{"id":146714,"date":"2023-08-01T08:51:00","date_gmt":"2023-08-01T06:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.dpa.com\/?p=146714"},"modified":"2023-07-25T12:57:27","modified_gmt":"2023-07-25T10:57:27","slug":"arme-laender-hatten-mehr-vom-getreideabkommen-als-die-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/arme-laender-hatten-mehr-vom-getreideabkommen-als-die-eu\/","title":{"rendered":"Arme L\u00e4nder hatten mehr vom Getreideabkommen als die EU"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Spanien, die Niederlande, Italien und Portugal geh\u00f6ren zu den zehn L\u00e4ndern, die dank des Getreideabkommens zu Transporten \u00fcber das Schwarze Meer am meisten ukrainisches Getreide einf\u00fchrten. Bedeutet dies, dass der Westen am meisten von dem Abkommen profitiert haben? In den sozialen Netzwerken behaupten manche, die bed\u00fcrftigen armen L\u00e4ndern der Welt h\u00e4tten auf diesem Weg viel weniger Getreide erhalten. Ob das stimmt, l\u00e4sst sich anhand von Statistiken der Vereinten Nationen \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bewertung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die UN-Zahlen belegen, dass die Behauptung falsch ist. Das meiste Getreide aus der Ukraine wurde im Rahmen des Abkommens an Entwicklungsl\u00e4nder geliefert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fakten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 22. Juli 2022 hatten die Vereinten Nationen und die T\u00fcrkei mit Russland und der Ukraine\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/black-sea-grain-initiative\/background\" target=\"_blank\">vereinbart<\/a>, dass die Ukraine trotz des russischen Angriffskrieges ihr Getreide \u00fcber einen Schiffs-Korridor im Schwarzen Meer exportieren darf. Voraussetzung war, dass Schiffe, Ladung und Besatzung von Vertretern der vier Vertragsparteien kontrolliert werden d\u00fcrfen. Das sollte Hunger in der Welt verhindern, weil die Ukraine als weltweit wichtiges Produktionsland andernfalls ausgefallen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/paul.reiland.58\/posts\/pfbid02HiY3sQp8ZD3MzAgQTgE9qFE4K8Mdt9SeF4jgBrzDLrjkat6iBLbSgLDx3EyQAWQvl\" target=\"_blank\">Facebook-Post<\/a>\u00a0wurde nun behauptet, anders als von den \u00abClowns in der Tagesschau\u00bb berichtet, sei das meiste Getreide aus ukrainischen H\u00e4fen \u00abeben nicht an hungernde Nationen, sondern in den Westen\u00bb gegangen. Von 33 Millionen Tonnen seien nur 2,6 Millionen Tonnen an \u00abhungernde L\u00e4nder\u00bb gegangen, \u00abalso ca. 10 Prozent\u00bb (tats\u00e4chlich w\u00e4ren das nur knapp 8 Prozent).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Russland lie\u00df das Abkommen auslaufen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die russische Regierung hatte am 17. Juli 2023\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/tass.com\/politics\/1647771\" target=\"_blank\">mitgeteilt<\/a>, es werde das an diesem Tag auslaufende Abkommen vorerst nicht mehr verl\u00e4ngern. Unter anderem hatte Moskau das damit begr\u00fcndet, dass westliche Sanktionen die eigenen D\u00fcngemittelexporte behinderten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die Getreideexporte gem\u00e4\u00df dem Abkommen strikt kontrolliert werden, liegen pr\u00e4zise\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/black-sea-grain-initiative\/data\" target=\"_blank\">Daten<\/a>\u00a0\u00fcber die das Abkommen nutzenden Schiffe, deren Ladung und deren Bestimmungsort vor. Diese sind auf einer eigens f\u00fcr dieses Abkommen eingerichteten\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/black-sea-grain-initiative\" target=\"_blank\">Webseite der Vereinten Nationen<\/a>\u00a0\u00f6ffentlich zug\u00e4nglich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>57 Prozent gingen an Entwicklungsl\u00e4nder<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Demnach sind seit der Unterzeichnung des Abkommens vom Juli 2022 insgesamt 32,9 Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine \u00fcber den Schiffskorridor exportiert worden. Davon gingen rund 14 Millionen Tonnen, also 43 Prozent, an entwickelte Staaten. 18,8 Millionen Tonnen wurden hingegen an Entwicklungsl\u00e4nder geliefert. Das sind gut 57 Prozent der gesamten Exporte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vereinten Nationen schl\u00fcsseln die Exporte auch nach den Reichtumsgruppen der Welt auf. Demnach gingen 44 Prozent der Exporte (14 Millionen Tonnen) an Staaten mit hohem Einkommen. 37 Prozent (12 Millionen Tonnen) wurden an Staaten mit \u00aboberem mittlerem Einkommen\u00bb und 17 Prozent (5,6 Millionen Tonnen) an Staaten mit \u00abniedrigem mittleren Einkommen\u00bb geliefert. 2,5 Prozent (0,8 Millionen Tonnen) entfielen auf Staaten mit niedrigem Einkommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nahrungsmittelhilfen wurden nach Verarbeitung weitergeleitet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gr\u00f6\u00dfter Kunde f\u00fcr das Getreide aus der Ukraine war China mit 8 Millionen Tonnen. Zweitgr\u00f6\u00dfter Kunde war Spanien (6 Millionen Tonnen), gefolgt von der T\u00fcrkei (3,2 Millionen Tonnen). Die Vereinten Nationen weisen dabei ausdr\u00fccklich darauf hin, dass die T\u00fcrkei einen gro\u00dfen Teil der Nahrungsmittelhilfen verarbeitet, die das UN-Weltern\u00e4hrungsprogramm (WFP) anschlie\u00dfend an L\u00e4nder wie Afghanistan, \u00c4thiopien, Somalia, Kenia, Sudan oder Jemen weiterleitet. Insgesamt 725 000 Tonnen wurden vom Weltern\u00e4hrungsprogramm aufgekauft. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den L\u00e4ndern mit hohem Einkommen, die knapp 44 Prozent der Exporte aufnahmen, geh\u00f6ren die meisten L\u00e4ndern der Europ\u00e4ischen Union. Dar\u00fcber hinaus werden Gro\u00dfbritannien, Japan, Oman, Korea, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate aufgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gro\u00dfkunde China rangiert in der Gruppe der L\u00e4nder mit oberem mittleren Einkommen ebenso wie die T\u00fcrkei und beispielsweise der Irak, Libyen oder Thailand. Auch die L\u00e4nder mit niedrigem mittlerem Einkommen sind alles andere als reich: dazu geh\u00f6ren Bangladesch, \u00c4gypten, Indien, Kenia, Pakistan oder Tunesien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gr\u00f6\u00dferes Angebot auf dem Weltmarkt d\u00e4mpft die Inflation<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer UN-Bilanz zufolge sind seit Juli 2022 insgesamt 45 L\u00e4nder auf drei Kontinenten mit Getreide aus der Ukraine beliefert worden. Diese Exporte haben laut UN dazu beigetragen, dass die Weltmarktpreise f\u00fcr Lebensmittel, die zur Zeit des Vertragsabschlusses stetig stiegen, um mehr als 23 Prozent gesunken sind. Das Abkommen lege nicht fest, wer beliefert werden d\u00fcrfe. \u00abExporte in alle L\u00e4nder, ob reich oder arm, k\u00f6nnen jedoch zur Beruhigung der Weltm\u00e4rkte beitragen und die Inflation der Lebensmittelpreise abmildern\u00bb, hei\u00dft es auf der\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2023\/07\/1138532?_gl=1*1003qhz*_ga*MTI2ODAxMDk2OS4xNjg5NzU4NTYz*_ga_TK9BQL5X7Z*MTY4OTc3MDgyOC40LjEuMTY4OTc3MDgzMS4wLjAuMA..\" target=\"_blank\">Webseite<\/a>\u00a0der Vereinten Nationen. Mit anderen Worten: Wenn das Angebot an Getreide auf dem Weltmarkt insgesamt gr\u00f6\u00dfer ist, steigen die Preise weniger schnell. Und dann k\u00f6nnen auch \u00e4rmere Staaten leichter selbst Getreide einkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das meiste Getreide aus der Ukraine ist also nicht in den Westen geliefert worden. Das meiste Getreide aus der Ukraine ging an Entwicklungsl\u00e4nder. Genau so hat es \u00fcbrigens die\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/getreideabkommen-ukraine-russland-faq-104.html\" target=\"_blank\">Tagesschau<\/a>\u00a0zutreffend berichtet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Links<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/paul.reiland.58\/posts\/pfbid02HiY3sQp8ZD3MzAgQTgE9qFE4K8Mdt9SeF4jgBrzDLrjkat6iBLbSgLDx3EyQAWQvl\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Facebook-Post<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/ghostarchive.org\/archive\/91nEz\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">archiviert<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/black-sea-grain-initiative\/background\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vereinbarung von 2022<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230426095405\/https:\/www.un.org\/en\/black-sea-grain-initiative\/background\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">archiviert<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/tass.com\/politics\/1647771\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">TASS zu Abkommen<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230719135138\/https:\/tass.com\/politics\/1647771\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">archiviert<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/black-sea-grain-initiative\/data\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Daten UN-\u00dcberwachung<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/perma.cc\/X6SA-674E\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">archiviert<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/black-sea-grain-initiative\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">UN Black Sea Initiative<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230719130823\/https:\/www.un.org\/en\/black-sea-grain-initiative\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">archiviert<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2023\/07\/1138532?_gl=1*1003qhz*_ga*MTI2ODAxMDk2OS4xNjg5NzU4NTYz*_ga_TK9BQL5X7Z*MTY4OTc3MDgyOC40LjEuMTY4OTc3MDgzMS4wLjAuMA..\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">UN-Webseite Bilanz<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230719133832\/https:\/news.un.org\/en\/story\/2023\/07\/1138532?_gl=1%2A1003qhz%2A_ga%2AMTI2ODAxMDk2OS4xNjg5NzU4NTYz%2A_ga_TK9BQL5X7Z%2AMTY4OTc3MDgyOC40LjEuMTY4OTc3MDgzMS4wLjAuMA..\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">archiviert<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/getreideabkommen-ukraine-russland-faq-104.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Tagesschau-Bericht<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230719080917\/https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/getreideabkommen-ukraine-russland-faq-104.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">archiviert<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber dpa-Faktenchecks<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr Faktenchecks von dpa finden Sie auf der Seite&nbsp;<a href=\"https:\/\/dpa-factchecking.com\/\">dpa-factchecking.com<\/a>. \u00dcber die Grunds\u00e4tze unserer Arbeit informieren wir&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.dpa.com\/de\/unternehmen\/faktencheck\/\">hier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Sie inhaltliche Einw\u00e4nde oder Anmerkungen haben, schicken Sie diese bitte an&nbsp;<a href=\"mailto:faktencheck@dpa.com\">faktencheck@dpa.com<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schon gewusst?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Sie Zweifel an einer Nachricht, einer Behauptung, einem Bild oder einem Video haben, k\u00f6nnen Sie den dpa-Faktencheck auch per WhatsApp kontaktieren. Weitere Informationen dazu finden Sie&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dpa.com\/de\/unternehmen\/faktencheck\/whatsapp-faktencheck#whatsapp-faktencheck\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben die Europ\u00e4ische Union und andere westliche L\u00e4nder am meisten vom ausgelaufenen Getreideabkommen profitiert? Arme L\u00e4nder h\u00e4tten dank dieses Abkommens weniger Getreide aus der Ukraine erhalten, behaupten manche. 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