen, das so genannte AT1-Kapital.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fall der Credit Suisse sollen die Inhaber dieser aktien\u00e4hnlichen Anleihen im Zuge der \u00dcbernahme durch die UBS ihr investiertes Geld vollst\u00e4ndig verlieren. Der Verlust f\u00fcr die AT1-Anleihen bel\u00e4uft sich auf 16 Milliarden Schweizer Franken (16 Milliarden Euro). Auch die Aktion\u00e4re der Credit Suisse werden einen Gro\u00dfteil ihres investierten Geldes verlieren, daf\u00fcr aber UBS-Papiere erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB)<\/strong>, <strong>Christine Lagarde<\/strong>, blieb optimistisch, dass das Ereignis keine Auswirkungen auf das Finanzsystem der Eurozone haben werde. Der europ\u00e4ische Bankensektor sei aufgrund seiner starken Kapital- und Liquidit\u00e4tsposition resilient, so Lagarde. Angesichts der gegenw\u00e4rtig angespannten M\u00e4rkte sei die EZB bereit, das Finanzsystem bei Bedarf mit Liquidit\u00e4t zu unterst\u00fctzen und das reibungslose Funktionieren der Geldpolitik aufrechtzuerhalten, f\u00fcgte sie hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der vergangenen Woche hatte die EZB den Leitzins trotz der Turbulenzen um 50 Basispunkte angehoben. Angesichts der derzeit hohen Unsicherheit legte sich die Zentralbank nicht f\u00fcr die Zukunft fest. Lagarde machte deutlich, dass sich die W\u00e4hrungsh\u00fcter von den Wirtschaftsdaten leiten lassen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrenddessen sind sich Politiker und Zentralbanker in Europa uneins \u00fcber die Effektivit\u00e4t der j\u00fcngsten Zinsentscheidungen der EZB.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Italien: Zinspolitik der EZB auf dem Pr\u00fcfstand<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der<strong> italienische Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti <\/strong>sagte am Montag, er glaube, dass die Auswirkungen der Krise bei der schweizerischen Credit Suisse auf das italienische Bankensystem \u201eunbedeutend\u201c sein w\u00fcrden. Im Hinblick auf die Marktturbulenzen im Zusammenhang mit der Credit Suisse und dem vorhergehenden Zusammenbruch der Silicon Valley Bank in den USA meinte Giorgetti, dass sich die M\u00e4rkte seiner Wahrnehmung nach etwas beruhigt h\u00e4tten. \u201eIch denke, die Situation in Europa ist unter Kontrolle. Wir sind in st\u00e4ndigem Kontakt mit den Aufsichtsbeh\u00f6rden und wir sind beruhigt, was das italienische Bankensystem angeht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mail\u00e4nder B\u00f6rse brach am Montag im fr\u00fchen Handel um 2,6 Prozentpunkte ein, wobei die Bankaktien nach einer turbulenten Woche auf den internationalen Geldm\u00e4rkten erneut unter die R\u00e4der kamen. Die am Wochenende angek\u00fcndigte Rettung der Credit Suisse hatte die Bedenken der Anleger zun\u00e4chst nicht zerstreuen k\u00f6nnen. Am Dienstag schloss die Mail\u00e4nder B\u00f6rse hingegen mit einem Plus von 2,53 Prozent, da die Bankaktien sich von den j\u00fcngsten Verlusten der Silicon Valley Bank und der Credit Suisse stark erholen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giorgetti wiederholte seine Kritik an der Zinserh\u00f6hungspolitik der Europ\u00e4ischen Zentralbank zur Eind\u00e4mmung hoher Inflationsraten. \u201eDiese Politik sollte sehr sorgf\u00e4ltig kalibriert werden, da eine Erh\u00f6hung der Zinss\u00e4tze zwar n\u00fctzlich sein kann, um die Inflation zu kontrollieren, aber unter Umst\u00e4nden auch Probleme f\u00fcr die finanzielle Stabilit\u00e4t verursacht\u201c, sagte er.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung der EZB, den Leitzins um 50 Basispunkte zu erh\u00f6hen, stimmt die italienische Regierung unzufrieden. \u201eDie EZB bewegt sich in die falsche Richtung, auch wenn jetzt ein Umdenken eingesetzt hat. Unserer Meinung nach ist das kein guter Weg, um die Inflation zu bek\u00e4mpfen\u201c, sagte der stellvertretende Ministerpr\u00e4sident und Au\u00dfenminister <strong>Antonio Tajani<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Frankreich: Basel III-Regeln waren die Rettung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts von Bef\u00fcrchtungen einer bevorstehenden Krise im Sektor \u00e4u\u00dferte <strong>Fran\u00e7ois Villeroy de Galhau<\/strong>, Gouverneur der Banque de France und Mitglied des EZB-Rats, in der vergangenen Woche, dass sich die europ\u00e4ischen Banken in einer \u201e\u00e4u\u00dferst soliden\u201c Verfassung bef\u00e4nden. Ihre Situation sei nicht mit der einiger US-amerikanischer Kreditinstitute vergleichbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEurop\u00e4ische Banken befinden sich aus einem ganz einfachen Grund nicht in der gleichen Situation, wie bestimmte amerikanische Banken, n\u00e4mlich weil sie nicht den gleichen Regeln unterliegen\u201c, erl\u00e4uterte er. Die als Basel III bekannten Regularien, die nach der Finanzkrise von 2008 geschaffen wurden, um sicherzustellen, dass die Banken \u00fcber angemessenes Kapital und Liquidit\u00e4t verf\u00fcgen, h\u00e4tten sich als effektiv erwiesen, sagte Villeroy de Galhau. Er f\u00fcgte hinzu, dass die Basel-III-Anforderungen f\u00fcr 400 europ\u00e4ische Bankkonzerne gelten w\u00fcrden, verglichen mit nur 13 in den USA.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der Pr\u00e4sidentschaft von Donald Trump seien kleine und mittelgro\u00dfe US-Banken 2019 von den Basler Regeln ausgenommen worden, sagte er und wies darauf hin, dass sowohl die Silicon Valley Bank als auch die Signature Bank, die letzte Woche zusammengebrochen war, zu diesen Banken geh\u00f6rten. Der franz\u00f6sische Zentralbankgouverneur erkl\u00e4rte, dass die Credit Suisse ein Sonderfall sei. \u201eEs handelt sich um eine Bank, die sowohl Probleme mit ihrem Gesch\u00e4ftsmodell als auch mit ihrem internen Kontrollsystem hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die EZB erkl\u00e4rte, sie sei bereit, Liquidit\u00e4t bereitzustellen, um die Stabilit\u00e4t des Finanzsystems der Eurozone zu gew\u00e4hrleisten, hielt sie an einer kr\u00e4ftigen Zinserh\u00f6hung um einen halben Prozentpunkt fest, um die Inflation abzumildern, trotz Bef\u00fcrchtungen, dass die steigenden Kreditkosten die Banken weiter belasten k\u00f6nnten. Villeroy de Galhau meinte dazu, der Schritt der EZB sei ein starkes Zeichen des Vertrauens in ihre Anti-Inflationsstrategie und in die Solidit\u00e4t der europ\u00e4ischen und franz\u00f6sischen Banken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Slowenien, Bulgarien und Deutschland bewahren eine ruhige Haltung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Montag erkl\u00e4rte die slowenische Zentralbank, dass das europ\u00e4ische und das slowenische Bankensystem gut funktioniere, trotz der Turbulenzen im amerikanischen und schweizerischen Bankensektor. \u201eDer Bankensektor der Eurozone ist resilient und verf\u00fcgt \u00fcber eine starke Kapital- und Liquidit\u00e4tsposition\u201c, so die slowenischen W\u00e4hrungsh\u00fcter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Zusicherungen der Bank von Slowenien zufolge ist die Palette der geldpolitischen Instrumente der Europ\u00e4ischen Zentralbank breit genug, um das Finanzsystem bei Bedarf mit Liquidit\u00e4t zu versorgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>bulgarische Interims-Finanzministerin Rositsa Velkova <\/strong>erkl\u00e4rte, dass zum jetzigen Zeitpunkt durch die Bankenpleiten in den USA keine Ansteckungsgefahr f\u00fcr Bulgarien bestehe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Desislava Nikolova<\/strong>, leitende Finanzanalystin bei <strong>MoitePari.bg<\/strong>, stellte fest, dass die Zinserh\u00f6hungen der EZB, die 2022 begannen, den bulgarischen Bankenmarkt aufgrund seiner hohen Liquidit\u00e4t nicht beeintr\u00e4chtigt h\u00e4tten. Das Land verf\u00fcge \u00fcber ausreichende Ressourcen, um die Prozesse im Zusammenhang mit den Zinserh\u00f6hungen zu verlangsamen, sagte sie. Da Bulgarien nicht Teil der Eurozone sei, habe es die niedrigen Kredit- und Einlagenzinsen beibehalten, sagte Nikolova. Sie rechne damit, dass die Zinss\u00e4tze in Bulgarien nun nicht allm\u00e4hlich, sondern rapide ansteigen w\u00fcrden, da die j\u00fcngsten Entwicklungen auf makro\u00f6konomischer Ebene f\u00fcr Unsicherheit gesorgt h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bundeskanzler Olaf Scholz<\/strong> begr\u00fc\u00dfte am Montag das \u201eentschlossene Handeln der Schweizer Beh\u00f6rden\u201c bei der \u00dcbernahme der angeschlagenen Credit Suisse durch den Konkurrenten UBS, so ein Regierungssprecher. Die europ\u00e4ischen Beh\u00f6rden h\u00e4tten aus der Finanzkrise von 2008 gelernt und die Regeln f\u00fcr Banken versch\u00e4rft, betonte er. \u201eDas deutsche Bankensystem ist daher gut aufgestellt\u201c, f\u00fcgte der Sprecher hinzu.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bislang kein Ende der EZB-Zinserh\u00f6hungen in Sicht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1313\" src=\"https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/urnnewsmldpa.com20090101230316-911-012933-v3-s2048.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-115113\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Christine Lagarde, Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) spricht auf einer Pressekonferenz zur aktuellen Ratssitzung der Bank. Foto: Boris Roessler\/dpa<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Einsch\u00e4tzung von <strong>Bundesbankpr\u00e4sident Joachim Nagel<\/strong>, der im geldpolitischen Rat der EZB sitzt, ist die Zentralbank noch nicht am Ende ihres Zinserh\u00f6hungskurses angelangt. Gleichzeitig r\u00e4umte er im Interview mit der \u00abFinancial Times\u00bb ein, dass sich die Zinsen dem restriktiven Bereich n\u00e4herten. Darunter verstehen \u00d6konomen ein Niveau, ab dem die Zinsen die wirtschaftliche Aktivit\u00e4t bremsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nagel unterstrich, die EZB m\u00fcsse Forderungen nach baldigen Zinssenkungen widerstehen, wenn der Zinsgipfel erst einmal erreicht sei. Ansonsten drohe die hohe Teuerung wieder aufzuflammen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUnser Kampf gegen die Inflation ist noch nicht vorbei\u201c,<\/p>\n<cite>so Bundesbankchef Joachim Nagel.<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel wird freitags ver\u00f6ffentlicht. Der Inhalt basiert auf Nachrichten der teilnehmenden Agenturen im enr.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der j\u00fcngste Zusammenbruch der Silicon Valley Bank (SVB) in den USA und die Krise der Credit Suisse in der Schweiz am vergangenen Wochenende haben die Sorge vor einer Ansteckung des internationalen Finanzsektors gesch\u00fcrt. 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