{"id":29061,"date":"2022-08-12T11:18:41","date_gmt":"2022-08-12T10:18:41","guid":{"rendered":"https:\/\/enr.today\/?p=29061"},"modified":"2022-08-12T11:52:12","modified_gmt":"2022-08-12T10:52:12","slug":"wie-begegnet-europa-der-globalen-nahrungsmittelkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wie-begegnet-europa-der-globalen-nahrungsmittelkrise\/","title":{"rendered":"Wie begegnet Europa der globalen Nahrungsmittelkrise?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EU reagiert auf die weltweite Nahrungsmittelkrise mit der \u00dcberwachung der Erntelagerung in den Mitgliedsstaaten, der Lockerung von Umweltvorschriften, um mehr Nahrungsmittel zu produzieren, und der Suche nach alternativen Routen f\u00fcr ukrainische Getreideexporte. Hinzu kommt eine noch nie dagewesene D\u00fcrre. Dadurch wird bef\u00fcrchtet, dass die Ernteertr\u00e4ge in Europa sinken werden. Dies w\u00fcrde die Lebensmittelpreise weiter in die H\u00f6he treiben, die zum Teil durch den Krieg in der Ukraine bereits gestiegen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der Wiederaufnahme der Getreideexporte aus den ukrainischen Schwarzmeerh\u00e4fen im Rahmen einer von den Vereinten Nationen und der T\u00fcrkei vermittelten Vereinbarung zwischen Russland und der Ukraine bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich der Getreideexporte. Es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass das Vorkriegsniveau von bis zu 5 Millionen Tonnen Getreide, die nach EU-Angaben jeden Monat \u00fcber die H\u00e4fen abgewickelt wurden, in naher Zukunft wieder erreicht wird. Ein erstes Schiff verlie\u00df den Hafen von Odessa im Rahmen des UN-Abkommens mit gerade einmal 26.000 Tonnen Mais. Die Suche nach alternativen Exportrouten sei nach wie vor entscheidend, sagte ein Beamter der EU-Kommission.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>EU-Kommission lockert Agrarvorschriften, um mehr Lebensmittel zu produzieren<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Furcht vor einer drohenden Nahrungsmittelknappheit lockert die <strong>Europ\u00e4ische Kommission<\/strong> nun die Umweltvorschriften f\u00fcr landwirtschaftliche Betriebe, um die Nahrungsmittelproduktion zu steigern. Die Kommission hat vorgeschlagen, f\u00fcr ein Jahr Ausnahmen von den Fruchtfolgevorschriften und der Stilllegung von Ackerfl\u00e4chen zu gew\u00e4hren. Die Reform der EU-Agrarpolitik, die ab 2023 in Kraft treten soll, hat zu strengeren Umweltstandards f\u00fcr die Landwirtschaft gef\u00fchrt. Dazu geh\u00f6rt auch, dass die Landwirte zum Schutz des Bodens nicht jedes Jahr die gleichen Pflanzen anbauen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wurden jedoch zunehmend Forderungen laut, diese Umweltschutzstandards zu lockern, um mehr Getreide zu produzieren, da das Getreide aufgrund des Krieges kaum von ukrainischen H\u00e4fen aus verschifft werden kann. Jede Tonne Getreide, die in der EU produziert wird, tr\u00e4gt zur weltweiten Ern\u00e4hrungssicherheit bei, so die Kommission.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Deutschland und \u00d6sterreich nutzen die Lockerung der Kommission<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00d6sterreich hat dem Vorschlag der EU-Kommission zugestimmt, die Nutzung von Brachfl\u00e4chen f\u00fcr die landwirtschaftliche Produktion bis Ende 2023 zu verl\u00e4ngern. Auch der <strong>deutsche Landwirtschaftsminister Cem \u00d6zdemir <\/strong>schlug vor, den Landwirten angesichts der Knappheit auf den Weltm\u00e4rkten zu erlauben, einen gr\u00f6\u00dferen Teil ihrer Fl\u00e4chen f\u00fcr den Getreideanbau zu nutzen. Berlin will die neuen EU-Verordnungen zur Fruchtfolge f\u00fcr ein Jahr aussetzen. W\u00e4hrend Gesetzgeber und Landwirtschaftsverb\u00e4nde den Vorschlag begr\u00fc\u00dften, warf die Umweltorganisation Greenpeace dem Minister vor, dem Druck der Agrarlobby nachgegeben zu haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Frankreich: \u201eKatastrophe\u201c f\u00fcr Landwirte, \u201e\u00d6kosysteme und Artenvielfalt\u201c<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inmitten einer &#8222;historischen&#8220; D\u00fcrre, die durch eine dritte extreme Hitzewelle in Frankreich noch verschlimmert wurde, hatte die franz\u00f6sische Regierung am 5. August einen Krisenstab aktiviert, um die Bem\u00fchungen zur Linderung der Auswirkungen zu koordinieren: &#8222;Diese D\u00fcrre ist die schlimmste, die je in unserem Land verzeichnet wurde&#8220;, erkl\u00e4rte das B\u00fcro von <strong>Premierministerin Elisabeth Borne<\/strong> in einer Erkl\u00e4rung. Die Trockenheit sei eine &#8222;Katastrophe&#8220; f\u00fcr die Landwirte im ganzen Land sowie f\u00fcr &#8222;unsere \u00d6kosysteme und die Artenvielfalt&#8220;, hie\u00df es weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In fast allen 96 Departements auf dem franz\u00f6sischen Festland wurden bereits Bew\u00e4sserungsbeschr\u00e4nkungen angeordnet, wobei f\u00fcr 73 die h\u00f6chste Alarmstufe gilt. Die Erkl\u00e4rung ging jedoch nicht auf die wachsende Kritik an den Ausnahmeregelungen f\u00fcr Golfpl\u00e4tze ein, die selbst in den Departements, in denen jetzt D\u00fcrrealarm herrscht, weiterhin bew\u00e4ssern d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehrere europ\u00e4ische L\u00e4nder haben ebenfalls schwere D\u00fcrrewarnungen herausgegeben, und die EU hat diese Woche ihre Mitglieder aufgefordert, aufbereitetes kommunales Abwasser f\u00fcr die ausged\u00f6rrten landwirtschaftlichen Betriebe des Kontinents wiederzuverwenden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Spanische Inflation steigt weiter an<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Spanien haben die Preissteigerungen bei Lebensmitteln die Kunden in den Lebensmittelgesch\u00e4ften erreicht. Ausgel\u00f6st wurden sie zun\u00e4chst durch die Pandemie, dann durch den Anstieg der Strom- und Kraftstoffpreise &#8211; was zu Mobilisierungen und Arbeitsniederlegungen in der Landwirtschaft f\u00fchrte &#8211; und schlie\u00dflich versch\u00e4rft durch den Krieg in der Ukraine. Die spanische <strong>Organisation der Verbraucher und Nutzer (OCU)<\/strong> hatte bereits im Juli vor einem Preisanstieg des Warenkorbs um 15,2 Prozent innerhalb eines Jahres gewarnt. Ein starker Anstieg, der vor allem Haushalte mit geringem Einkommen trifft. Im Juni erreichte der Rekordpreis f\u00fcr eine Honigmelone 13 Euro. Nach Angaben des <strong>Nationalen Statistikinstituts (INE)<\/strong> stieg der Verbraucherpreisindex (VPI) im Juni um 1,9 Prozent und erh\u00f6hte sich im Jahresvergleich um 1,5 Punkte auf 10,2 Prozent, den h\u00f6chsten Stand seit April 1985.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der spanische Minister f\u00fcr Landwirtschaft, Fischerei und Ern\u00e4hrung, Luis Planas, <\/strong>w\u00fcnscht sich mehr Transparenz auf den weltweiten Lebensmittelm\u00e4rkten, um eine Preisstabilisierung zu erreichen. &#8222;Die M\u00e4rkte k\u00f6nnen und m\u00fcssen transparenter werden&#8220;, betonte der Minister und nannte als Beispiel die j\u00fcngste Entscheidung der EU-L\u00e4nder, der Kommission ihre monatlichen Daten \u00fcber die Lagerbest\u00e4nde an Getreide, Reis und \u00d6lsaaten zu \u00fcbermitteln. Er verwies auch auf die G20-Plattform <strong>Agricultural Market Information System (AMIS)<\/strong>, um die Transparenz der Lebensmittelm\u00e4rkte zu verbessern, und forderte Unterst\u00fctzung f\u00fcr die schw\u00e4chsten L\u00e4nder, die Getreide kaufen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Lebensmittelpreise in Bosnien um \u00fcber 23 Prozent gestiegen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bosnien und Herzegowina (BiH) ist mit einer Inflationsrate von bis zu 15,8 Prozent konfrontiert, und die Preise f\u00fcr Lebensmittel und alkoholfreie Getr\u00e4nke sind um 23,4 Prozent gestiegen. Das Land ist haupts\u00e4chlich von Lebensmittelimporten abh\u00e4ngig und verf\u00fcgt nicht \u00fcber ausreichende Reserven, um st\u00e4rker in den Markt einzugreifen. Die H\u00e4ndler nutzen oft ihre Monopolstellung, um die Preise k\u00fcnstlich hoch zu halten. Aufgrund der zahlreichen Touristen und der zur\u00fcckkehrenden Diaspora in den Sommermonaten ist die Nachfrage nach Waren recht hoch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wirtschaftsanalysten gehen davon aus, dass der Herbstbeginn einen Nachfrager\u00fcckgang mit sich bringen wird, der die Einzelh\u00e4ndler zwingen wird, die Preise f\u00fcr viele Lebensmittel zu senken. Vergleichsdaten zeigen, dass die Preise f\u00fcr viele Grundnahrungsmittel in Bosnien und Herzegowina trotz des Anstiegs immer noch niedriger sind als in den Nachbarl\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Inflation erreicht 16 Prozent in Nordmazedonien<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Angaben des <strong>mazedonischen Gewerkschaftsbundes (SSM)<\/strong> entwertet die Inflation die L\u00f6hne. Statt 290 Euro betr\u00e4gt der Mindestlohn nun 244 Euro, w\u00e4hrend der Realwert des Durchschnittslohns 428 Euro statt 510 Euro betr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nordmazedonien ist bei bestimmten Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Speise\u00f6l, Fleisch und Milch von Importen abh\u00e4ngig. Die minimalen Ausgaben f\u00fcr eine Familie im Juli belaufen sich nach Berechnungen des SSM auf etwa 760 Euro. Die H\u00f6he des Einkommens reicht f\u00fcr Familien mit zwei Besch\u00e4ftigten, die einen Durchschnitts- und einen Mindestlohn verdienen, nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kroatien: Trotz reduzierter Mehrwertsteuers\u00e4tze kaum Preissenkungen im Handel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Trend anderer EU-L\u00e4nder folgend, die Mehrwertsteuers\u00e4tze zu senken, um die Auswirkungen der derzeit hohen Preise zu verringern, hat Kroatien die Mehrwertsteuers\u00e4tze f\u00fcr Energie, Sanit\u00e4rprodukte und Lebensmittel gesenkt. Der Mehrwertsteuersatz, der seit dem 1. April in Kraft ist, wurde von 25 bzw. 13 Prozent auf 5 Prozent gesenkt. Der <strong>kroatische Verbraucherschutzverband (HUZP)<\/strong> forderte die staatliche Aufsichtsbeh\u00f6rde mehrfach auf, die Lebensmittelpreise zu kontrollieren, da entgegen den Erwartungen keine Preissenkung zu verzeichnen war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich wie in anderen EU-Mitgliedsstaaten gibt es jedoch auch in Kroatien eine gro\u00dfe Menge an Lebensmittelabf\u00e4llen. Die Kroaten werfen jedes Jahr etwa 71 kg Lebensmittel pro Kopf weg, insgesamt mehr als 280.000 Tonnen. 76 Prozent davon stammen aus den Haushalten, w\u00e4hrend der EU-Durchschnitt bei 53 Prozent liegt, sagte <strong>Branka Ilakovac, die Vorsitzende des Zentrums zur Vermeidung von Lebensmittelabf\u00e4llen (CEPOH).<\/strong> Vorbeugung und Aufkl\u00e4rung der B\u00fcrger seien in Kroatien noch nicht als Schl\u00fcssel im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung erkannt worden, f\u00fcgte sie hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sch\u00e4tzungen zufolge werfen die EU-L\u00e4nder 88 Millionen Tonnen Lebensmittel weg, was Kosten in H\u00f6he von 143 Milliarden Euro verursacht, sagte Ilakovac und f\u00fcgte hinzu, dass sich Kroatien als EU-Mitgliedstaat das Ziel gesetzt hat, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Rum\u00e4nien will Weizenexporte nicht begrenzen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum 3. August hat Rum\u00e4nien mehr als 94 Prozent seines Weizens geerntet. <strong>Landwirtschaftsminister Petre Daea <\/strong>versicherte, dass die diesj\u00e4hrige Produktion den Bedarf des Landes und die Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr den Export decken wird. Obwohl Rum\u00e4nien nach eigenen Angaben die Weizenexporte nicht einschr\u00e4nken wird, betonte Daea, dass zun\u00e4chst der heimische Markt beliefert und der Rest exportiert werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum 10. August waren 284.376 Hektar der rum\u00e4nischen Anbaufl\u00e4che von der Trockenheit betroffen. Insgesamt werden in Rum\u00e4nien 154.500 Hektar mit Weizen und Triticale, 22.598 Hektar mit Gerste, Hafer, Roggen, 25.000 Hektar mit Raps, 49.910 Hektar mit Mais, 3.141 Hektar mit Soja, 702 Hektar mit Erbsen, 20.054 Hektar mit Sonnenblumen, 3.952 Hektar mit Futterpflanzen und 4.427 Hektar mit anderen Kulturen bebaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Land ist jedoch nicht vom Anstieg der Lebensmittelpreise verschont geblieben. Am st\u00e4rksten stiegen die Preise siet Juli 2021 f\u00fcr Speise\u00f6l mit 49,71 Prozent, f\u00fcr Kartoffeln mit 42,18 Prozent und f\u00fcr Mehl mit 33,16 Prozent. Bukarest hat mehrere Ma\u00dfnahmen ergriffen, um die von den Preissteigerungen Betroffenen mit Essensgutscheinen und weiteren staatlichen Hilfen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel wird freitags ver\u00f6ffentlicht. Der Inhalt basiert auf Nachrichten der teilnehmenden Agenturen im enr.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kontrolle der Lagerbest\u00e4nde, Lockerung der Vorschriften und Import von Getreide: Inmitten einer weltweiten Nahrungsmittelkrise mit Rekordpreisen versucht die EU, einer m\u00f6glichen Nahrungsmittelknappheit entgegenzuwirken. 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