{"id":1156498,"date":"2025-04-16T16:50:53","date_gmt":"2025-04-16T14:50:53","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.com\/?p=1156498"},"modified":"2025-04-16T16:51:05","modified_gmt":"2025-04-16T14:51:05","slug":"europa-der-zwei-geschwindigkeiten-gruene-investitionsluecken-geben-anlass-zur-sorge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/europa-der-zwei-geschwindigkeiten-gruene-investitionsluecken-geben-anlass-zur-sorge\/","title":{"rendered":"Europa der zwei Geschwindigkeiten? Gr\u00fcne Investitionsl\u00fccken geben Anlass zur Sorge"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EU verliert bei der Produktion gr\u00fcner Technologien an Boden \u2013 das l\u00e4sst Bef\u00fcrchtungen aufkommen, dass Emissionsziele nicht erreicht werden k\u00f6nnen und ihre globale Wettbewerbsf\u00e4higkeit leiden werde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EU-Kommissarin f\u00fcr Start-ups, Forschung und Innovation, <strong>Ekaterina Sachariewa<\/strong>, schlug am 7. April auf dem EU-Energiegipfel Alarm: \u201eUnsere Produktionskapazit\u00e4ten in Schl\u00fcsseltechnologien liegen hinter denen anderer Wettbewerber zur\u00fcck und sind weit von dem entfernt, was wir brauchen, um unsere Klima- und Dekarbonisierungsziele zu erreichen\u201c, sagte die bulgarische Politikerin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut einem von der EU-Kommission ver\u00f6ffentlichten Fortschrittsbericht \u00fcber die Wettbewerbsf\u00e4higkeit sauberer Energietechnologien sind EU-Unternehmen vergleichsweise h\u00f6heren Produktionskosten ausgesetzt. Gleiches gilt f\u00fcr Abh\u00e4ngigkeiten in den Lieferketten von bestimmten Komponenten oder Rohstoffen. Hohe Energiepreise und Arbeitskr\u00e4ftemangel seien ebenfalls ein Problem, hei\u00dft es in dem Bericht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sachariewa sagte, dass die Ausgangsposition der EU nach \u201ejahrzehntelangen stabilen Investitionen\u201c gut sei und verwies auf die Tatsache, dass die EU 22 Prozent der Patente f\u00fcr gr\u00fcne Technologien auf sich vereine, obwohl in ihr nur 5 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung lebten. Zugleich sei das Niveau der \u00f6ffentlichen Investitionen zwar gestiegen, aber immer noch nicht so hoch, wie es sein m\u00fcsste. \u201eUnd bei den privaten Investitionen stehen wir nicht so gut da.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine fragmentierte Anstrengung?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bedenken gibt es auch hinsichtlich eines Europas der zwei Geschwindigkeiten, in Bezug auf die Investitionen. Laut einem im Jahr 2024 ver\u00f6ffentlichten Bericht des paneurop\u00e4ischen Thinktanks Strategic Perspectives entfallen auf Deutschland und Frankreich zusammen 45 Prozent der sogenannten Netto-Null-Investitionen. Spanien folgt als drittgr\u00f6\u00dfter Investor und hat im Jahr 2023 rund 28,06 Milliarden Euro in den Sektor investiert, dreimal mehr als 2019. In dem Bericht wird empfohlen, dass die EU als gemeinsamer Block agieren sollte, um nicht gegen\u00fcber China und den USA an Boden zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch andere EU-L\u00e4nder ergreifen Ma\u00dfnahmen in diesem Bereich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Bulgarien ist Energieminister <strong>Zhecho Stankov <\/strong>zuversichtlich, dass das Land das Potenzial hat, eine regionale F\u00fchrungsrolle bei der Erzeugung gr\u00fcner Energie zu \u00fcbernehmen. So wird in der Stadt Stara Zagora ein Exzellenzzentrum eingerichtet, das die Entwicklung innovativer Technologien f\u00fcr die Erzeugung und Nutzung von sauberem Wasserstoff f\u00f6rdern soll. Das Projekt wird mit 15 Millionen Euro aus dem Programm Horizont Europa und nationalen Kofinanzierungsmitteln finanziert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">EU-Kommissarin Sachariewa sagte, dass Stara Zagora ein \u201eHydrogen Valley\u201c in Europa werden solle \u2013 gemeint ist damit ein Ort, an dem die Produktion von sauberem Wasserstoff, seine Speicherung und Verteilung an Endverbraucher vereint wird. Er soll j\u00e4hrlich 500 Tonnen Wasserstoff produzieren, Arbeitspl\u00e4tze schaffen, Expertenwissen entwickeln und hochwertige Investitionen anziehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die slowenische Regierung wiederum hat im Jahr 2023 beschlossen, in den kommenden f\u00fcnf Jahren mehr als 200 Millionen Euro in die heimische Automobilzulieferindustrie zu investieren, um die Entwicklung bahnbrechender Technologien f\u00fcr die Elektrifizierung der Mobilit\u00e4t und die Senkung der Emissionen im Automobilsektor zu unterst\u00fctzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie gr\u00fcne Investitionen die Wirtschaft ankurbeln k\u00f6nnen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige f\u00fchrende Politiker betonen die Vorteile solcher Investitionen. Der Generalsekret\u00e4r der Vereinten Nationen, <strong>Ant\u00f3nio Guterres<\/strong>, sagte, dass erneuerbare Energien auch die Volkswirtschaften erneuerten: \u201eSie treiben das Wachstum an, schaffen Arbeitspl\u00e4tze, senken die Energierechnungen und reinigen unsere Luft. Und jeden Tag werden sie zu einer noch kl\u00fcgeren Investition\u201c, f\u00fcgte er anl\u00e4sslich einer Klimakonferenz in Berlin im M\u00e4rz hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sektoren der erneuerbaren Energien und der W\u00e4rmepumpen bieten beispielsweise in Spanien 168.050 und in Frankreich 150.030 Arbeitspl\u00e4tze. Die Gastgeberin des Treffens, die scheidende deutsche Au\u00dfenministerin <strong>Annalena Baerbock<\/strong>, wandte sich auch gegen die Vorstellung, dass Klimaschutz wirtschaftlich belastend sei, und bezeichnete dies als \u201ealtes Vorurteil\u201c: \u201eWir alle wissen, dass es in der Welt gerade jetzt Spielverderber gibt, die mehr Klima-Investitionen verhindern wollen\u201c, sagte sie. \u201eKlimaschutz und Wirtschaftswachstum sind heute kein Widerspruch mehr.\u201c Und Baerbock weiter: \u201eDer Klimaschutz er\u00f6ffnet enorme wirtschaftliche Chancen, und die wollen wir als Europ\u00e4er nutzen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Europa wolle vor allem mit \u201eUnternehmen und L\u00e4ndern in Lateinamerika, Afrika und anderen Regionen der Welt\u201c zusammenarbeiten, f\u00fcgte Baerbock hinzu. \u201eWenn andere, wie die Vereinigten Staaten, beschlie\u00dfen, sich herauszuhalten, ist das ihre Entscheidung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Clean Industrial Deal der EU<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EU will die Situation durch die F\u00f6rderung von mehr Investitionen in gr\u00fcne Technologien im Rahmen ihres im Februar gestarteten Clean Industrial Deal angehen. Die Initiative zielt darauf ab, mehr als 100 Milliarden Euro f\u00fcr die F\u00f6rderung sauberer Industrien in der EU zu mobilisieren. Sie unterst\u00fctzt auch die Verpflichtung der EU, die Emissionen bis zum Jahr 2040 um 90 Prozent zu reduzieren, und umfasst Ma\u00dfnahmen wie die Vereinfachung von Genehmigungen f\u00fcr Windparks und anderer Infrastrukturprojekte sowie die Anpassung der \u00f6ffentlichen Beschaffungspolitik, um sauberen Technologien aus europ\u00e4ischer Produktion den Vorzug zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Programm wurde jedoch von Umweltgruppen kritisiert. \u201eMit dem Deregulierungsschub und dem Fehlen eines konkreten Plans zur Mobilisierung echter zus\u00e4tzlicher Finanzmittel gibt es wenig, um die Ambitionen in die Tat umzusetzen\u201c, sagte <strong>Chiara Martinelli<\/strong>, Direktorin beim Climate Action Network Europe, bei der Bekanntgabe der Vereinbarung. \u201eDie einzige wirkliche Dringlichkeit des Abkommens scheint darin zu bestehen, die Berichterstattungsvorschriften abzuschw\u00e4chen, anstatt sicherzustellen, dass die Unternehmen zu einer fairen, wettbewerbsf\u00e4higen und klimasicheren Wirtschaft beitragen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der am Dienstag vom Copernicus Climate Change Service und der Weltorganisation f\u00fcr Meteorologie (WMO) ver\u00f6ffentlichte j\u00e4hrliche Bericht \u00fcber den Zustand des Klimas in Europa zeigt derweil, wie dramatisch die Situation in Europa ist: Die oft schweren St\u00fcrme und die weit verbreiteten \u00dcberschwemmungen forderten im Jahr 2024 mindestens 335 Menschenleben und betrafen sch\u00e4tzungsweise 413.000 Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDieser Bericht unterstreicht, dass Europa der Kontinent ist, der sich am schnellsten erw\u00e4rmt und ernsthafte Auswirkungen von extremen Wetterereignissen und dem Klimawandel zu sp\u00fcren bekommt\u201c, sagte WMO-Generalsekret\u00e4rin <strong>Celeste Saulo <\/strong>in einer Erkl\u00e4rung. \u201eJeder zus\u00e4tzliche Bruchteil eines Grades Temperaturanstieg ist von Bedeutung, weil er die Risiken f\u00fcr unser Leben, unsere Wirtschaft und unseren Planeten vergr\u00f6\u00dfert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel wird zweimal pro Woche ver\u00f6ffentlicht. Der Inhalt basiert auf den Nachrichten der am European Newsroom beteiligten Agenturen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU scheint im weltweiten Wettlauf um gr\u00fcne Technologien ins Hintertreffen zu geraten. Eine Top-Repr\u00e4sentantin warnt davor, dass die Produktionskapazit\u00e4ten nicht mit den Klimazielen Schritt halten.<\/p>\n","protected":false},"author":182,"featured_media":218355,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":true,"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[39],"tags":[1203,19523,9927],"class_list":["post-1156498","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-key-story","tag-eu-kommission","tag-innovation-4","tag-technologie-2"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1156498","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/182"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1156498"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1156498\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/218355"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1156498"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1156498"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1156498"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}