{"id":1180134,"date":"2025-04-23T18:38:28","date_gmt":"2025-04-23T16:38:28","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.com\/?p=1180134"},"modified":"2025-04-23T18:38:37","modified_gmt":"2025-04-23T16:38:37","slug":"welthandel-im-wandel-eu-blickt-wegen-trumps-zoellen-ueber-den-westen-hinaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/welthandel-im-wandel-eu-blickt-wegen-trumps-zoellen-ueber-den-westen-hinaus\/","title":{"rendered":"Welthandel im Wandel: EU blickt wegen Trumps Z\u00f6llen \u00fcber den Westen hinaus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem US-Pr\u00e4sident <strong>Donald Trump<\/strong> Z\u00f6lle auf europ\u00e4ische Importe verh\u00e4ngt und mit weiteren Geb\u00fchren gedroht hat, versucht Br\u00fcssel, ein neues Handelskonzept aufzusetzen. Die EU ist derzeit dringend auf der Suche nach neuen M\u00e4rkten und Verb\u00fcndeten, die noch an einen fairen Handel und klare Regeln glauben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wiederwahl Trumps im November hatte die EU bereits dazu veranlasst, sich in verschiedene Richtungen umzusehen, zur St\u00e4rkung ihrer Handelsbeziehungen. Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben die EU und ihre Mitgliedstaaten dazu veranlasst, diese Bem\u00fchungen jetzt zu intensivieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit Januar ist der EU-Kalender mit Terminen zum Thema Handelsbeziehungen gut gef\u00fcllt. Wenige Tage vor Trumps Vereidigung einigte sich der Block auf eine St\u00e4rkung der Handelsbeziehungen mit Mexiko, am Tag seiner Amtseinf\u00fchrung nahm die EU die Verhandlungen mit Malaysia wieder auf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Februar und M\u00e4rz trafen EU-Spitzenbeamte mit den Staats- und Regierungschefs Indiens und S\u00fcdafrikas zusammen, um unter anderem \u00fcber Handelsthemen zu sprechen. Sie bem\u00fchten sich aktiv um engere Beziehungen zu Kanada.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang April hatte die EU Gespr\u00e4che \u00fcber ein Handelsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgenommen. \u201eIn einer instabilen Welt sind Partnerschaften mit vertrauensw\u00fcrdigen Verb\u00fcndeten auf der ganzen Welt mit klar definierten Regeln zum gegenseitigen Nutzen wertvoller denn je,\u201c sagte ein EU-Sprecher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Ansicht hat \u00fcberall in Europa an Gewicht gewonnen, seit Donald Trump Z\u00f6lle auf EU-Waren angek\u00fcndigt hat. Der US-Pr\u00e4sident sprach zun\u00e4chst einen 20-prozentigen Zoll auf Einfuhren aus der EU aus und pausierte ihn dann jedoch wieder f\u00fcr 90 Tage. In der Zwischenzeit gelten f\u00fcr die meisten EU-Importe jedoch immer noch Z\u00f6lle in H\u00f6he von 10 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der spanische Wirtschaftsminister <strong>Carlos Cuerpo<\/strong> schlug auf dem j\u00fcngsten Treffen von Handelsvertretern in Luxemburg vor, der Zollkrieg mit den USA solle als \u201eAnsporn\u201c f\u00fcr die Diversifizierung der Beziehungen der EU mit anderen Partnern dienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der tschechische Premierminister <strong>Petr Fiala<\/strong> betonte die Notwendigkeit, nach alternativen M\u00e4rkten zu suchen. Er erw\u00e4hnte den raschen Abschluss eines Freihandelsabkommens mit dem Mercosur, einem Handelsblock s\u00fcdamerikanischer L\u00e4nder wie Brasilien, Bolivien, Argentinien, Paraguay und Uruguay, oder Abkommen mit Indien oder den L\u00e4ndern S\u00fcdostasiens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir wollen, dass die EU dort Mauern einrei\u00dft, wo andere sie errichten,\u201c erkl\u00e4rte der schwedische Handelsminister <strong>Benjamin Dousa<\/strong> bereits im M\u00e4rz gegen\u00fcber der Nachrichtenagentur TT.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Werden sich die EU und China ann\u00e4hern?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der spanische Premierminister <strong>Pedro S\u00e1nchez<\/strong> sieht Chancen, insbesondere in Asien. Bei einem Besuch in China am 11. April sprach er sich f\u00fcr eine \u201eSt\u00e4rkung und Ausgewogenheit der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen\u201c zwischen China und Spanien aus. Er betonte, dass er immer deutlich gemacht habe, dass sein Land diese Beziehungen \u201eauf der Grundlage von Balance und Gegenseitigkeit weiterentwickeln\u201c wolle.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir wollen zu einer positiven Beziehung zwischen den USA und der EU beitragen, aber eine solide Beziehung zwischen China und der EU und zwischen China und Spanien ist notwendig,\u201c f\u00fcgte er hinzu und sagte, es m\u00fcsse ein neues Gleichgewicht im Handel geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EU hatte im Jahr 2024 ein Handelsdefizit von 304,5 Milliarden Euro mit China.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der chinesische Pr\u00e4sident <strong>Xi Jinping<\/strong> sagte w\u00e4hrend des Besuchs, dass es in einem Handelskrieg keine Gewinner gebe und dass ein Vorgehen gegen die Welt nur zur Selbstisolierung f\u00fchre.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Br\u00fcssel erkl\u00e4rten EU-Quellen gegen\u00fcber der italienischen Agentur ANSA, sie bemerkten eine leichte Ver\u00e4nderung in Pekings Haltung. Die Kan\u00e4le zur Verbesserung der Handelsbeziehungen wurden wieder ge\u00f6ffnet, und f\u00fcr Juli wurde ein hochrangiger EU-China-Gipfel angek\u00fcndigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die fehlende Gleichbehandlung der Unternehmen in beiden Bl\u00f6cken und die M\u00f6glichkeit einer \u00dcberschwemmung des europ\u00e4ischen Marktes mit chinesischen Produkten angesichts neuer Hindernisse f\u00fcr den Zugang zum US-Markt lassen Br\u00fcssel jedoch am Glauben zweifeln, dass Peking in naher Zukunft ein wohlwollender Partner werden k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>EU-L\u00e4nder streben verst\u00e4rkten Handel mit Indien an<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Belgien sieht im derzeitigen Handelsklima Chancen und h\u00e4lt \u2013 ebenso wie die Europ\u00e4ische Kommission und mehrere andere Mitgliedstaaten \u2013 Indien f\u00fcr einen attraktiven Partner. Anfang M\u00e4rz leitete Prinzessin Astrid von Belgien eine gro\u00dfe Handelsmission nach Delhi und Mumbai. Pharmazeutika, Verteidigung, Diamanten, Logistik, Luft- und Raumfahrt und gr\u00fcne Energie standen als Themen ganz oben auf der Tagesordnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMir scheint, dass dies der perfekte Zeitpunkt f\u00fcr Europa ist, um selbstbewusst Freihandelsabkommen mit neuen Partnern in der ganzen Welt zu schlie\u00dfen, die mehr denn je auf uns schauen,\u201c sagte der belgische Premierminister Bart De Wever, als die Z\u00f6lle erstmals angek\u00fcndigt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Pr\u00e4sident von Singapur stattete Belgien noch im selben Monat einen Staatsbesuch ab, dies war ein weiterer Beweis f\u00fcr Belgiens breiter aufgestellte Strategie zur Vertiefung der Beziehungen zu Asien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der designierte deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz schl\u00e4gt \u00e4hnliche T\u00f6ne an. Das globale Gleichgewicht verschiebe sich, und \u201ewir Europ\u00e4er\u201d br\u00e4uchten sehr schnell neue Handelspartner, sagte er am Anfang des Monats.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Abkommen mit S\u00fcdamerika ist in Sicht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der EU hofft man, dass die Ratifizierung des Handelsabkommens mit den s\u00fcdamerikanischen L\u00e4ndern schnell voranschreitet und der Prozess noch dieses Jahr abgeschlossen werden kann. Eine Einigung wurde bereits im Dezember 2024 erzielt, aber um in Kraft treten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen das Europ\u00e4ische Parlament sowie mindestens 15 der 27 EU-Staaten, die zusammen mindestens 65 Prozent der Bev\u00f6lkerung repr\u00e4sentieren, zustimmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch ist ungewiss, ob es dazu kommt. Umweltgruppen haben das Abkommen heftig kritisiert, weil sie bef\u00fcrchten, dass es den Umweltschutz beeintr\u00e4chtigen und die Abholzung der W\u00e4lder verst\u00e4rken werde. Auch Landwirte haben gegen das Abkommen protestiert. Sie f\u00fcrchten eine Benachteiligung, da die Produktion in den Mercosur-L\u00e4ndern weniger strengen Vorschriften unterliege und daher billiger produziert werden k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehrere EU-L\u00e4nder, darunter Frankreich, Polen und \u00d6sterreich, haben ihre Unzufriedenheit mit dem Abkommen ge\u00e4u\u00dfert. Die Dringlichkeit, neue Handelspartner zu gewinnen, k\u00f6nnte ihre Haltung allerdings aufweichen und die Ratifizierung des Paktes erleichtern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Br\u00fcssel befindet sich \u201eim Dialog\u201c mit den z\u00f6gernden Mitgliedsstaaten. Die Europ\u00e4ische Kommission strebt an, die rechtliche \u00dcberpr\u00fcfung des Textes vor dem Ende des Sommers abzuschlie\u00dfen. Das w\u00fcrde den Weg f\u00fcr die Ratifizierung ebnen und die EU-L\u00e4nder und das Europ\u00e4ische Parlament, in dem es ebenfalls viele kritische Stimmen im Blick auf den Vertragstext gibt, dazu zwingen, sich zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kleinere europ\u00e4ische L\u00e4nder wollen mehr Freihandel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einigen kleineren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ist man besorgt \u00fcber die Auswirkungen, die die Z\u00f6lle auf die Volkswirtschaften gr\u00f6\u00dferer L\u00e4nder wie Deutschland haben k\u00f6nnten, von denen sie im Handel stark abh\u00e4ngig sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Slowenien ist mit seiner eher kleinen und exportorientierten Wirtschaft traditionell haupts\u00e4chlich an die europ\u00e4ischen M\u00e4rkte gebunden, w\u00e4hrend die USA nur der zw\u00f6lftgr\u00f6\u00dfte Handelspartner des Landes sind. Die slowenischen Unternehmen suchen daher nach gesch\u00e4ftlichen M\u00f6glichkeiten auf Drittm\u00e4rkten, insbesondere im Nahen Osten und in Asien. Nach Angaben des slowenischen Statistikamtes stieg der Wert der Exporte in Nicht-EU-L\u00e4nder im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent, w\u00e4hrend der Wert der Importe aus diesen L\u00e4ndern um 47 Prozent zunahm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zdenko Luci\u0107<\/strong>, Staatssekret\u00e4r im kroatischen Au\u00dfenministerium, sagte, dass die USA etwa 2 Prozent des kroatischen Warenhandels ausmachten. \u201eWir haben schon gr\u00f6\u00dfere Krisen erlebt, wie die COVID-19-Pandemie und den Krieg in der Ukraine, und unsere Wirtschaft hat sich davon relativ schnell erholt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Angaben des bulgarischen Ministeriums f\u00fcr Wirtschaft und Industrie entf\u00e4llt auf die USA ein relativ kleiner, aber stetiger Anteil am Au\u00dfenhandel: Es seien etwa 2,5 Prozent der Ausfuhren und 1,2 Prozent der Einfuhren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Regierung des EU-Kandidaten Landes Nordmazedonien ist der Ansicht, dass jetzt ein guter Zeitpunkt sein k\u00f6nnte, um die Beziehungen zu den USA zu verbessern. Die f\u00fcr Nordmazedonien eingef\u00fchrten Z\u00f6lle sollten kein Grund zur Panik sein und nicht negativ interpretiert werden, sagte die Finanzministerin des Landes, <strong>Gordana Dimitrieska-Kochoska<\/strong>, der Nachrichtenagentur MIA.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir k\u00f6nnten dies als Chance f\u00fcr die mazedonische Wirtschaft nutzen, da die Regierung eine gute Kommunikation mit Washington aufgebaut hat, was sehr wichtig ist. Obwohl unser Handel mit den Vereinigten Staaten derzeit unter einem Prozent liegt, k\u00f6nnte dies in der kommenden Zeit als Vorteil angesehen werden.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bosnien-Herzegowina nimmt eine \u00e4hnliche Perspektive ein. Das Land, das ebenfalls zu den EU-Beitrittskandidaten geh\u00f6rt, ist im Handel stark von der EU abh\u00e4ngig, denn \u00fcber 70 Prozent seiner Exporte und 66 Prozent seiner Importe sind an die EU gebunden. Die USA sind zwar ein kleinerer Handelspartner, vor allem bei R\u00fcstungsg\u00fctern, aber die neuen US-Z\u00f6lle haben diesem Sektor geschadet. Das hat das Land dazu veranlasst, die Aufhebung seiner eigenen Z\u00f6lle zu erw\u00e4gen, um den Handel zu erleichtern und sich m\u00f6glicherweise um ein Freihandelsabkommen zu bem\u00fchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fall von Irland k\u00f6nnten die Z\u00f6lle erhebliche negative Auswirkungen haben. Im Jahr 2024 exportierte das Land Waren im Wert von 72 Milliarden Euro in die USA. Ein Gro\u00dfteil davon entfiel auf Arzneimittel \u2013 eine Branche, die bisher von den Z\u00f6llen ausgenommen war. US-Pr\u00e4sident Trump hat allerdings seine Absicht bekundet, dies \u00e4ndern zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel wird zwei Mal pro Woche ver\u00f6ffentlicht. Der Inhalt basiert auf den Nachrichten der am European Newsroom beteiligten Agenturen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend Donald Trumps Handelskrieg Europa erreicht, versucht die EU, ihre globalen Handelsbeziehungen neu zu gestalten. Lange aufgeschobene Abkommen liegen wieder auf dem Tisch, neue Allianzen entstehen. 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