{"id":1936044,"date":"2025-12-19T17:17:04","date_gmt":"2025-12-19T16:17:04","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.com\/?p=1936044"},"modified":"2025-12-19T21:54:52","modified_gmt":"2025-12-19T20:54:52","slug":"widerstand-von-eu-laendern-und-bauernproteste-verzoegern-handelsabkommen-mit-mercosur-staaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/widerstand-von-eu-laendern-und-bauernproteste-verzoegern-handelsabkommen-mit-mercosur-staaten\/","title":{"rendered":"Widerstand von EU-L\u00e4ndern und Bauernproteste verz\u00f6gern Handelsabkommen mit Mercosur-Staaten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Europ\u00e4ische Union muss die Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens mit vier der s\u00fcdamerikanischen Mercosur-L\u00e4nder \u2013 Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay \u2013 auf Januar verschieben. Ein neuer Termin f\u00fcr die Unterzeichnung des Abkommens soll nun f\u00fcr die erste Januarh\u00e4lfte 2026 festgelegt werden, k\u00fcndigten Vertreterinnen und Vertreter der EU am Rande eines Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefinnen und -chefs in Br\u00fcssel an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission, <strong>Ursula von der Leyen<\/strong>, hatte gehofft, das Abkommen am Samstag (20. Dezember) auf dem Mercosur-Gipfel in der brasilianischen Stadt Foz do Igua\u00e7u unterzeichnen zu k\u00f6nnen. Dazu h\u00e4tte sie jedoch die Zustimmung einer qualifizierten Mehrheit der Mitgliedstaaten in Br\u00fcssel ben\u00f6tigt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die Europ\u00e4ische Kommission von Deutschland, der gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaft der EU, sowie von Spanien, D\u00e4nemark, Schweden und Finnland unterst\u00fctzt wurde, f\u00fchrten der deutliche Widerstand Frankreichs und R\u00fcckschritte in Italien und anderen Mitgliedstaaten dazu, dass der Abschluss des Abkommens doch verschoben werden musste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Mittwoch hatten sich die Verhandlungsf\u00fchrenden des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates informell auf \u201eSchutzma\u00dfnahmen\u201d geeinigt, die darauf abzielten, die Landwirtinnen und Landwirte in der gesamten EU zu beruhigen, und die nach Inkrafttreten des Abkommens umgesetzt werden sollen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch trotz dieser Bem\u00fchungen blieben viele europ\u00e4ische Landwirtinnen und Landwirte w\u00fctend. Am Donnerstag kamen in Br\u00fcssel &#8211; nur wenige Schritte von dem Europa-Geb\u00e4ude entfernt, in dem sich die EU-Staats- und Regierungschefs trafen &#8211; rund 1000 Fahrzeuge und bis zu 10.000 B\u00e4uerinnen und Bauern aus der gesamten EU an, um gegen das Freihandelsabkommen zu protestieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor dem Europ\u00e4ischen Parlament kam es zu Ausschreitungen, bei denen Demonstrierende Feuer legten, Feuerwerksk\u00f6rper z\u00fcndeten und Kartoffeln, Flaschen und andere Gegenst\u00e4nde auf die Polizei warfen, die mit Tr\u00e4nengas und Wasserwerfern reagierte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Protests-Brussels-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1936090\" srcset=\"https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Protests-Brussels-1-980x653.jpg 980w, https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Protests-Brussels-1-480x320.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ein Feuer und ein Traktor sind vor dem Europ\u00e4ischen Parlament auf der Place du Luxembourg zu sehen, w\u00e4hrend einer Protestaktion von Landwirten gegen Handelsabkommen wie das EU-Mercosur-Abkommen in Br\u00fcssel am 18. Dezember 2025. Foto: Nicolas Tucat \/ AFP<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnliche Demonstrationen fanden auch w\u00e4hrend der Plenarsitzung des Europ\u00e4ischen Parlaments in Stra\u00dfburg in Frankreich, am Flughafen L\u00fcttich in Belgien und in einigen anderen Mitgliedstaaten wie Spanien, Polen und Bulgarien statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber was sieht das Abkommen vor, und warum st\u00f6\u00dft es auf so starken Widerstand?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mercosur, auch bekannt als Gemeinsamer Markt des S\u00fcdens, ist ein 1991 gegr\u00fcndeter s\u00fcdamerikanischer Handelsblock. Die Verhandlungen \u00fcber ein Freihandelsabkommen mit der EU begannen 1999, aber erst 2019 wurde eine grunds\u00e4tzliche Einigung zwischen beiden Seiten erzielt. Dennoch wurde das Abkommen aufgrund von \u00f6kologischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedenken nie ratifiziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Dezember 2024 gelang ein Durchbruch, als die EU und die Mercosur-L\u00e4nder Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay eine Einigung \u00fcber das gr\u00f6\u00dfte Handelsabkommen der EU erzielten. Nun war eine qualifizierte Mehrheit der EU-Regierungen erforderlich, also 15 von 27 Mitgliedern, die zugleich 65 Prozent der EU-Bev\u00f6lkerung repr\u00e4sentieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im September 2025 hat die Europ\u00e4ische Kommission Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Beschl\u00fcsse des Rates \u00fcber die Unterzeichnung und den Abschluss von zwei parallelen Rechtsinstrumenten angenommen: das Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur (EMPA) und das Interims-Handelsabkommen (iTA). Das iTA wird aufgehoben und durch das EMPA ersetzt, sobald dieses vollst\u00e4ndig ratifiziert ist und in Kraft tritt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Europ\u00e4ische Parlament muss dem Abkommen nun noch endg\u00fcltig zustimmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 25 Jahren der Vorbereitung w\u00fcrde das Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur die gr\u00f6\u00dfte Freihandelszone der Welt schaffen. Nach Angaben der Generaldirektion Handel (GD TRADE) der Europ\u00e4ischen Kommission ist die EU mit einem Exportvolumen von 57 Milliarden Euro im Jahr 2024 der zweitgr\u00f6\u00dfte Handelspartner des Mercosur im Warenverkehr. Die EU macht ein Viertel des gesamten Dienstleistungshandels des Mercosur aus \u2013 die EU-Exporte in die Region beliefen sich im Jahr 2023 auf 29 Milliarden Euro.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Unterzeichnung des Abkommens k\u00f6nnte die EU mehr Fahrzeuge, Maschinen, Weine und Spirituosen nach Lateinamerika exportieren, w\u00e4hrend s\u00fcdamerikanisches Rindfleisch, Zucker, Reis, Honig und Sojabohnen leichter nach Europa eingef\u00fchrt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuletzt hatte Br\u00fcssel wiederholt betont, dass eine Unterzeichnung vor Jahresende unerl\u00e4sslich sei f\u00fcr die \u201eGlaubw\u00fcrdigkeit\u201d der Europ\u00e4ischen Union und um die lateinamerikanischen Partner nicht zu ver\u00e4rgern. Die Spannung wurde noch verst\u00e4rkt, als Brasiliens Pr\u00e4sident <strong>Luiz In\u00e1cio Lula da Silva <\/strong>warnte: \u201eWenn das jetzt nicht abgeschlossen wird, werden wir es nicht unterzeichnen, solange ich Pr\u00e4sident bin.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Donnerstag \u00f6ffnete der brasilianische Pr\u00e4sident jedoch die T\u00fcr f\u00fcr eine Verz\u00f6gerung der Unterzeichnung des Abkommens, um diejenigen, die sich dagegen sperren, zu \u00fcberzeugen. Lula telefonierte mit der italienischen Ministerpr\u00e4sidentin <strong>Giorgia Meloni, <\/strong>die ihn um \u201eGeduld\u201d gebeten hatte und andeutete, dass Rom letztlich zur Unterzeichnung bereit sein w\u00fcrde.<br><br>\u201eIch habe mit Meloni gesprochen, und sie erkl\u00e4rte mir, dass sie nicht gegen das Abkommen ist, aber dass Italien aufgrund der italienischen Landwirtinnen und Landwirte eine schwierige politische Phase durchl\u00e4uft. Sie ist zuversichtlich, dass sie sie davon \u00fcberzeugen kann, es zu akzeptieren,\u201d sagte Lula. Meloni habe ihn gebeten, \u201ceine Woche, zehn Tage oder h\u00f6chstens einen Monat Geduld zu haben\u201d, und dass Italien beitreten werde, f\u00fcgte der brasilianische Pr\u00e4sident hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die st\u00e4rksten Kritikerinnen und Kritiker \u2013 den Agrarsektor in der gesamten EU, Frankreich und L\u00e4nder wie Italien oder Polen \u2013 zu beruhigen, einigten sich das Europ\u00e4ische Parlament und der Rat am Mittwoch auf bilaterale Schutzma\u00dfnahmen. Dazu geh\u00f6ren die M\u00f6glichkeit, Zollpr\u00e4ferenzen f\u00fcr sensible Agrarprodukte wie Gefl\u00fcgel, Rindfleisch, Eier, Zitrusfr\u00fcchte und Zucker auszusetzen, strengere Schwellenwerte f\u00fcr die Ausl\u00f6sung von Schutzma\u00dfnahmen festzulegen und die Kommission zu beauftragen, den Markt genau und kontinuierlich zu beobachten, um seine Auswirkungen zu bewerten und entsprechend zu handeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Berichterstatter des Europ\u00e4ischen Parlaments zu diesem Dossier, <strong>Gabriel Mato<\/strong>, erkl\u00e4rte im Anschluss: \u201eHeute senden wir eine klare Botschaft: Wir k\u00f6nnen das Mercosur-Abkommen vorantreiben, ohne unsere Landwirtschaft ungesch\u00fctzt zu lassen. Wir haben uns auf einen robusten, schnellen und rechtlich einwandfreien Schutzmechanismus geeinigt, der es uns erm\u00f6glicht, rechtzeitig auf Marktst\u00f6rungen zu reagieren und die Sicherheit zu bieten, die der Sektor seit langem fordert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Glaubw\u00fcrdigkeit der EU steht auf dem Spiel<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur w\u00fcrde das klare Signal an die Welt senden, dass zwei der gr\u00f6\u00dften M\u00e4rkte den Protektionismus ablehnen und offen sind f\u00fcr Gesch\u00e4fte und Handel, wenn sie auf fairen Regeln und hohen Standards basieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wirtschaftsmacht Deutschland ist ein starker Bef\u00fcrworter des Abkommens, und ein Regierungssprecher bezeichnete es als \u201edringend notwendig\u201c, den Vertrag diese Woche zu unterzeichnen. \u201eWenn die Europ\u00e4ische Union in der globalen Handelspolitik glaubw\u00fcrdig bleiben will, m\u00fcssen jetzt Entscheidungen getroffen werden, und die Entscheidung kann nur lauten, dass Europa zustimmt,\u201c hatte Bundeskanzler <strong>Friedrich Merz <\/strong>am Donnerstag in einer Erkl\u00e4rung vor dem Europ\u00e4ischen Rat gesagt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die deutsche Industrie dr\u00e4ngt auf eine schnelle L\u00f6sung. Aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) \u201edarf die EU die Chance nicht verpassen, engere Beziehungen zu wichtigen Handels- und Rohstoffpartnern in S\u00fcdamerika zu kn\u00fcpfen und bestehende Handelshemmnisse abzubauen\u201d, so dessen Au\u00dfenhandelschef <strong>Volker Treier<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Deutschland unterst\u00fctzen auch Spanien, D\u00e4nemark, Schweden und Finnland das Abkommen nachdr\u00fccklich, da sie bestrebt sind, ihre Exporte anzukurbeln, w\u00e4hrend Europa mit der Konkurrenz aus China und den US-Z\u00f6llen zu k\u00e4mpfen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Spanien ist einer der st\u00e4rksten Bef\u00fcrworter des Handelsabkommens zwischen EU und Mercosur und verweist dabei auf die historischen Beziehungen zu Lateinamerika und die robusten Handelsbeziehungen zwischen Schl\u00fcsselbranchen der spanischen Wirtschaft und den vier L\u00e4ndern des Blocks.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei seiner Ankunft zum Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Br\u00fcssel sagte der spanische Ministerpr\u00e4sident <strong>Pedro S\u00e1nchez<\/strong>, es w\u00e4re \u201efrustrierend\u201c, wenn das Abkommen diese Woche nicht abgeschlossen w\u00fcrde. Es k\u00f6nne der EU helfen, in einer Zeit globaler Unsicherheit, die sowohl traditionelle Verb\u00fcndete als auch Gegner betreffe, \u201egeopolitisches und wirtschaftliches Gewicht\u201c zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der spanische Agrarsektor hat das Abkommen jedoch scharf kritisiert, sich in der Konsequenz auf die Seite der Opposition von Landwirten aus der gesamten EU gestellt, und sich den Protesten in der belgischen Hauptstadt angeschlossen, um gegen den seiner Meinung nach \u201eunfairen Wettbewerb\u201d zu protestieren, den das Abkommen auf den europ\u00e4ischen M\u00e4rkten mit sich bringen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Doppelmoral, doppelte Herausforderungen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter dem Druck seiner Heimat gewann der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident <strong>Emmanuel Macron <\/strong>am Donnerstag in Br\u00fcssel den Kampf, indem er dank der wichtigen Unterst\u00fctzung Italiens die Abstimmung \u00fcber das Mercosur-Handelsabkommen verschieben konnte.<br><br>Frankreich forderte unter dem Druck protestierender Landwirte im eigenen Land und in der belgischen Hauptstadt sowie einer fast einstimmigen Ablehnung des Textes durch die franz\u00f6sische Politik eine \u201eVertagung\u201d jedweder Entscheidung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Protests-Strasbourg-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1936250\" srcset=\"https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Protests-Strasbourg-1-980x653.jpg 980w, https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Protests-Strasbourg-1-480x320.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Franz\u00f6sische Landwirte demonstrieren am 24. November 2025 vor dem Europ\u00e4ischen Parlament in Stra\u00dfburg gegen das Freihandelsabkommen zwischen der Europ\u00e4ischen Union und den lateinamerikanischen L\u00e4ndern des Mercosur. Foto: Frederik Florin \/ AFP<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Gipfeltreffen am sp\u00e4ten Donnerstagabend erkl\u00e4rte Macron, es sei \u201ezu fr\u00fch\u201c, um zu sagen, ob er das Abkommen im Januar akzeptieren k\u00f6nne, aber er schloss diesen Weg auch nicht aus. \u201eIch hoffe es, denn das w\u00fcrde bedeuten, dass wir (&#8230;) einen historischen Fortschritt erzielt haben,\u201c erkl\u00e4rte er. Die FNSEA, Frankreichs wichtigste Landwirtschaftsgewerkschaft, fasste es so zusammen: F\u00fcr die Landwirtinnen und Landwirte ist \u201eMercosur immer noch ein Nein\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die italienische Ministerpr\u00e4sidentin Meloni erkl\u00e4rte am Mittwoch, Rom sei nicht bereit, das Handelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur zu unterzeichnen. Es w\u00e4re \u201everfr\u00fcht, das Abkommen in den kommenden Tagen zu unterzeichnen\u201c, da einige der Schutzma\u00dfnahmen, die Italien zum Schutz seiner Landwirte fordere, noch nicht endg\u00fcltig festgelegt seien, sagte sie in einer Rede vor dem Parlament.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Polen werde sich weiterhin gegen das Handelsabkommen aussprechen, erkl\u00e4rte Premierminister <strong>Donald <\/strong>Tusk nach der j\u00fcngsten Verz\u00f6gerung. Pr\u00e4sident <strong>Karol Nawrocki <\/strong>erkl\u00e4rte, er werde sich mit aller Kraft daf\u00fcr einsetzen, dass es nicht unterzeichnet werde, und dass die Regierung aktiv daran arbeite, eine \u201eblockierende Minderheit\u201d innerhalb der EU aufzubauen. Auch die polnische Regierungskoalition sprach sich gegen das Mercosur-Abkommen in seiner derzeitigen Form aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der bulgarische Minister f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung, <strong>Georgi Tahov<\/strong>, betonte ebenfalls, dass sein Land die Einf\u00fchrung von Schutzmechanismen in der EU-Gesetzgebung unterst\u00fctze, um die Interessen der Landwirte zu wahren und potenzielle Risiken f\u00fcr den Agrarsektor zu mindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch aus Richtung der bulgarischen Landwirtschaft kommen Bedenken. Der Verband der Getreideproduzierenden (NGPA) \u00e4u\u00dferte sich besorgt \u00fcber die m\u00f6glichen Auswirkungen: \u201eDie Anwendung unterschiedlicher Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr billigere Importe, die geringere Umwelt- und Ethikstandards erf\u00fcllen, untergr\u00e4bt die Bem\u00fchungen der EU-Landwirte, h\u00f6here Standards einzuhalten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Europ\u00e4ischen Green Deal,\u201d betonte der Verband.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die NGPA schloss sich am Donnerstag in Br\u00fcssel dem Protest der EU-Agrar- und Lebensmittelplattform COPA-COGECA an, die eine starke und gut finanzierte Gemeinsame Agrarpolitik forderte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Belgien konnten sich die verschiedenen Regierungen nicht auf eine gemeinsame Position einigen, sodass sich das Land der Stimme enthalten wird. Auch die wallonische Regierung lehnte das Mercosur-Abkommen ab. Der f\u00f6derale Landwirtschaftsminister <strong>David Clarinval <\/strong>erkl\u00e4rte, dass das Abkommen zwar einigen Agrarsektoren wie der Milch- und Kartoffelproduktion zugutekommen k\u00f6nne, \u201ewir uns jedoch bewusst sind, dass andere Sektoren wie die Zucker- und Rindfleischproduktion trotz der bestehenden Schutzklauseln st\u00e4rker betroffen sein k\u00f6nnten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Grundsatz der Gegenseitigkeit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der heikle Punkt aus Sicht von Rom und Paris betrifft die Garantien der Gegenseitigkeit und die Schutz- und Spiegelklauseln, die sicherstellen sollen, dass s\u00fcdamerikanische Produkte ebenfalls den europ\u00e4ischen Standards entsprechen, vom Pestizideinsatz bis zur Lebensmittelsicherheit. \u201eWenn es ein paar Wochen l\u00e4nger dauert, nehmen wir das in Kauf,\u201c sagte Meloni. Sie rechne damit, dass sich Anfang 2026 g\u00fcnstige Bedingungen entwickeln werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits w\u00e4hrend der Plenarsitzung des Europ\u00e4ischen Parlaments in Stra\u00dfburg Anfang der Woche wurde ein Verordnungsentwurf zu Sicherheitsklauseln f\u00fcr das EU-Mercosur-Abkommen verabschiedet, der darauf abzielt, die Spannungen zu entsch\u00e4rfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie polnischen Landwirte haben sich erweiterte Schutzklauseln gesichert, darunter die wichtigste \u2013 den Grundsatz der Gegenseitigkeit, den alle Landwirtschaftsgewerkschaften und einzelnen Landwirte angestrebt haben,\u201c sagte der polnische Landwirtschaftsminister <strong>Stefan Krajewski <\/strong>zu dem Vorschlag des Europ\u00e4ischen Parlaments. Das w\u00fcrde bedeuten, dass aus Mercosur-L\u00e4ndern importierte Waren im Hinblick auf den Einsatz von Pestiziden und Antibiotika denselben Qualit\u00e4ts- und Sicherheitsstandards entsprechen m\u00fcssen, die bereits f\u00fcr die Landwirtschaft in der gesamten EU gelten. Der Vorschlag schaffte es jedoch nicht in die endg\u00fcltige Vereinbarung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meloni sagte, Italien habe ebenfalls \u201eintensiv mit der Kommission\u201c an seinen Forderungen gearbeitet. Dazu geh\u00f6rten Schutzmechanismen, ein Ausgleichsfonds f\u00fcr R\u00fcckf\u00e4lle und strengere Vorschriften f\u00fcr Sch\u00e4dlinge und Krankheiten. Zusammen mit Frankreich, Polen, Irland, \u00d6sterreich und Ungarn nutzte Italien die Gelegenheit, um eine Sperrminorit\u00e4t innerhalb der Gruppe der 27 Staaten zu bilden, die nun verhindert, dass das Abkommen vor Januar gepr\u00fcft wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letztlich teilte die Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission, Ursula von der Leyen, den Staats- und Regierungschefinnen und -chefs, die sich am Donnerstag zu einem Gipfeltreffen in Br\u00fcssel versammelt hatten, mit, dass die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur an diesem Samstag nicht stattfinden werde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter wp-block-embed-twitter\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\" data-dnt=\"true\"><p lang=\"en\" dir=\"ltr\">We have reached out to our Mercosur partners and agreed to postpone slightly the signature. <br><br>This deal is crucially important for Europe \u2013 economically, diplomatically, and geopolitically.<br><br>It opens new trade and economic opportunities for all our Member States. <br><br>With\u2026 <a href=\"https:\/\/t.co\/wqNesX4giH\">pic.twitter.com\/wqNesX4giH<\/a><\/p>&mdash; Ursula von der Leyen (@vonderleyen) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/vonderleyen\/status\/2001849883582423517?ref_src=twsrc%5Etfw\">December 19, 2025<\/a><\/blockquote><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verschiebung des Abkommens auf Januar ist eine \u00dcbergangsl\u00f6sung, die von der Leyen \u201ezuversichtlich\u201d stimmt, dass die Union das Abkommen im n\u00e4chsten Monat genehmigen wird. \u201eHeute Abend haben wir einen Durchbruch erzielt, der den Weg f\u00fcr einen erfolgreichen Abschluss des Mercosur-Abkommens im Januar ebnet,\u201d sagte die Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da noch kein konkretes Datum feststeht, betonten andere EU-Quellen, dass die Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er die Unterzeichnung \u201eso bald wie m\u00f6glich\u201c, idealerweise Anfang Januar, w\u00fcnschten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel ist eine enr Key Story. Der Inhalt basiert auf Nachrichten der am enr teilnehmenden Agenturen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach 25 Jahren Verhandlungen ist der Abschluss eines Abkommens zwischen der EU und L\u00e4ndern des s\u00fcdamerikanischen Handelsb\u00fcndnisses Mercosur erneut verschoben worden, nun auf Januar 2026. Italien hatte wenige Tage vor der geplanten Unterzeichnung Schutzma\u00dfnahmen f\u00fcr den EU-Agrarsektor gefordert. Die Entscheidung fiel, w\u00e4hrend in Br\u00fcssel Meinungsverschiedenheiten hochkochten: Deutschland unterst\u00fctzt das Abkommen, Frankreich lehnt es ab &#8211; und auch Landwirtinnen und Landwirte aus ganz Europa protestieren dagegen.<\/p>\n","protected":false},"author":197,"featured_media":1936068,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":true,"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[39],"tags":[6555,9143,9219,22836],"class_list":["post-1936044","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-key-story","tag-handelsabkommen","tag-landwirtschaft-2","tag-mercosur-2","tag-widerstand"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1936044","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/197"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1936044"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1936044\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1936068"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1936044"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1936044"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1936044"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}