{"id":120708,"date":"2023-04-07T09:47:26","date_gmt":"2023-04-07T07:47:26","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.dpa.com\/?p=120708"},"modified":"2023-04-07T09:47:27","modified_gmt":"2023-04-07T07:47:27","slug":"nachhaltige-fischerei-eu-aktionsplan-sorgt-in-mitgliedsstaaten-fuer-widerstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/nachhaltige-fischerei-eu-aktionsplan-sorgt-in-mitgliedsstaaten-fuer-widerstand\/","title":{"rendered":"Nachhaltige Fischerei? EU-Aktionsplan sorgt in Mitgliedsstaaten f\u00fcr Widerstand"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Demonstrationen, blockierte H\u00e4fen, \u2026 Die Idee der Kommission, die Schleppnetzfischerei in allen Meeresschutzgebieten zu verbieten, hat unter den Fischern in Frankreich die Aktion \u201etote H\u00e4fen\u201c ausgel\u00f6st. Obwohl es sich bei den Vorschl\u00e4gen der Kommission nicht um neue Rechtsvorschriften handelt \u2013 und ihre Umsetzung f\u00fcr einige Umwelt-NGOs kaum schnell genug kommen kann \u2013 gab es in einigen Mitgliedsstaaten starken Widerstand dagegen. Bef\u00fcrchtungen, das Verbot k\u00f6nne die gesamte Industrie gef\u00e4hrden, f\u00fchrten auch in Deutschland, Spanien, Portugal, Italien, Irland und D\u00e4nemark zu einem Aufschrei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Aktionsplan der Kommission f\u00fcr eine nachhaltige Fischerei, der am 21. Februar bekanntgegeben wurde, beinhaltet die Initiative, die Grundschleppnetzfischerei in gesch\u00fctzten Meeresgebieten schrittweise zu beenden. Die Ma\u00dfnahme zielt darauf ab, durch den Einsatz mobiler Grundschleppnetze (Schleppnetze, Dredgen, Langleinen, Fallen) bedrohte Fische, Muscheln, Schildkr\u00f6ten und Seev\u00f6gel in Gebieten zu sch\u00fctzen, die bis 2030 auf bis zu 30 Prozent der europ\u00e4ischen Gew\u00e4sser ausgedehnt werden sollen. Die Vorgabe ist nicht bindend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut der Kommission ist die Fischerei mit bestimmten mobilen Bodenkontaktger\u00e4ten (mobile Grundfischerei), insbesondere die Grundschleppnetzfischerei, eine der am weitesten verbreiteten und sch\u00e4dlichsten Aktivit\u00e4ten f\u00fcr den Meeresboden und die damit verbundenen Lebensr\u00e4ume. Gegenw\u00e4rtig gelten 79 Prozent des Meeresbodens in den K\u00fcstengebieten als besonders durch die Grundschleppnetzfischerei beeintr\u00e4chtigt, und ein Viertel des EU-K\u00fcstengebiets hat wahrscheinlich bereits seine Lebensr\u00e4ume am Meeresboden eingeb\u00fc\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Spanien, Italien und Deutschland: Br\u00fcssel \u201everteufelt\u201c und \u201esimplifiziert\u201c die Schleppnetzfischerei<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die spanische Regierung warf Br\u00fcssel k\u00fcrzlich vor, die Schleppnetzfischerei zu \u201everteufeln\u201c, und argumentierte, diese erziele nachhaltige Ertr\u00e4ge und erleichtere die Erholung der Fischbest\u00e4nde. Der spanische Minister f\u00fcr Landwirtschaft und Fischerei, <strong>Luis Planas<\/strong>, erachtet es als notwendig, f\u00fcr die gemeinsame Fischereipolitik zuk\u00fcnftig ein Gleichgewicht zwischen \u00f6kologischen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren zu finden. Die Meinungsverschiedenheiten Spaniens mit Br\u00fcssel \u00fcber das Verbot der Schleppnetzfischerei sind nicht neu. Im Jahr 2022 klagte die spanische Regierung vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof gegen eine bereits in Kraft getretene Verordnung der Kommission, die eine Schlie\u00dfung von 87 Schleppnetzfanggebieten an der Atlantikk\u00fcste vorsah.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der italienische Landwirtschaftsminister <strong>Francesco Lollobrigida<\/strong> forderte beim EU-Rat f\u00fcr Landwirtschaft und Fischerei am 20. M\u00e4rz \u201eeine \u00dcberarbeitung des Aktionsplans\u201c, denn es sei eine Simplifizierung, der Grundschleppnetzfischerei \u201edie alleinige Verantwortung f\u00fcr die Beeintr\u00e4chtigung des Meeresbodens und die Dezimierung der Fischbest\u00e4nde zuzuschreiben\u201c. Die \u00dcberarbeitung des Plans sollte \u201ein Abstimmung mit den Mitgliedstaaten und der Industrie\u201c erfolgen, so der Minister.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter Bezugnahme auf die s\u00fcdlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers betonte Lollobrigida, dass es wichtig sei, \u201eunsere Fischereifahrzeuge nicht mit strengen Regeln zu benachteiligen, die nicht auf Drittl\u00e4nder angewendet werden k\u00f6nnen\u201c, und f\u00fcgte hinzu: \u201eEs ist notwendig, Ern\u00e4hrungssicherheit und Souver\u00e4nit\u00e4t zu garantieren, ohne auf ideologischen Standpunkten zu beharren, die unsere Unternehmen im Vergleich zu anderen Nationen in den gleichen Fischereigew\u00e4ssern kasteien.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Cem \u00d6zdemir<\/strong>, der deutsche Minister f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung, st\u00e4rkte im Zwist um die EU-Pl\u00e4ne Krabbenfischern in Deutschland den R\u00fccken. \u201eWissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass die Krabbenfischerei schonender f\u00fcr den Meeresboden ist, als andere Grundschleppnetzfischereien\u201c, sagte der Gr\u00fcnen-Politiker.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1281\" src=\"https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/urnnewsmldpa.com20090101230401-99-174144-v2-s2048.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-118875\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Cem \u00d6zdemir (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen), Bundesminister f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft, spricht w\u00e4hrend einer Kundgebung am Rande der Agrarministerkonferenz. Grund der Proteste war unter anderem das von der EU-Kommission geplante Verbot von Grundschleppnetzen in Schutzgebieten. Foto: Frank Molter\/dpa<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00d6zdemir macht sich gegen ein generelles Verbot der Grundschleppnetze stark und \u00e4u\u00dferte, dass die Auswirkungen unterschiedlicher Arten der Fischerei auf die Umwelt differenziert zu betrachten seien. Schlie\u00dflich w\u00fcrden die vergleichsweise leichten Netze der Krabbenfischer auf feinerem Untergrund eingesetzt, so dass sich der Meeresboden und die dort vorkommenden Arten schneller erholten, als beispielsweise in der Fischerei auf Plattfische. \u201ePauschale Verbote f\u00fchren in eine Sackgasse, aus der die Krabbenfischer nicht wieder rauskommen\u201c, sagte der Minister. Gleichzeitig betonte \u00d6zdemir allerdings auch die Notwendigkeit, die Bem\u00fchungen um eine nachhaltigere Fischerei zu verst\u00e4rken, einschlie\u00dflich umweltfreundlicherer Regeln f\u00fcr Bodenschleppnetze.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>W\u00e4re ein Verbot existenzgef\u00e4hrdend f\u00fcr die Fischereiindustrie?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gem\u00e4\u00df Sch\u00e4tzungen der Europ\u00e4ischen Bodenfischerei-Allianz (European Bottom Fisheries Alliance, EBFA) w\u00fcrde das Verbot \u201edie Existenz von 7.000 Booten gef\u00e4hrden\u201c d.&nbsp;h. \u201e25 Prozent der angelandeten (Fang-)Mengen und 38 Prozent der Gesamteinnahmen der europ\u00e4ischen Flotte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Angaben des nationalen franz\u00f6sischen Fischereiausschusses w\u00fcrde eine solche Ma\u00dfnahme zum Verschwinden von fast \u201eeinem Drittel der Flotte\u201c f\u00fchren, d.&nbsp;h. von 4.000 Fischern an Bord von 1.200 Booten in Frankreich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Spanien nutzen 10 Prozent aller Fischereiboote Schleppnetze. Der Sektor, angef\u00fchrt vom Arbeitgeberverband CEPESCA, hat vor den Auswirkungen des Br\u00fcsseler Verbots auf Wirtschaft und Besch\u00e4ftigung gewarnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die deutsche Ostseefischerei ist durch restriktive Fangvorgaben bereits in die Krise geraten. Mit dem geplanten Verbot auf EU-Ebene w\u00fcrde sich der Druck auf die deutschen Fischer weiter erh\u00f6hen, die in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Problemen zu k\u00e4mpfen hatten. So ist beispielsweise der Heringsfang, der f\u00fcr die Ostseefischer besonders wichtig ist, fast vollst\u00e4ndig verboten. \u00dcberfischung, vor allem aus der Landwirtschaft in die Gew\u00e4sser geschwemmte N\u00e4hrstoffe und der Klimawandel machen den Fischbest\u00e4nden zu schaffen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kroatien hat hingegen einen Aufruf an die Fischer gestartet, sich an einer Initiative zur endg\u00fcltigen Einstellung der Fischerei zu beteiligen, bei der die Boote entweder zerst\u00f6rt oder auf T\u00e4tigkeiten au\u00dferhalb der kommerziellen Fischerei umgestellt werden sollen. Die Ma\u00dfnahme wird ma\u00dfgeblich von der Europ\u00e4ischen Union finanziert, die 70 Prozent der Kosten \u00fcbernimmt. Die restlichen 30 Prozent werden von Kroatien getragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein verw\u00e4sserter Plan?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erste Ma\u00dfnahmen sollen demnach bereits bis Ende M\u00e4rz 2024 feststehen. Auf Nachfrage betonte die Kommission: \u201eEs gibt kein automatisches oder vollst\u00e4ndiges Verbot der Grundschleppnetzfischerei, das im M\u00e4rz 2024 in Kraft treten w\u00fcrde.\u201c Der von der Kommission vorgelegte Aktionsplan f\u00fcr nachhaltige Fischerei \u201eschl\u00e4gt den Mitgliedstaaten lediglich Leitlinien vor\u201c, sagte der franz\u00f6sische Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Meeresfragen <strong>Herv\u00e9 Berville<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir werden die Mitgliedstaaten auffordern, uns bis 2024 einen Fahrplan vorzulegen. Wir glauben, dass sich alle der Notwendigkeit bewusst sind, Fortschritte bei der nachhaltigen Fischerei und dem Schutz der \u00d6kosysteme zu erzielen, insbesondere im Mittelmeer\u201c, so die Kommission, die au\u00dferdem betonte, dass \u201eviele Fischer auf einen intakten Meeresboden angewiesen sind, dessen Zustand sich jedoch in ganz Europa immer weiter verschlechtert\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel wird freitags ver\u00f6ffentlicht. Der Inhalt basiert auf Nachrichten der teilnehmenden Agenturen im enr.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Kommission hat k\u00fcrzlich einen Aktionsplan f\u00fcr eine nachhaltigere Fischerei vorgelegt. Demnach soll die Fischerei mit Grundschleppnetzen in gesch\u00fctzten Meeresgebieten bis sp\u00e4testens 2030 unzul\u00e4ssig sein. Dies ist in einigen Mitgliedstaaten auf starken Widerstand gesto\u00dfen, was zu einer Verw\u00e4sserung des Plans f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"author":119,"featured_media":120482,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[39],"tags":[5913,9515,9594],"class_list":["post-120708","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-key-story","tag-aktionsplan","tag-fischerei","tag-nachhaltigkeit"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120708","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/119"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=120708"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120708\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/120482"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=120708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=120708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=120708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}