{"id":352660,"date":"2024-08-07T16:56:31","date_gmt":"2024-08-07T14:56:31","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.com\/?p=352660"},"modified":"2024-08-07T16:56:33","modified_gmt":"2024-08-07T14:56:33","slug":"von-medizinischen-fortschritten-bis-zur-stahl-entkarbonisierung-ein-blick-auf-die-kerntechnik-in-der-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/von-medizinischen-fortschritten-bis-zur-stahl-entkarbonisierung-ein-blick-auf-die-kerntechnik-in-der-eu\/","title":{"rendered":"Von medizinischen Fortschritten bis zur Stahl-Entkarbonisierung:\u00a0Ein Blick auf die Kerntechnik in der EU"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNukleartechnologien k\u00f6nnen eine wichtige Rolle bei der Umstellung auf saubere Energie spielen,\u201c sagte die Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission,<strong> Ursula von der Leyen<\/strong>,<strong> <\/strong>auf dem ersten Kernenergie-Gipfel im M\u00e4rz. Der Gipfel war von der Internationalen Atomenergiebeh\u00f6rde (IAEA) und Belgien ins Leben gerufen worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die deutsche konservative Politikerin sagte, sie sei sich bewusst, dass es in der EU \u201eunterschiedliche Ansichten\u201c zur Kernenergie gebe. Sie f\u00fcgte hinzu, dass \u201eviele L\u00e4nder einen neuen Blick auf die potenzielle Rolle der Kernenergie werfen\u201c, nachdem \u201edie globale Energiekrise durch Russlands Einmarsch in der Ukraine ausgel\u00f6st wurde\u201c. Die Nuklearenergie k\u00f6nne zum Erreichen der Klimazielen, zur Energiesicherheit und zur Stabilisierung der Energiepreise beitragen, so von der Leyen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Prognosen der Internationalen Energieagentur und der Europ\u00e4ischen Kommission f\u00fcr das Jahr 2050 zeigten, dass die Kernenergie wachsen und als Erg\u00e4nzung zu den erneuerbaren Energien fungieren werde, die \u201ebis 2050 das R\u00fcckgrat der EU-Stromerzeugung sein werden\u201c, sagte sie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings sei der Anteil dieser Energiequelle sowohl in der EU als auch global gesehen zur\u00fcckgegangen: Weltweit sei ihr Anteil am Strommix von 18 Prozent im Jahr 1988 auf heute neun Prozent gesunken. In der EU liege ihr Anteil derzeit bei 22 Prozent, w\u00e4hrend sie in den 1990er Jahren noch ein Drittel des europ\u00e4ischen Stroms ausgemacht habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von der Leyen sprach sich f\u00fcr eine Verl\u00e4ngerung der Laufzeiten der bestehenden Kernkraftwerke aus, \u201enat\u00fcrlich unter der Voraussetzung, dass sie sicher betrieben werden\u201c, da dies \u201eeine der billigsten M\u00f6glichkeiten ist, sauberen Strom in gro\u00dfem Ma\u00dfstab zu erzeugen\u201c.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Europ\u00e4ische Rat hat die Kernenergie in die Liste der strategischen Technologien f\u00fcr Klimaneutralit\u00e4t aufgenommen, und sie wurde als M\u00f6glichkeit zur Beschleunigung der Emissionsreduzierung in das Abschlussdokument des letzten Klimagipfels (COP28) eingearbeitet&nbsp; \u2013 erstmals in der Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nuklearenergie hat bei der finanziellen Zuwendung, die sie in der EU erf\u00e4hrt, an Bedeutung gewonnen, genie\u00dft aber immer noch nicht die gleichen Sympathien wie die erneuerbaren Energien.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">(Einige) EU-Mitgliedstaaten fordern mehr Geld f\u00fcr Kernenergie<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im M\u00e4rz forderten die zw\u00f6lf in der Europ\u00e4ischen Nuklearallianz zusammengeschlossenen EU-Mitgliedstaaten mehr Geld f\u00fcr die Kernenergie und verlangten von den Finanzinstituten eine Gleichstellung mit den erneuerbaren Energien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAlle Netto-Null-Technologien einschlie\u00dflich der Kernenergie und der Wertsch\u00f6pfungskette sollten genutzt werden. Dazu werden die M\u00f6glichkeiten und Vorteile von Finanzierungsinstrumenten wie der Unterst\u00fctzung durch die EIB [Europ\u00e4ische Investitionsbank] und den Innovationsfonds gepr\u00fcft,\u201c hei\u00dft es in der Erkl\u00e4rung der Allianz nach dem ersten Kernenergiegipfel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bulgarien, Kroatien, Finnland, Frankreich, Ungarn, die Niederlande, Polen, Rum\u00e4nien, die Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik und Schweden verpflichten sich, \u201eden Zugang zu privaten und \u00f6ffentlichen Finanzierungen zu verbessern und die M\u00f6glichkeiten und Vorteile europ\u00e4ischer Finanzierungsinstrumente auszuloten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als spezifisches Ziel werde \u201edie Unterst\u00fctzung von Gro\u00dfreaktoren, SMR-Technologien und [der] damit verbundenen europ\u00e4ischen Wertsch\u00f6pfungskette\u201c mit Atomenergie genannt, die unter anderem angereicherte Brennstoffe und Systeme zur Entsorgung radioaktiver Abf\u00e4lle erfordert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Allianz wurde 2023 geschlossen, um eine Energiequelle zu unterst\u00fctzen, die die EU-Mitgliedstaaten Deutschland, Luxemburg, Spanien oder D\u00e4nemark nicht bef\u00fcrworten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland gingen im April 2023 die letzten drei Kernkraftwerke vom Netz \u2013 doch die Rufe nach einer R\u00fcckkehr zur Nuklearenergie werden lauter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Dezember 2023 hat die spanische Regierung den 7. Generalplan f\u00fcr radioaktive Abf\u00e4lle verabschiedet, der die Politik der Regierung f\u00fcr die Entsorgung radioaktiver Abf\u00e4lle, einschlie\u00dflich abgebrannter Brennelemente, sowie f\u00fcr den R\u00fcckbau und die Stilllegung von Kernkraftwerken festh\u00e4lt. Au\u00dferdem wurde ein Zeitplan f\u00fcr die Abschaltung von Kernkraftwerken zwischen 2027 und 2035 festgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt jedoch auch Gegner der Stillegungen, beispielsweise<strong> Ignacio Araluce<\/strong>, der Pr\u00e4sident von Foro Nuclear ist. Er sagte, dass die Anlagen \u201ef\u00fcr das System notwendig sind\u201c und dass Spanien mit seiner Idee, Kernkraftwerke zu schlie\u00dfen, \u201eallein gelassen wird\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">EU-F\u00f6rderung f\u00fcr die Produktion von Mini-Reaktoren\u00a0<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Europ\u00e4ische Kommission unterst\u00fctzt aktiv die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren im Rahmen eines technologischen Wettlaufs, bei dem die EU hinter China, den Vereinigten Staaten und Russland zur\u00fcckliegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Europ\u00e4ische Industrieallianz f\u00fcr SMR wurde im Februar letzten Jahres von der Europ\u00e4ischen Kommission ins Leben gerufen, zusammen mit Ver\u00f6ffentlichung der Empfehlung f\u00fcr das Klimazwischenziel f\u00fcr 2040. Sie unterstreicht das Potenzial der Atomenergie unter den kohlenstoffarmen Technologien, die der EU helfen k\u00f6nnen, ihre Emissionen zu senken. Die Initiative bringt Regierungen, Industrieakteure und Interessengruppen zusammen, um die Entwicklung des Sektors zu beschleunigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kleine modulare Reaktoren sind Kernreaktoren, die im Vergleich zu herk\u00f6mmlichen Kraftwerken im Gigawatt-Ma\u00dfstab sowohl in Sachen Leistung und Gr\u00f6\u00dfe kleiner sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Niederl\u00e4ndische Innovation: Wiederverwendung von Atomm\u00fcll als Ziel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das niederl\u00e4ndische Start-up-Unternehmen Thorizon erh\u00e4lt von der franz\u00f6sischen Regierung einen Zuschuss von zehn Millionen Euro. Damit will das in Amsterdam ans\u00e4ssige Unternehmen die Entwicklung eines kleinen Kernreaktors beschleunigen, der nukleare Abf\u00e4lle aus regul\u00e4ren Kraftwerken als Brennstoff verwendet. Nach Angaben des Unternehmens k\u00f6nnte eine solche Anlage 250.000 Haushalte mit sauberer Energie versorgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese neue Art von Reaktor solle nachhaltiger, billiger und sicherer werden als herk\u00f6mmliche Kernreaktoren. \u201eUnser Design ist einzigartig, da wir austauschbare Patronen im Reaktorkern verwenden. Dies erm\u00f6glicht es uns, mit Materialien zu arbeiten, die den Reaktorbedingungen nicht 50 oder 100 Jahre lang standhalten m\u00fcssen,\u201c erkl\u00e4rt <strong>Kiki Lauwers<\/strong>, CEO von Thorizon.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Franz\u00f6sisch-italienische Zusammenarbeit um Emissionen in der Stahlindustrie zu senken<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Juli gab der franz\u00f6sische Stromkonzern EDF bekannt, dass er in Italien mit dem Verband der Stahlindustrie eine Vereinbarung \u00fcber die Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie\u00a0unterzeichnet habe, um die Dekarbonisierung des Sektors in einem Land zu beschleunigen, das seit fast 35 Jahren atomstromfrei ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Vereinbarung ziele darauf ab, \u201edie Zusammenarbeit in der Kernenergie-Branche zu f\u00f6rdern, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit und die Entkarbonisierung der italienischen Stahlindustrie voranzutreiben\u201c, so EDF in einer Presseerkl\u00e4rung. Die Stahlindustrie sei ein gro\u00dfer Emittent von Treibhausgasen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Absichtserkl\u00e4rung wurde mit dem italienischen Energieunternehmen Edison, dem italienischen Kraftwerkshersteller Ansaldo Energia, dem Entwickler von Nukleartechnologie Ansaldo Nucleare, und Federacciai, dem Verband der italienischen Stahlindustrie, unterzeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie \u201emarkiert einen weiteren Fortschritt bei der Festlegung einer Agenda f\u00fcr die Entwicklung neuer Kernenergie in Italien\u201c, so <strong>Nicola Monti<\/strong>, CEO von Edison, in der Pressemitteilung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Italien produziert seit den 1990er Jahren keine Nuklearenergie mehr. Das Land hatte nach dem Unfall von Tschernobyl in einem Referendum im Jahr 1987 den Ausstieg aus der zivilen Kernkraft beschlossen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kernreaktor f\u00fcr medizinische Zwecke<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ende Juli stimmte die Europ\u00e4ische Kommission einer niederl\u00e4ndischen Subvention in H\u00f6he von zwei Milliarden Euro f\u00fcr den Bau eines neuen Kernreaktors im niederl\u00e4ndischen Petten zu. Der Reaktor \u2013 der keinen Strom erzeugt \u2013 soll unter anderem dazu dienen, medizinische Radioisotope zur Krebsbehandlung f\u00fcr das medizinische PALLAS-Projekt zu entwickeln und zu lagern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Niederlande hatten bei Br\u00fcssel eine Genehmigung f\u00fcr die Baugenehmigung beantragt, die nach den europ\u00e4ischen Wettbewerbsvereinbarungen obligatorisch ist.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut EU-Wettbewerbskommissarin <strong>Margrethe Vestager<\/strong> wurde der Antrag genehmigt, weil das PALLAS-Projekt dazu beitrage, wichtige Arzneimittel f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt zu sichern. Das Projekt k\u00f6nne auch \u201eeine bahnbrechende Innovation\u201c im Nukleartechnologiebereich liefern, die den europ\u00e4ischen B\u00fcrgern zugute komme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Artikel wird zwei Mal pro Woche\u00a0ver\u00f6ffentlicht. Der Inhalt basiert auf Nachrichten der teilnehmenden Agenturen im enr.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema Nuklearenergie l\u00f6st viele Debatten aus \u2013 auch unter den Mitgliedstaaten der Europ\u00e4ischen Union. Dennoch befasst sich die Union mit Kerntechnik, unter anderem, um ihre Klimaziele zu erreichen.  Ein niederl\u00e4ndisches Start-up hat die Wiederverwendung von Atomm\u00fcll zum Ziel, und eine franz\u00f6sisch-italienische Kooperation will die Entkarbonisierung der emissionsintensiven Stahlindustrie beschleunigen.<\/p>\n","protected":false},"author":119,"featured_media":351948,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":true,"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[39],"tags":[147,13656],"class_list":["post-352660","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-key-story","tag-eu","tag-kernkraft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/352660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/119"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=352660"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/352660\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/351948"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=352660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=352660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=352660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}