{"id":1591439,"date":"2025-09-03T11:39:57","date_gmt":"2025-09-03T09:39:57","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.com\/?p=1591439"},"modified":"2025-09-03T11:40:01","modified_gmt":"2025-09-03T09:40:01","slug":"im-netz-des-kreml-wo-haengt-europa-noch-an-russischen-energielieferungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/im-netz-des-kreml-wo-haengt-europa-noch-an-russischen-energielieferungen\/","title":{"rendered":"Im Netz des Kreml \u2013 wo h\u00e4ngt Europa noch an russischen Energielieferungen?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Europa hat seine Abh\u00e4ngigkeit von russischer Energie zwar erheblich reduziert, dennoch flie\u00dfen jedes Jahr weiterhin Milliarden Euro nach Russland. Eine strengere Abgrenzung ist in Aussicht. Viele Mitgliedstaaten haben ihre Energiequellen bereits diversifiziert, w\u00e4hrend andere weiterhin auf russische Pipelines und Fl\u00fcssigerdgas (LNG) angewiesen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daten der EU-Statistikbeh\u00f6rde Eurostat aus dem vergangenen Monat zeigen, dass die Europ\u00e4ische Union im ersten Halbjahr 2025 russisches Fl\u00fcssigerdgas im Wert von rund 4,48 Milliarden Euro importierte \u2013 ein Anstieg gegen\u00fcber 3,47 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig sind diplomatische Bem\u00fchungen im Gange, Russland zu Friedensverhandlungen zu bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EU dr\u00e4ngt seit der Invasion der Ukraine im Februar 2022 darauf, ihre Energieabh\u00e4ngigkeit von Russland zu beenden, damit der Kreml den Krieg nicht aus Einnahmen aus Energieexporten finanzieren kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zu den Regeln bei russischem \u00d6l und in Sachen Kohle verh\u00e4ngte die EU jedoch kein vollst\u00e4ndiges Verbot f\u00fcr Gas, da einige Mitgliedstaaten weiterhin darauf angewiesen sind. LNG und \u00d6l via Pipelines, einschlie\u00dflich dem TurkStream-Netz via der T\u00fcrkei, flie\u00dfen weiterhin in den Block, wenn auch in deutlich geringeren Mengen als vor 2022.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Europ\u00e4ische Kommission hat jedoch Pl\u00e4ne ausgearbeitet, um alle Importe von russischem Gas und \u00d6l bis 2028 schrittweise einzustellen. Nach dem Vorschlag sollen neue Vertr\u00e4ge ab dem 1. Januar 2026 verboten werden. Bestehende kurzfristige Vertr\u00e4ge sollen bis zum 17. Juni 2026 auslaufen, und langfristige Vertr\u00e4ge w\u00e4ren ab dem 1. Januar 2028 untersagt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Ma\u00dfnahmen bed\u00fcrfen jedoch noch der Zustimmung des Europ\u00e4ischen Parlaments und dort von mindestens 15 der 27 EU-Mitgliedstaaten, die 65 Prozent der Bev\u00f6lkerung der EU repr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ungarn und die Slowakei stark von russischen Importen abh\u00e4ngig<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt bereits bedeutende Fortschritte. Der Anteil der Erd\u00f6limporte aus Russland sank laut Eurostat von 29 Prozent im ersten Quartal 2021 auf nur noch 2 Prozent im zweiten Quartal 2025.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungarn und die Slowakei bleiben jedoch Ausnahmen innerhalb der EU, sie importieren weiterhin gro\u00dfe Mengen russischen \u00d6ls. Die beiden L\u00e4nder, wie auch die Tschechische Republik, erhielten eine Ausnahmegenehmigung vom EU-Embargo gegen russisches \u00d6l. W\u00e4hrend die Tschechische Republik seit April 2025 dank der Fertigstellung der Erweiterung der westlichen TAL-\u00d6lpipeline kein russisches \u00d6l mehr importiert, haben Ungarn und die Slowakei keine vergleichbaren Schritte unternommen, um sich von russischer Energie zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">J\u00fcngste Angriffe der Ukraine auf die Druschba-Pipeline unterstreichen ihre Abh\u00e4ngigkeit und die damit verbundene Instabilit\u00e4t der Versorgung. Seit Beginn der russischen Invasion greift die Ukraine als Reaktion auf Angriffe auf ihr eigenes Territorium regelm\u00e4\u00dfig die russische \u00d6l- und Gasinfrastruktur an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt eine m\u00f6gliche Alternative \u2013 doch beide L\u00e4nder z\u00f6gern, ihr \u00d6l \u00fcber die Adria zu beziehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDa die Kapazit\u00e4t der kroatischen Pipeline kleiner ist als der \u00d6lbedarf Ungarns und der Slowakei, wird die \u00d6lversorgung dieser L\u00e4nder unm\u00f6glich, falls die Lieferungen \u00fcber die Druschba-Pipeline langfristig ausfallen\u201c, sagte der ungarische Au\u00dfenminister <strong>P\u00e9ter Szijj\u00e1rt\u00f3<\/strong> vergangene Woche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies seien keine politischen Gr\u00fcnde, sondern die Realit\u00e4t vor Ort, f\u00fcgte er hinzu. \u201eEnergieversorgung ist keine politische oder ideologische Frage, man braucht die Pipeline und das \u00d6l darin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kroatien widerspricht dieser Darstellung. Ministerpr\u00e4sident <strong>Andrej Plenkovi\u0107 <\/strong>und Wirtschaftsminister <strong>Ante \u0160u\u0161njar<\/strong> sagten, die Adria-Pipeline verf\u00fcge \u00fcber ausreichende Kapazit\u00e4ten und die gesamte kroatische Infrastruktur stehe f\u00fcr den \u00d6l- und Gastransport zur Verf\u00fcgung. Sie f\u00fcgten hinzu, dass die Transportkosten bei h\u00f6heren Volumina sinken w\u00fcrden. Trotz dieser Zusicherungen bleiben Ungarn und die Slowakei z\u00f6gerlich, sich st\u00e4rker auf die Adria-Pipeline zu verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Slowakei hat angek\u00fcndigt, rechtliche Schritte zu pr\u00fcfen, falls sie keine Ausnahmegenehmigung oder Entsch\u00e4digung f\u00fcr das Beenden der Erdgasimporte aus Russland erh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weniger Abh\u00e4ngigkeit von russischer Energie in Osteuropa&nbsp;<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bulgarien erlaubt weiterhin den Transit von russischem Gas durch sein Territorium \u00fcber die Balkan-Stream-Pipeline, eine Erweiterung der TurkStream-Pipeline, die von der T\u00fcrkei nach Serbien f\u00fchrt. Dieser Transit ist gem\u00e4\u00df EU-Regeln erlaubt, da er EU-Grenzen auf dem Weg in Drittl\u00e4nder \u00fcberschreitet. Ein Gro\u00dfteil dieses Gases erreicht jedoch letztlich das EU-Mitglied Ungarn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bulgarien selbst stellte im April 2022 den Import von russischem Erdgas ein, nachdem die Regierung sich geweigert hatte, Gazproms Forderung nach Zahlung in Rubel nachzukommen. Bei russischem Roh\u00f6l erhielt das Land eine vor\u00fcbergehende Ausnahmegenehmigung bis Ende 2024, stellte die Importe jedoch offiziell bereits im M\u00e4rz desselben Jahres ein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Frankreich treibt Importe von russischem LNG voran<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei russischem Fl\u00fcssigerdgas (LNG) sind einige europ\u00e4ische L\u00e4nder st\u00e4rker abh\u00e4ngig als andere. Im Jahr 2024 entfielen 85 Prozent der russischen LNG-Importe Europas auf Frankreich, Spanien und Belgien. Frankreich und die Niederlande erh\u00f6hten ihre Importe von russischem LNG im Vergleich zu 2023 um 81 Prozent, so das Institut f\u00fcr Energie\u00f6konomie und Finanzanalyse (IEEFA).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz dazu ist die Abh\u00e4ngigkeit anderer L\u00e4nder von russischem Gas insgesamt deutlich geringer. Weniger als 2 Prozent der gesamten Gasimporte Italiens stammen aus Russland, w\u00e4hrend Slowenien keine direkten Liefervertr\u00e4ge mit Russland hat. Der Gro\u00dfteil des slowenischen Gases wird \u00fcber die Erdgasdrehscheibe Baumgarten in \u00d6sterreich importiert. In den vergangenen drei Jahren sicherte sich das Land zudem mehrere alternative Quellen und Lieferwege.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem geplanten Ausstieg aus russischen Energieimporten bis 2028 steht die EU vor einer komplexen Aufgabe: Sie muss die Versorgungssicherheit, die Marktstabilit\u00e4t und den politischen Konsens wahren \u2013 und gleichzeitig die Diversifizierung von Quellen und Infrastruktur vorantreiben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel ist eine Key Story des enr. Der Inhalt basiert auf der Berichterstattung der teilnehmenden Nachrichtenagenturen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europa hat seine Abh\u00e4ngigkeit von russischer Energie zwar erheblich reduziert, dennoch flie\u00dfen jedes Jahr weiterhin Milliarden Euro nach Russland. Eine strengere Abgrenzung ist in Aussicht. 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