{"id":1522265,"date":"2025-08-08T13:58:31","date_gmt":"2025-08-08T11:58:31","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.com\/?p=1522265"},"modified":"2025-08-08T13:58:35","modified_gmt":"2025-08-08T11:58:35","slug":"pfas-verbot-wie-europa-gegen-die-ausbreitung-von-ewigkeitschemikalien-vorgeht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/pfas-verbot-wie-europa-gegen-die-ausbreitung-von-ewigkeitschemikalien-vorgeht\/","title":{"rendered":"PFAS-Verbot: Wie Europa gegen die Ausbreitung von \u201eEwigkeitschemikalien\u201c vorgeht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sorgen wegen PFAS \u2013 kurz f\u00fcr per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen \u2013 nehmen in ganz Europa zu. Studien zeigen, dass die giftigen \u201eEwigkeitschemikalien\u201c in unserem Blut, unserer Nahrung und unserem Wasser oft in gef\u00e4hrlichen Konzentrationen vorkommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den vergangenen Jahren gab es in mehreren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern Skandale, bei denen die industrielle Ableitung von PFAS in B\u00f6den und Gew\u00e4sser ernsthafte Gesundheitsrisiken f\u00fcr die umliegenden Gemeinden verursacht hat. Mit wachsendem \u00f6ffentlichen Druck sehen sich Regierungen nun gezwungen zu handeln. Doch wie effektiv sind ihre Ma\u00dfnahmen \u2013 und reichen sie aus?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was sind PFAS?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als PFAS wird eine Gruppe von mehr als 10.000 synthetischen Chemikalien bezeichnet, von denen man wei\u00df, dass sie extrem lange bestehen \u2013 daher ihr Spitzname \u201eEwigkeitschemikalien\u201c. Sie werden h\u00e4ufig in Produkten wie Antihaftpfannen, Lebensmittelverpackungen und wasserfester Kleidung verwendet, weil sie Hitze, Wasser und \u00d6l abweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl sie n\u00fctzlich sind, wird der Kontakt mit PFAS, selbst in niedrigen Konzentrationen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum, mit einer Reihe von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht: Lebersch\u00e4den, hoher Cholesterinspiegel, geschw\u00e4chte Immunreaktionen, niedriges Geburtsgewicht und verschiedene Krebsarten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gelangen PFAS in unser Blut?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Europ\u00e4ische Umweltagentur untersuchte eine Reihe von Studien zu PFAS-Konzentrationen im Blut von Jugendlichen in neun L\u00e4ndern. Es stellte sich heraus, dass im Schnitt 14,3 Prozent der Proben Konzentrationen \u00fcber den akzeptablen Werten aufwiesen, aber mit erheblichen Unterschieden: von nur 1,3 Prozent in Spanien bis zu 23,8 Prozent in Frankreich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"642\" src=\"https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Risks-of-PFAS-for-human-health-in-Europe-Signal-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1522312\" srcset=\"https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Risks-of-PFAS-for-human-health-in-Europe-Signal-1.png 1000w, https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Risks-of-PFAS-for-human-health-in-Europe-Signal-1-980x629.png 980w, https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Risks-of-PFAS-for-human-health-in-Europe-Signal-1-480x308.png 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1000px, 100vw\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Anteil von Teenagern in Europa, die PFAS-Werten ausgesetzt sind, die EFSA-Gesundheitsrichtlinen \u00fcberschreiten<em> (HBGV), 2014-2021 (Quelle: EEA)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Frankreich bei der Gesetzgebung f\u00fchrend<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreich hat einige der strengsten PFAS-Vorschriften Europas eingef\u00fchrt. Ein im Februar verabschiedetes Gesetz verbietet ab 2026 die Verwendung von PFAS in Kosmetika, Kleidung, Schuhen und Skiwachsen. Ein umfassenderes Verbot von PFAS in Textilien tritt dort 2030 in Kraft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gesetz schreibt auch die regelm\u00e4\u00dfige \u00dcberwachung von PFAS-Werten im Trinkwasser vor. Vergangene Woche pr\u00e4sentierte die franz\u00f6sische Regierung eine \u00f6ffentliche Online-Karte, die die PFAS-Werte im Wasser landesweit zeigt. In den nord\u00f6stlichen Departements Meuse und Ardennes wurde der Konsum von Leitungswasser verboten, weil im vergangenen Monat dort abnormale Werte festgestellt wurden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Belgiens doppelte PFAS-Krise<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Wallonie brachte es 2023 die \u00d6ffentlichkeit auf, als eine Untersuchung des lokalen Senders RTBF aufdeckte, dass Warnungen vor PFAS-Kontamination jahrelang ignoriert wurden. Das US-Milit\u00e4r, das von einem St\u00fctzpunkt in der kleinen Stadt Chi\u00e8vres aus operiert, hatte 2017 nach einem Vorfall mit L\u00f6schschaum \u2013 einer Substanz mit hohem PFAS-Gehalt \u2013 hohe PFAS-Werte im \u00f6rtlichen Wasser festgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der US-St\u00fctzpunkt riet seinem Personal, kein Leitungswasser zu trinken \u2013 doch die lokale Bev\u00f6lkerung wurde jahrelang im Dunkeln gelassen, selbst nachdem die Regionalregierung 2018 \u00fcber das Problem informiert wurde. Anfang 2024 wurden in Chi\u00e8vres gro\u00df angelegte Bluttests durchgef\u00fchrt, die sp\u00e4ter auf umliegende Gebiete ausgeweitet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beh\u00f6rden erkl\u00e4rten, dass in den vergangenen Wochen Blutproben von fast 1.300 Menschen aus etwa zehn Gemeinden untersucht wurden, um zu festzustellen, ob sie den Chemikalien ausgesetzt waren. Das ist Teil einer neuen Kampagne, die im Juni begonnen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wallonische Regierung versprach zudem, die kommenden Regeln f\u00fcr EU-Trinkwasserstandards ein Jahr fr\u00fcher als geplant bis 2025 umzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Flandern einigten sich der Chemiekonzern 3M und die Regierung 2022 auf ein Sanierungsabkommen in H\u00f6he von 571 Millionen Euro, nachdem weit verbreitete PFAS-Verschmutzungen mit seiner Fabrik in Zwijndrecht bei Antwerpen in Verbindung gebracht wurden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Italien: Gef\u00e4ngnisstrafen f\u00fcr Umweltverschmutzer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Italien hatte \u00e4hnliche Probleme mit gro\u00dfen Unternehmen und PFAS. Im Juni verurteilte ein italienisches Gericht F\u00fchrungskr\u00e4fte eines Chemiewerks zu Haftstrafen von bis zu 17 Jahren, weil sie Wasser, das von Hunderttausenden Menschen genutzt wurde, mit PFAS verschmutzt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Elf F\u00fchrungskr\u00e4fte von Unternehmen, darunter Japans Mitsubishi-Konzern und die in Luxemburg ans\u00e4ssige International Chemical Investors Group (ICIG), wurden f\u00fcr die Kontamination von fast 200 Quadratkilometern Trinkwasser sowie B\u00f6den durch die Miteni-Anlage in der nord\u00f6stlichen Stadt Trissino verurteilt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Niederlande: Jeder hat PFAS im Blut<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auswirkungen des weit verbreiteten Einsatzes von PFAS zeigen sich vielerorts in Europa. Eine landesweite Studie des niederl\u00e4ndischen Nationalen Instituts f\u00fcr \u00f6ffentliche Gesundheit (RIVM) beispielsweise fand PFAS in allen 1.500 getesteten Blutproben, wobei fast alle F\u00e4lle die gesundheitlichen Sicherheitsgrenzen \u00fcberschritten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEs gibt keine M\u00f6glichkeiten, den Kontakt mit PFAS vollst\u00e4ndig zu vermeiden\u201c, schlussfolgerte das RIVM. \u201eDiese Substanzen sind in den gesamten Niederlanden vorhanden \u2013 in B\u00f6den, Lebensmitteln und Trinkwasser.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was tut die EU?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2023 reichten die Niederlande, D\u00e4nemark, Deutschland, Norwegen und Schweden einen Vorschlag mit der Forderung eines generellen Verbots aller PFAS bei der Europ\u00e4ischen Chemikalienagentur ein. Dieser wird derzeit von europ\u00e4ischen wissenschaftlichen Aussch\u00fcssen gepr\u00fcft, die ihre Bewertung bis 2026 abschlie\u00dfen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Europ\u00e4ische Kommission erkl\u00e4rte in ihrem im Juli ver\u00f6ffentlichten Aktionsplan f\u00fcr die Chemieindustrie, dass sie beabsichtige, \u201eso bald wie m\u00f6glich einen Vorschlag vorzulegen\u201c, wenn der Bericht vorliege, \u201emit dem \u00fcbergeordneten Ziel, PFAS-Emissionen zu minimieren\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kommission erw\u00e4gt ein Verbot f\u00fcr Verbraucherprodukte, k\u00f6nnte jedoch die Verwendung von PFAS f\u00fcr kritische industrielle Anwendungen erlauben, falls keine Alternativen gefunden werden. Sie verpflichtete sich au\u00dferdem, bereits verschmutzte Standorte nach dem Verursacherprinzip oder mit \u00f6ffentlichen Mitteln zu sanieren, falls keine verantwortliche Partei gefunden werden kann. Ein EU-weites PFAS-\u00dcberwachungsprogramm zur Datenerhebung und Kartierung von Verschmutzungsschwerpunkten ist ebenfalls geplant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland sprachen sich Wirtschaftsministerinnen und -minister mehrerer Bundesl\u00e4nder gegen ein pauschales PFAS-Verbot aus. Die baden-w\u00fcrttembergische Ressortchefin Nicole Hoffmeister-Kraut von der konservativen CDU sagte, man wisse zwar \u00fcber die Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Bei einem Verbot w\u00fcrden aber ganze Produktionsbereiche in der EU wegbrechen. Dies w\u00fcrde wie ein breites Deindustrialisierungsprogramm wirken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) sagte, er sehe die EU-Chemikalienregulierung mit Sorge. \u201eSie sorgt in der Chemieindustrie und den von ihr abh\u00e4ngigen Wertsch\u00f6pfungsketten durch immer h\u00f6heren Aufwand, erhebliche Planungsunsicherheit, Innovations- und Investitionsstau f\u00fcr immensen Schaden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Regelungen gelten bereits auf EU-Ebene, wie etwa ein Grenzwert f\u00fcr PFAS in Trinkwasser ab 2026 sowie Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr eine bestimmte Untergruppe von PFAS.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nicht alle L\u00e4nder sind gleicherma\u00dfen betroffen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige EU-L\u00e4nder berichten von deutlich geringerer PFAS-Belastung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Slowenien sagte das nationale Gesundheitslabor, das Land habe keine Schwerindustrie, die PFAS verwendet. Bei fr\u00fcheren Tests wurde nur minimale Kontamination festgestellt. Allerdings fand die slowenische Verbraucherschutzorganisation Chemikalien aus der PFAS-Gruppe in fast einem Drittel der getesteten Alltagsprodukte, darunter einige, die in der EU verboten sind. Slowenien plant, 2026 mit einer systematischen Wasser\u00fcberwachung zu beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bulgarien geh\u00f6rte 2022 zu den L\u00e4ndern mit dem niedrigsten Prozentsatz an Gew\u00e4ssern, in denen der Umweltqualit\u00e4tsstandard f\u00fcr PFOS (eine Art von PFAS) \u00fcberschritten wurde, so die Europ\u00e4ische Umweltagentur. Weitere Untersuchungen zeigen jedoch das Vorhandensein von PFAS in Fl\u00fcssen und anderen Wasserquellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die EU \u00fcber ein m\u00f6gliches Verbot nachdenkt, werden die wahren Kosten von PFAS f\u00fcr Mensch und Umwelt immer deutlicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel ist eine Key Story des enr. Der Inhalt basiert auf der Berichterstattung der teilnehmenden Nachrichtenagenturen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die negativen Folgen f\u00fcr die Gesundheit durch Kontakt mit PFAS-Chemikalien werden immer deutlicher \u2013 und damit werden auch die Forderungen nach einem EU-weiten Verbot immer lauter.<\/p>\n","protected":false},"author":71,"featured_media":1423012,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":true,"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[39],"tags":[659,21152],"class_list":["post-1522265","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-key-story","tag-gesundheit","tag-pfas-4"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1522265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/71"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1522265"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1522265\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1423012"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1522265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1522265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1522265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}