{"id":221236,"date":"2024-03-22T11:17:36","date_gmt":"2024-03-22T10:17:36","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.dpa.com\/?p=221236"},"modified":"2024-03-22T11:19:43","modified_gmt":"2024-03-22T10:19:43","slug":"die-kernkraft-ist-zurueck-befuerworter-verabschieden-nuklearenergie-erklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/die-kernkraft-ist-zurueck-befuerworter-verabschieden-nuklearenergie-erklaerung\/","title":{"rendered":"Die Kernkraft ist zur\u00fcck \u2013 Bef\u00fcrworter verabschieden Nuklearenergie-Erkl\u00e4rung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kernenergie zu bef\u00fcrworten war in Br\u00fcssel lange Zeit tabu, doch ein hochkar\u00e4tig besetzter Kernenergie-Gipfel vermittelte nun eher, dass die Atomenergie \u2013 die von ihren Unterst\u00fctzern als Schl\u00fcssel zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels angepriesen wird \u2013 wieder im Kommen ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Gipfel hatten 32 L\u00e4nder, die derzeit Kernkraftwerke (KKW) betreiben oder den Ausbau der Kernenergie weltweit anstreben, eine Kernenergie-Erkl\u00e4rung verabschiedet. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) und die L\u00e4nder bekr\u00e4ftigten darin ihr \u201estarkes Engagement f\u00fcr die Kernenergie als Schl\u00fcsselkomponente unserer globalen Strategie zur Verringerung der Treibhausgasemissionen aus dem Strom- und Industriesektor, zur Gew\u00e4hrleistung der Energiesicherheit, zur Verbesserung der Energieresilienz und zur F\u00f6rderung einer langfristigen nachhaltigen Entwicklung und einer sauberen Energiewende, \u201cwie es in einer Pressemitteilung hie\u00df<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dem Gipfel zur F\u00f6rderung der Kernenergie nahmen Vertreter aus rund 50 L\u00e4ndern \u2013 aus der EU, aber auch aus den Vereinigten Staaten und China \u2013 sowie 25 Staats- und Regierungschefs, darunter der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident <strong>Emmanuel Macron<\/strong>, teil. IAEO-Generaldirektor <strong>Rafael Grossi<\/strong> erinnerte daran, dass auf der Klimakonferenz COP28 vereinbart wurde, den Einsatz der Kernenergie zu \u201ebeschleunigen\u201c.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der f\u00fchrende Klimapolitiker der Gr\u00fcnen im Europ\u00e4ischen Parlament, <strong>Michael Bloss<\/strong>, kommentierte den Gipfel mit den Worten: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAtomkraft ist ein teurer Irrweg. Atomkraft ist ein riesen Subventionsgesch\u00e4ft, es rechnet sich einfach nicht.\u201c Der deutsche Abgeordnete&nbsp; f\u00fcgte hinzu, dass \u201eder Bau von Atomkraftwerken unglaublich teuer ist, ewig dauert und nicht einmal genug Strom produziert\u201c.<\/p>\n<cite>Michael Bloss, MEP Greens\/EFA<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der EU spaltet die Atomdebatte die Mitgliedsstaaten. Die eine Gruppe \u2013 darunter Deutschland, Spanien, \u00d6sterreich und Luxemburg \u2013 spricht sich eindeutig gegen die Entwicklung der Kernenergie aus, w\u00e4hrend eine andere Gruppe \u2013 darunter Frankreich, Finnland, Ungarn und Rum\u00e4nien \u2013 das Potenzial der Nuklearenergie verteidigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bef\u00fcrworter propagieren Kernenergie als M\u00f6glichkeit, bis 2050 Kohlenstoffneutralit\u00e4t zu erreichen, so wie es die Klimaziele der EU vorsehen. Die Gegner des Ausbaus der Kernenergie in Europa verweisen auf die hohen Risiken, die die Reaktorkatastrophen in <strong>Tschernobyl <\/strong>(1986), das damals noch zur Sowjetunion geh\u00f6rte, und <strong>Fukushima<\/strong>, Japan (2011), gezeigt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2021 sorgte die Chefin der Europ\u00e4ischen Kommission, <strong>Ursula von der Leyen<\/strong>, f\u00fcr Schlagzeilen, als sie sagte, die EU brauche die Kernkraft als \u201estabile Energiequelle\u201c. Br\u00fcssel setzte Kernkraft in Folge auf die Liste der nachhaltigen Investitionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derzeit sind in zw\u00f6lf der 27 EU-Mitgliedstaaten Kernreaktoren in Betrieb, und in der Slowakei und in Frankreich sind zwei neue Kernkraftwerke im Bau. Die mit Abstand meisten befinden sich in Frankreich. Auch Polen beabsichtigt, ein Kernenergieprogramm wieder aufzunehmen, und die Tschechische Republik plant ebenfalls den Bau neuer Reaktoren, obwohl noch nicht klar ist, wie viele.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Frankreich: der EU-Champion in Sachen Atomkraft<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten zwei Jahren hat Frankreich, der Vorreiter im Bereich der Atomenergie, entscheidend dazu beigetragen, dass die Vorschriften freundlicher gestaltet wurden und Kernkraft wieder auf die Tagesordnung der EU kam. 56 der 100 Kernkraftwerke in Europa stehen in Frankreich. Der Bau von 14 oder m\u00f6glicherweise mehr neuen Anlagen wird in Erw\u00e4gung gezogen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Atommacht setzt Frankreich nicht nur bei der Energieversorgung auf die Kernkraft: Das franz\u00f6sische Verteidigungsministerium gab k\u00fcrzlich bekannt, dass es in zwei Reaktoren des KKW in der kleinen Stadt Civaux in Zentralfrankreich lithiumhaltiges Material anreichern will. Daraus soll dann das Edelgas Tritium, \u201eein f\u00fcr die Abschreckungswaffen unverzichtbares Edelgas\u201c, gewonnen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreich ist das einzige Mitglied der Europ\u00e4ischen Union, das \u00fcber Atomwaffen verf\u00fcgt, seit das Vereinigte K\u00f6nigreich 2020 offiziell aus der Union ausgetreten ist. Das franz\u00f6sische Verteidigungsministerium hat eine Zusammenarbeit mit \u00c9lectricit\u00e9 de France (EDF), dem gr\u00f6\u00dften Energieunternehmen des Landes, zur Herstellung von Tritium angek\u00fcndigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang 2023 stand Frankreich an der Spitze einer \u201eNuklearallianz\u201c aus einem Dutzend EU-Mitgliedern, darunter Polen, Bulgarien, Finnland und die Niederlande, mit dem Ziel, sich in die Politik einzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreich und Bulgarien hatten im Februar ein Abkommen im Bereich der Kernenergie unterzeichnet, das es Industrieunternehmen aus beiden L\u00e4ndern erm\u00f6glicht, sich an der Wartung bestehender Kraftwerke und an neuen Projekten zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Januar schlossen der bulgarische Energieminister <strong>Rumen Radev<\/strong> und der stellvertretende US-Energieminister f\u00fcr internationale Angelegenheiten <strong>Andrew Light<\/strong> ein Regierungsabkommen \u00fcber die Zusammenarbeit bei einem Nuklearprojekt am KKW-Standort Kozloduy und einem zivilen Nuklearprogramm in Bulgarien. Am 21. M\u00e4rz stimmte das bulgarische Parlament abschlie\u00dfend f\u00fcr die Ratifizierung des Abkommens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das franz\u00f6sische Unternehmen EDF ist neben dem s\u00fcdkoreanischen Unternehmen KHNP einer der Bieter f\u00fcr einen neuen Reaktor in Dukovany (Tschechische Republik). Die tschechische Regierung erwartet die offiziellen Angebote im April. Die Vertr\u00e4ge sollen Ende 2024 bzw. Anfang 2025 unterzeichnet werden; der erste Reaktor soll 2036 in Betrieb gehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Europ\u00e4ische Kernenergie-Ambitionen wachsen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rum\u00e4nien will eine regionale F\u00fchrungsrolle im Bereich der Kernenergie \u00fcbernehmen, so Pr\u00e4sident <strong>Klaus Iohannis<\/strong> auf dem Kernenergie-Gipfel in Br\u00fcssel. Er betonte, dass der Klimawandel \u201eeine globale Herausforderung\u201c darstelle, die ein koordiniertes Vorgehen und ehrgeizige Ma\u00dfnahmen erfordere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das benachbarte Serbien habe keine Erfahrung mit Kernenergie, so der serbische Pr\u00e4sident <strong>Aleksandar Vu\u010di\u0107<\/strong> auf dem Gipfel. Er betonte, dass Serbien vor drei Problemen stehe: einem Mangel an Know-how und Experten f\u00fcr die Nutzung der Kernenergie, einem Mangel an Finanzmitteln und der derzeitigen Mentalit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung. Er f\u00fcgte hinzu, dass Serbien an der Anschaffung von mindestens vier kleinen modularen Reaktoren (SMR) interessiert sei, daf\u00fcr aber finanzielle Unterst\u00fctzung von f\u00fchrenden EU-Staaten ben\u00f6tige.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Slowenien ist in Kr\u0161ko, nahe der Grenze zu Kroatien, seit 1983 ein Kernkraftwerk in Betrieb. Es ist f\u00fcr etwa 40 Prozent der Stromerzeugung im Land verantwortlich. Die H\u00e4lfte des produzierten Stroms geht an Kroatien, , das Miteigent\u00fcmer der Anlage ist. Im November werden die slowenischen B\u00fcrger voraussichtlich in einem konsultativen Referendum \u00fcber den Bau eines neuen Kernkraftwerks (Jek2), ebenfalls in Kr\u0161ko, abstimmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Schweden sind derzeit sechs Kernreaktoren in Betrieb, in Forsmark, Oskarshamn und Ringhals, die alle in den 1980er Jahren gebaut wurden. Sechs \u00e4ltere Reaktoren wurden zwischen 1999 und 2020 stillgelegt. Darunter auch das Kraftwerk Barseb\u00e4ck, das \u2013 in S\u00fcdschweden, nahe an D\u00e4nemark gelegen \u2013 jahrelang seitens des Nachbarlandes in der Kritik stand.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Schweden war die Frage der Kernkraft in den letzten Jahren eines der wichtigsten politischen Themen. Anstatt aus dem System auszusteigen, was nach einem unverbindlichen Referendum im Jahr 1979 beschlossen wurde, bereitet die derzeitige rechtsgerichtete Regierung einen starken Ausbau mit neuen gro\u00dfen und kleinen Reaktoren vor. Nach vielen Jahren der Kritik wird die Kernenergie in der Bev\u00f6lkerung und bei den politischen Parteien immer beliebter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1357\" src=\"https:\/\/europeannewsroom.com\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/urnnewsmldpa.com20090101231024-99-683474-v3-s2048.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-180311\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Windturbinen in einem Windpark. Foto: Jan Woitas\/dpa<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Erneuerbare Energien bleiben der Schl\u00fcssel zur Energiedebatte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der entgegenkommenden Haltung der EU ist die Debatte \u00fcber Kernenergie und erneuerbare Energien immer noch der Grund f\u00fcr die Patt-Situation zwischen Paris und Br\u00fcssel: Frankreich hat die von der EU festgelegten Ziele f\u00fcr erneuerbare Energien im Jahr 2020 nicht erreicht, weigert sich aber, dies wiedergutzumachen \u2013 mit dem Argument, dass sein CO2-Fu\u00dfabdruck dank der Kernenergie gering genug ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreichs Haltung wird von vielen Umweltaktivisten missbilligt \u2013 und von EU-L\u00e4ndern wie Spanien, \u00d6sterreich, Deutschland und Luxemburg, die zusammen eine Allianz der \u201eFreunde der erneuerbaren Energien\u201c innerhalb des Blocks bilden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gr\u00fcne Europaabgeordnete Michael Bloss sagte: \u201eWir m\u00fcssen alles in den Ausbau der Erneuerbaren stecken. Jetzt neue Nukleardebatten aufzumachen f\u00fchrt dazu, dass nichts getan wird. So verstolpern wir unsere F\u00fchrungsrolle beim Green Deal.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bundeskanzler <strong>Olaf Scholz<\/strong> hat Forderungen nach einer R\u00fcckkehr zur Kernenergie in Deutschland mit Verweis auf hohe Kosten und lange Bauzeiten zur\u00fcckgewiesen. Strom aus Kernkraftwerken sei um ein Vielfaches teurer als Strom aus Windkraft, Solarenergie oder anderen Erzeugungsquellen, so Scholz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl es in Portugal keine Kernkraftwerke gibt, ist die Gesetzgebung im Bereich der Kernenergie, insbesondere im Bereich der Radiologie, sehr umfangreich, und es gibt zahlreiche Stellen in verschiedenen Ministerien, die f\u00fcr diesen Bereich zust\u00e4ndig sind \u2013 zum Beispiel f\u00fcr die Kontrolle des spanischen Kernkraftwerks Almaraz, das Wasser aus dem Tejo (der in beiden L\u00e4ndern flie\u00dft) zur K\u00fchlung verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Investitionen zielen in Portugal auf erneuerbare Energiequellen ab, die im Jahr 2023 61 Prozent des portugiesischen Stroms liefern werden, verglichen mit 49 Prozent im Jahr zuvor. Damit sei ein neuer Rekordwert erreicht worden, nachdem es zu starken Regenf\u00e4llen, starken Winden und viel Sonnenschein gekommen war, so der Netzbetreiber REN.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferhalb der EU besitzt Nordmazedonien beispielsweise auch keine Kernkraftwerke, hat sich aber zu einem Kohleausstieg bis 2027 verpflichtet. Nordmazedonien hat die ersten Gesetze und Vereinbarungen \u00fcber strategische Investitionen im Energiesektor ausgearbeitet, um Investitionen in erneuerbare Stromerzeugungsanlagen zu erleichtern und zu beschleunigen. Bei den ersten vier Projekten handelt es sich um Solarkraftwerke in Peh\u010devo und Stipion, eine Kraft-W\u00e4rme-Kopplungsanlage in Skopje und eine Photovoltaikanlage mit Gasmotoren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel wird w\u00f6chentlich&nbsp;ver\u00f6ffentlicht. Der Inhalt basiert auf Nachrichten der teilnehmenden Agenturen im enr.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem weltweit ersten Kernenergie-Gipfel in Br\u00fcssel sprachen sich mehrere L\u00e4nder f\u00fcr Kernenergie aus, um so bis 2050 eine Kohlenstoff-Neutralit\u00e4t in der EU zu erm\u00f6glichen \u2013 doch Gegner warnen vor den Risiken einer Ausweitung dieser Art von Energieerzeugung. Gleichzeitig bleiben die erneuerbaren Energien der Schl\u00fcssel zur Energie- und Klimadebatte in der EU. 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