{"id":201834,"date":"2024-02-07T14:30:20","date_gmt":"2024-02-07T13:30:20","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.dpa.com\/?p=201834"},"modified":"2024-02-07T14:30:25","modified_gmt":"2024-02-07T13:30:25","slug":"eu-aussenminister-beziehungen-zu-afrikanischen-partnern-haben-geopolitische-prioritaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/eu-aussenminister-beziehungen-zu-afrikanischen-partnern-haben-geopolitische-prioritaet\/","title":{"rendered":"EU-Au\u00dfenminister: Beziehungen zu afrikanischen Partnern haben geopolitische Priorit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einem informellen Treffen der EU-Au\u00dfenminister in Br\u00fcssel sagte EU-Au\u00dfenpolitikchef <strong>Josep Borrell <\/strong>zu, im Namen der EU die Forderungen der afrikanischen L\u00e4nder nach mehr Bedeutung und Pr\u00e4senz in multilateralen Diskussionen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIn Bezug auf Afrika (&#8230;) haben wir \u00fcber den Kontinent als geopolitische Priorit\u00e4t gesprochen und \u00fcber unsere absolute Entschlossenheit, unseren Dialog und unsere Zusammenarbeit zu verst\u00e4rken,\u201c sagte der Hohe Vertreter der EU f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik. \u201eWir werden Afrikas Streben nach einer st\u00e4rkeren Vertretung in multilateralen Foren unterst\u00fctzen,\u201c f\u00fcgte er hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit Russlands Krieg gegen die Ukraine ist Afrika zu einer diplomatischen Front geworden. Mehrere L\u00e4nder des Kontinents werden von Russland, China und dem Westen aggressiv umworben. Die russische S\u00f6ldnertruppe Wagner unterh\u00e4lt eine starke milit\u00e4rische Pr\u00e4senz in Afrika. Sie ist dort&nbsp; mit mehreren Staaten, darunter Mali und die Zentralafrikanische Republik, Partnerschaften eingegangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die letzten franz\u00f6sischen Truppen zogen sich im Dezember aus Niger zur\u00fcck. Dies war der j\u00fcngste R\u00fcckschlag f\u00fcr mehr als ein Jahrzehnt franz\u00f6sischer Operationen gegen den Dschihadismus in der westafrikanischen Sahelzone. Es war das dritte Mal in weniger als 18 Monaten, dass franz\u00f6sische Truppen aus einem Sahelstaat abgezogen wurden, nachdem auch in den&nbsp; ehemaligen Kolonien Mali und Burkina Faso das Milit\u00e4r die Macht \u00fcbernommen hatte. Alle drei L\u00e4nder k\u00e4mpfen gegen einen dschihadistischen Aufstand, der 2012 im Norden Malis ausgebrochen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Borrell zufolge \u201em\u00fcssen wir unseren Ansatz in Bezug auf Afrika \u00fcberdenken, um mehr Zusammenarbeit zu erm\u00f6glichen und zu verstehen, dass die Stabilit\u00e4t der afrikanischen Staaten Teil unserer Sicherheit ist\u201c. Er f\u00fcgte hinzu, dass es dabei nicht nur um die Sahelzone gehe, die sich als \u00dcbergangszone zwischen der Sahara und den feuchteren L\u00e4ndern des S\u00fcdens \u00fcber den Kontinent erstreckt. Borrell sagte, es gehe auch um andere Teile Afrikas, wie den Sudan, das Horn von Afrika als gro\u00dfe geopolitische Region in Ostafrika und Somalia.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Spanien: Die Landverbindung der EU nach Afrika<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Spanien ist das einzige EU-Land, das \u00fcber Ceuta und Melilla, zwei in Nordafrika gelegene und von marokkanischem Territorium umgebene spanische St\u00e4dte, eine Landgrenze zu Afrika hat. F\u00fcr Spanien sind die Beziehungen zu Marokko von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die Stabilit\u00e4t dieser beiden Enklaven und auch f\u00fcr die Kontrolle der Migrationsrouten von Subsahara-Afrika auf die Iberische Halbinsel und in die \u00fcbrigen EU-L\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der spanische Au\u00dfenminister <strong>Jos\u00e9 Manuel Albares<\/strong> wies insbesondere auf die Sahelzone als \u201epriorit\u00e4res Gebiet f\u00fcr Spanien\u201c hin und forderte, die \u201ewichtige Pr\u00e4senz der EU\u201c in diesem Gebiet beizubehalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch werde darum bitten, dass wir unsere Unterst\u00fctzung f\u00fcr die ECOWAS, eine unverzichtbare regionale Organisation, fortsetzen, und dass wir unsere humanit\u00e4re Hilfe und unsere Unterst\u00fctzung f\u00fcr die demokratischen Prozesse so wichtiger L\u00e4nder wie Mauretanien und Senegal, die strategische Partner f\u00fcr Europa und f\u00fcr Spanien sind, aufrechterhalten,\u201c sagte Albares. Die ECOWAS ist die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Beziehungen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die deutsche Entwicklungsministerin <strong>Svenja Schulze<\/strong> besucht in diesen Tagen f\u00fchrende Politiker aus Westafrika. Ihre Reise erfolgt etwa eine Woche, nachdem die Burkina Faso, Mali und Niger regierenden Juntas ihre L\u00e4nder aus der ECOWAS zur\u00fcckgezogen haben. In Niger kam es am 26. Juli letzten Jahres zu einem Milit\u00e4rputsch, woraufhin die ECOWAS Sanktionen verh\u00e4ngte und milit\u00e4rische Ma\u00dfnahmen androhte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten besteht aus 15 Mitgliedstaaten und ist damit eine der gr\u00f6\u00dften regionalen Wirtschaftsgemeinschaften in Afrika. Alle drei westafrikanischen Staaten haben ihre Mitgliedschaft in der ECOWAS ausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor ihrer Abreise sagte Schulze, dass \u201cfreier Handel und visafreies Reisen das Leben und Wirtschaften in Westafrika enorm erleichtert haben\u201c. Sie bedauerte die Entscheidung der drei Staaten, f\u00fcgte aber hinzu, \u201ediese Entscheidung souver\u00e4ner Staaten ist zu respektieren, auch wenn sie viele wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen wird.\u201d Wirtschaftliche Integration sei ein zentraler Entwicklungsmotor, f\u00fcgte sie hinzu. Die internationale Gebergemeinschaft sei bereit, Westafrika weiter auf diesem Weg zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mali, Burkina Faso und Niger haben sich angesichts der Spannungen mit der ECOWAS zunehmend Russland zugewandt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1280\" src=\"https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/urnnewsmldpa.com20090101240129-99-793822-v1-s2048.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201593\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Giorgia Meloni (l), Ministerpr\u00e4sidentin von&nbsp;Italien, begr\u00fc\u00dft Ursula von der Leyen (r), Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission, vor einem italienisch-afrikanischen Gipfeltreffen. Ministerpr\u00e4sidentin Meloni er\u00f6ffnete am Montag ein Gipfeltreffen afrikanischer Staats- und Regierungschefs, bei dem Italiens Entwicklungsplan f\u00fcr den Kontinent vorgestellt werden sollte. Foto: Roberto Monaldo\/LaPresse\/AP\/dpa<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Russischer Einfluss, Energie und Migration im Visier<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir m\u00fcssen uns fragen, inwieweit wir die Zusammenarbeit mit einigen afrikanischen L\u00e4ndern pragmatischer angehen k\u00f6nnen, denn die Realit\u00e4t ist, dass in den letzten zwei Jahren in mehreren afrikanischen L\u00e4ndern Milit\u00e4rputsche stattgefunden haben, Russland in diesen L\u00e4ndern an St\u00e4rke gewinnt und Europa seine Positionen kl\u00e4rt,\u201c sagte der tschechische Au\u00dfenminister <strong>Jan Lipavsk\u00fd<\/strong> auf dem informellen Treffen der EU-Au\u00dfenminister.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Italien, das in diesem Jahr den Vorsitz der G7-Staatengruppe innehat, versprach, die Entwicklung Afrikas zu einem zentralen Thema zu machen, auch um seinen Einfluss auf dem Kontinent zu vergr\u00f6\u00dfern, auf dem M\u00e4chte wie China, Russland, Indien, Japan und die T\u00fcrkei ihren politischen Einfluss ausbauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf einem Gipfeltreffen afrikanischer Staats- und Regierungschefs in Italien Ende Januar hatte die italienische Ministerpr\u00e4sidentin <strong>Giorgia Meloni<\/strong> zu einer \u201eneuen Seite\u201c in den Beziehungen mit dem Kontinent aufgerufen, die sich auf die Themen Energie und Beendigung der Migration \u00fcber das Mittelmeer konzentrieren solle. Das Gipfeltreffen fand nur wenige Monate nach einem eigenen\u00a0 Gipfeltreffen Russlands mit afrikanischen Staats- und Regierungschefsstatt. Weitere L\u00e4nder, darunter China und Frankreich, haben \u00e4hnliche Initiativen ergriffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vertreter von mehr als 25 L\u00e4ndern nahmen an dem Gipfel im italienischen Senat teil, der unter dem Motto \u201eEine Br\u00fccke f\u00fcr gemeinsames Wachstum\u201c stand. Vor Ort waren auch die Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission, Ursula von der Leyen, sowie Vertreter von Organisationen der Vereinten Nationen und der Weltbank.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meloni m\u00f6chte Italien zu einem Eingangstor f\u00fcr Energie machen und von der Nachfrage der europ\u00e4ischen L\u00e4nder profitieren, die nach Moskaus Einmarsch in der Ukraine im Februar 2022 ihre Abh\u00e4ngigkeit von russischem Gas verringern wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem so genannten Mattei-Plan soll Italien als wichtige Br\u00fccke zwischen Afrika und Europa positioniert werden. So soll Energie in den Norden gelenkt werden und Investitionen im S\u00fcden sollen gegen Abkommen zur Eind\u00e4mmung der Migration getauscht werden. Der Plan will die so genannten Push-Faktoren angehen und die Herkunftsl\u00e4nder davon \u00fcberzeugen, R\u00fcckkehrabkommen f\u00fcr Migranten zu unterzeichnen, denen der Aufenthalt in Italien verweigert wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weitere Forderungen nach mehr Engagement f\u00fcr Afrika<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die slowenische Au\u00dfenministerin <strong>Tanja Fajon<\/strong> rief zu einer engen Zusammenarbeit mit Afrika auf, das Slowenien bei der Abstimmung \u00fcber seine nicht-st\u00e4ndige Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat gro\u00dfes Vertrauen entgegenbrachte. \u201eDieser Kontinent steht vor Herausforderungen, die von Armut bis hin zum Klimawandel und zunehmenden Spannungen, einschlie\u00dflich Gewalt, reichen. Wir m\u00fcssen also mit dem afrikanischen Kontinent zusammenarbeiten, er ist unser strategischer Partner,\u201c sagte der Minister im Vorfeld des Treffens in Br\u00fcssel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bulgarische Vizepremierministerin und Au\u00dfenministerin <strong>Mariya Gabriel<\/strong> erkl\u00e4rte, Afrika sei ein strategischer Partner f\u00fcr Bulgarien. \u201eWir m\u00fcssen einen Dialog mit den L\u00e4ndern des Kontinents f\u00fchren. Ich unterst\u00fctze die Idee, europ\u00e4ischen Projekten dort mehr Sichtbarkeit zu verschaffen,\u201c sagte sie. Gabriel wies darauf hin, dass in dieser Hinsicht zus\u00e4tzliche Anstrengungen erforderlich seien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang Januar traf Gabriel mit ihrem \u00e4gyptischen Amtskollegen <strong>Sameh Shoukry<\/strong> zusammen. Sie sprachen \u00fcber die Zusammenarbeit in den Bereichen Innovation, erneuerbare Energien, Wasserstoff, Lebensmittelsicherheit, Verkehr und Tourismus. \u201e\u00c4gypten ist das erste arabische Land, mit dem Bulgarien diplomatische Beziehungen aufgenommen hat, und der gr\u00f6\u00dfte Wirtschafts- und Handelspartner unseres Landes in der Region Naher Osten und Afrika. Im Jahr 2026 werden wir ein wichtiges Jubil\u00e4um begehen: 100 Jahre seit der Aufnahme unserer diplomatischen Beziehungen,\u201c schrieb Gabriel auf Facebook.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rum\u00e4nien hat vor kurzem die erste nationale Strategie f\u00fcr Afrika verabschiedet, die darauf abzielt, die Beziehungen zum afrikanischen Kontinent wiederzubeleben. Dies geschieht im Rahmen der gemeinsamen Bem\u00fchungen auf europ\u00e4ischer Ebene und im breiteren Kontext der Notwendigkeit, die Beziehungen zwischen der EU und Afrika im Geiste einer neuen Partnerschaft zu beleben. Im Jahr 2024 will Rum\u00e4nien die Zusammenarbeit intensivieren und die f\u00fcr die afrikanischen Partner bestimmten Programme fortsetzen, wobei der Schwerpunkt auf Bildung und Know-how-Transfer liegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel wird w\u00f6chentlich\u00a0ver\u00f6ffentlicht. Der Inhalt basiert auf Nachrichten der teilnehmenden Agenturen im enr.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Interessen der EU gegen\u00fcber dem afrikanischen Kontinent beginnen sich nach den j\u00fcngsten geopolitischen Entwicklungen wie dem Krieg Russlands gegen die Ukraine zu verschieben. 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