{"id":1626409,"date":"2025-09-17T16:09:21","date_gmt":"2025-09-17T14:09:21","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.com\/?p=1626409"},"modified":"2025-09-17T17:13:18","modified_gmt":"2025-09-17T15:13:18","slug":"trotz-recycling-huerden-eu-will-speise-und-mode-muell-reduzieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/trotz-recycling-huerden-eu-will-speise-und-mode-muell-reduzieren\/","title":{"rendered":"Trotz Recycling-H\u00fcrden: EU will Speise- und Mode-M\u00fcll reduzieren"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Europ\u00e4ische Parlament hat in der vergangenen Woche neue Vorschriften f\u00fcr die EU-L\u00e4nder beschlossen, um die Berge von Lebensmittelabf\u00e4llen, die jedes Jahr in Europa anfallen, zu reduzieren und die Umweltauswirkungen der \u201eFast Fashion\u201c, der Billigmode, einzud\u00e4mmen.<br><br>Mehrere Mitgliedstaaten haben bereits Ma\u00dfnahmen zur Erreichung dieses Ziels ergriffen, doch einige sahen sich aufgrund fehlender Infrastruktur mit unerwarteten Folgen konfrontiert bei dem Versuch, die Recyclingquote f\u00fcr Textilabf\u00e4lle zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie lauten die neuen Vorschriften?<\/strong><strong><br><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum Jahr 2030 m\u00fcssen die Mitgliedstaaten die von Haushalten, Einzelh\u00e4ndlern und Restaurants verursachten <strong>Lebensmittelabf\u00e4lle <\/strong>um 30 Prozent reduzieren, verglichen mit dem Niveau von 2021 bis 2023. Au\u00dferdem m\u00fcssen sie die Abf\u00e4lle aus der Lebensmittelverarbeitung und -herstellung um 10 Prozent verringern. Sch\u00e4tzungen zufolge fallen in der EU j\u00e4hrlich etwa 130 Kilogramm Lebensmittelabf\u00e4lle pro Person an, insgesamt etwa 60 Millionen Tonnen.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Bereich <strong>Textilien <\/strong>m\u00fcssen die einzelnen EU-L\u00e4nder sp\u00e4testens 30 Monate nach Inkrafttreten der Richtlinie Systeme zur Herstellerverantwortung einf\u00fchren, damit die Firmen, die Textilprodukte in einem EU-Land anbieten, die Kosten f\u00fcr die Sammlung, Sortierung und das Recycling dieser Kleidungsst\u00fccke tragen m\u00fcssen. Derzeit werden EU-Angaben zufolge weniger als ein Prozent der Textilien weltweit recycelt, wobei in der EU j\u00e4hrlich 12,6 Millionen Tonnen Textilabf\u00e4lle anfallen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was haben die L\u00e4nder bisher unternommen?<\/strong><strong><br><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bislang verfolgen die Mitgliedstaaten unterschiedliche Ans\u00e4tze, um dieses Abfallproblem anzugehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In <strong>Polen <\/strong>zum Beispiel sind gro\u00dfe Einzelh\u00e4ndler dazu verpflichtet, unverkaufte Lebensmittel an NGOs zu spenden, \u00f6ffentliche Kampagnen gegen Verschwendung durchzuf\u00fchren und \u00fcber ihre Bem\u00fchungen zu berichten. Ein Netzwerk von Lebensmittelbanken rettet ebenfalls Lebensmittel mit kurzer Haltbarkeit oder besch\u00e4digter Verpackung und verteilt sie an bed\u00fcrftige Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Spanien <\/strong>hat in diesem Jahr ebenfalls ein Gesetz verabschiedet, das darauf abzielt, die Pro-Kopf-Lebensmittelabf\u00e4lle im Einzelhandel und im Verbrauchersektor bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent und in den Lieferketten um 20 Prozent zu reduzieren.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Luis Planas<\/strong>, der spanische Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Fischerei und Ern\u00e4hrung, sagte dazu, dass das Jahr 2024 einen Wendepunkt im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung in Spanien markiere, da 51.540 Tonnen Lebensmittel und Getr\u00e4nke vor der M\u00fclldeponie bewahrt werden konnten. Trotz eines R\u00fcckgangs der Abfallmenge um 4,4 Prozent belief sich diese im vergangenen Jahr aber immer noch auf rund 1,125 Millionen Tonnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lebensmittelverschwendung ist auch in <strong>Bulgarien <\/strong>nach wie vor ein gro\u00dfes Problem. Im Jahr 2023 warf der durchschnittliche Bulgare 93 Kilogramm Lebensmittel weg &#8211; auf diese Zahl von Eurostat hat <strong>Tsanka Milanova<\/strong>, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Bulgarischen Lebensmittelbank, hingewiesen. Das entspricht einer Verschwendung von 614.000 Tonnen pro Jahr im ganzen Land.&nbsp; Milanova wies au\u00dferdem darauf hin, dass allein f\u00fcr die Produktion eines Kilogramms \u00c4pfel 700 Liter Wasser ben\u00f6tigt werden, und unterstrich damit das Thema Umweltbelastung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Textilabf\u00e4lle versch\u00e4rfen das Problem zus\u00e4tzlich. In Bulgarien werden j\u00e4hrlich mehr als 100.000 Tonnen weggeworfen, doch nur etwa 7000 Tonnen werden separat gesammelt, berichtete das Textilrecycling-Unternehmen TexCycle im M\u00e4rz. Da es kein obligatorisches nationales Verwertungssystem gibt, h\u00e4ngt die Sammlung derzeit ausschlie\u00dflich vom \u00f6ffentlichen Bewusstsein und freiwilligen Initiativen ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit Anfang 2025 m\u00fcssen in den EU-Mitgliedstaaten Textilabf\u00e4lle getrennt gesammelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies hat in <strong>Schweden <\/strong>zu enormen Problemen gef\u00fchrt, wo viele Gemeinden auf die neuen EU-Vorschriften f\u00fcr Textilien gewartet haben, um zu kl\u00e4ren, wer f\u00fcr deren Entsorgung und Recycling verantwortlich ist. Viele Textilabf\u00e4lle, die normalerweise direkt verbrannt w\u00fcrden, wurden stattdessen an Recyclingstationen oder Secondhand-L\u00e4den geschickt, die nun aber mit Tonnen von unbrauchbarem Material \u00fcberfordert sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Gesetze wurden in der falschen Reihenfolge erlassen,\u201c sagte <strong>Anna-Carin Gripwall <\/strong>von der Abfallwirtschaftsorganisation Avfall Sverige im Januar der Nachrichtenagentur TT. Die Regierung hat nun ihr Gesetz \u00fcberarbeitet. Vom 1. Oktober an wird es in Schweden wieder erlaubt sein, Kleidung, die nicht mehr verwendet werden kann, wegzuwerfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch <strong>Rum\u00e4nien <\/strong>steht vor einer gro\u00dfen Herausforderung bei der Entsorgung von Textilabf\u00e4llen. Es fehlt noch an Infrastruktur, obwohl EU-Mittel aus dem Nationalen Aufbau- und Resilienzplan f\u00fcr 26 neue Recyclinganlagen bis 2026 vorgesehen sind. In der Zwischenzeit muss ein Gro\u00dfteil der Abf\u00e4lle m\u00f6glicherweise exportiert oder deponiert werden, was zus\u00e4tzliche Kosten verursacht und au\u00dferdem die Umwelt belastet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rum\u00e4nien hat deswegen ein gro\u00dfes Problem bei der Abfallentsorgung, vor allem aufgrund der sehr niedrigen Deponiegeb\u00fchr, die nur 50 Euro pro Tonne betr\u00e4gt, verglichen mit 500 Euro in westlichen L\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele EU-L\u00e4nder hatten bereits vor Ablauf der Frist im Jahr 2025 eine getrennte Sammlung von Textilien eingef\u00fchrt. In <strong>Italien <\/strong>gilt diese Pflicht beispielsweise seit 2022. Und obwohl es einige Verbesserungen gab, waren diese nicht signifikant. Nach Angaben des italienischen Instituts f\u00fcr Umweltschutz und -forschung stieg die getrennte Sammlung von Textilabf\u00e4llen von 2019 bis 2023 um etwa 9 Prozent, von 157.700 Tonnen auf 171.600 Tonnen. Spanien hat 2024 ebenfalls einen Entwurf f\u00fcr ein K\u00f6nigliches Dekret vorgelegt, wonach die Hersteller f\u00fcr die Finanzierung und Organisation der Sammlung und Behandlung von Textilabf\u00e4llen verantwortlich sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was sind die n\u00e4chsten Schritte?<br><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neuen EU-Vorschriften zu Lebensmittelabf\u00e4llen und Textilien werden nun vom Europ\u00e4ischen Parlament und den EU-Mitgliedstaaten im Rat unterzeichnet, bevor sie im Amtsblatt der EU ver\u00f6ffentlicht werden. Das schafft Klarheit f\u00fcr L\u00e4nder wie Schweden, die den Herstellern die Verantwortung f\u00fcr das Recycling \u00fcbertragen. Eine 30-monatige Verz\u00f6gerung bis zur Einf\u00fchrung der Regeln f\u00fcr die Hersteller-Verantwortung k\u00f6nnte die kurzfristigen Schwierigkeiten allerdings zun\u00e4chst auch verl\u00e4ngern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Zwischenzeit fordern Umweltsch\u00fctzer die Verbraucher auf, ihre Einstellung zu \u00e4ndern. Jeder Mensch sollte \u201enicht mehr als f\u00fcnf neue Kleidungsst\u00fccke pro Jahr kaufen\u201c, sagt <strong>Beatrice Rindevall<\/strong>, Leiterin der Schwedischen Gesellschaft f\u00fcr Naturschutz, die regelm\u00e4\u00dfig Kleidertauschb\u00f6rsen organisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da weltweit weniger als ein Prozent der Textilien recycelt werden, hoffen die Gesetzgeber, dass diese Ma\u00dfnahmen die Welle von extrem billigen Modeimporten \u2013 viele davon aus China \u2013 eind\u00e4mmen werden, die von Plattformen wie Shein verkauft werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig davon hat die EU eine pauschale Einfuhrgeb\u00fchr von zwei Euro f\u00fcr kleine Pakete vorgeschlagen, um die Flut von Billigsendungen einzud\u00e4mmen, die durch den Verkauf von Fast-Fashion-Produkten verursacht wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2024 gelangten 4,6 Milliarden Pakete in die EU \u2013 mehr als 145 pro Sekunde. Neun von zehn davon stammten aus China. F\u00fchrende europ\u00e4ische Textil- und Bekleidungsverb\u00e4nde haben am Dienstag eine gemeinsame Erkl\u00e4rung ver\u00f6ffentlicht, in der sie die Situation kritisierten und die EU auffordern, mehr zu unternehmen um dagegen vorzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel ist eine enr Key Story. Der Inhalt basiert auf Nachrichten von Agenturen, die am enr teilnehmen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die L\u00e4nder der EU produzieren jedes Jahr einen Berg von Millionen Tonnen Lebensmittel- und Textil-M\u00fcll. Neue Vorschriften sollen nun eine Besserung bringen \u2013 doch die Mitgliedsstaaten stehen bei der Umsetzung der Politik in die Praxis vor gro\u00dfen H\u00fcrden.<\/p>\n","protected":false},"author":182,"featured_media":1078575,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[39],"tags":[989,21489,21488],"class_list":["post-1626409","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-key-story","tag-europaeisches-parlament","tag-lebensmittelverschwendung","tag-schnellmode"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1626409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/182"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1626409"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1626409\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1078575"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1626409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1626409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1626409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}