{"id":707747,"date":"2024-12-03T15:39:47","date_gmt":"2024-12-03T14:39:47","guid":{"rendered":"https:\/\/europeannewsroom.com\/?p=707747"},"modified":"2024-12-03T15:39:52","modified_gmt":"2024-12-03T14:39:52","slug":"berner-konvention-schutzstatus-von-woelfen-gesenkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/berner-konvention-schutzstatus-von-woelfen-gesenkt\/","title":{"rendered":"Berner Konvention: Schutzstatus von W\u00f6lfen gesenkt"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">EU-weit\/Br\u00fcssel\/Stra\u00dfburg &#8211; Die Unterzeichnerstaaten der Berner Konvention haben den Schutzstatus des Wolfes von &#8222;streng gesch\u00fctzt&#8220; auf &#8222;gesch\u00fctzt&#8220; gesenkt. Das teilte am Dienstag die Presseabteilung des Europarates in Stra\u00dfburg mit. Der Vorschlag, den Schutzstatus zu senken, war von der EU gekommen, die jetzt in einem weiteren Schritt den Wolfsschutz in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) senken darf. Landwirtschaftsminister Totschnig (\u00d6VP) begr\u00fc\u00dfte die von ihm geforderte Absenkung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche L\u00e4nder wie abgestimmt haben, wurde nicht bekanntgegeben. Die EU-Kommission, die in Stra\u00dfburg stellvertretend f\u00fcr die 27 EU-Mitgliedstaaten spricht, d\u00fcrfte jedenfalls f\u00fcr den Vorschlag gestimmt haben. Ebenso die Schweiz, die sich bereits 2022 f\u00fcr eine Herabsenkung stark gemacht hatte &#8211; damals scheiterte es aber unter anderem am Nein der EU.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die EU und ihre Mitgliedstaaten Vertragsparteien des internationalen \u00dcbereinkommens von Bern \u00fcber die Erhaltung der europ\u00e4ischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4ume sind, konnte ohne eine \u00c4nderung des Schutzstatus im \u00dcbereinkommen der Status auf EU-Ebene nicht ge\u00e4ndert werden. Die \u00c4nderung tritt drei Monate nach der heutigen Abstimmung in Kraft. Bis dahin k\u00f6nnte theoretisch noch ein Drittel der Unterzeichnerstaaten ein Veto einlegen &#8211; was aber unwahrscheinlich ist, nachdem f\u00fcr die heutige Entscheidung eine Zweidrittelmehrheit n\u00f6tig war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut Landwirtschaftsministerium stimmten 38 der insgesamt 50 Berner Vertragsstaaten f\u00fcr den Vorschlag. Im Anschluss ist die EU-Kommission aufgefordert, die Anh\u00e4nge der FFH-Richtlinie zu \u00e4ndern. Ein herabgesenkter Schutzstatus g\u00e4be den EU-Staaten mehr Flexibilit\u00e4t, die Jagd auf W\u00f6lfe zuzulassen, ohne aber den Schutz ganz aufzuheben &#8211; der Zustand der Wolfspopulation d\u00fcrfe nicht in Gefahr geraten, hei\u00dft es in einer Presseinformation des Europarates.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zunahme der Wolfspopulation f\u00fchre zu Konflikten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EU-Kommission hatte im Dezember 2023 vorgeschlagen, den Schutzstatus des Wolfes von &#8222;streng gesch\u00fctzt&#8220; auf &#8222;gesch\u00fctzt&#8220; abzusenken. Die R\u00fcckkehr des Wolfs in EU-Regionen, in denen er seit langem nicht mehr anzutreffen war, habe ebenso wie die Zunahme seiner Populationen in neuen Gebieten zu Schwierigkeiten und Konflikten gef\u00fchrt, begr\u00fcndet die Kommission ihre Entscheidung. Nach der Zustimmung der EU-Staaten im September brachte die EU einen Ab\u00e4nderungsantrag f\u00fcr die Berner Konvention ein. EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen zeigte sich heute erfreut: &#8222;Wir brauchen einen ausgewogenen Ansatz zwischen dem Schutz der Wildtiere und dem Schutz unserer Lebensgrundlagen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Heute haben wir einen wichtigen Meilenstein f\u00fcr eine leichtere Regulierung des Gro\u00dfraubtieres Wolf geebnet. Fakt ist, der Wolf ist in Europa nicht mehr vom Aussterben bedroht und vermehrt sich mittlerweile pro Jahr um bis zu 30 Prozent. Das Problem mit dem Wolf geht weit \u00fcber Risse von Tieren hinaus, denn der Wolf verliert zunehmend die Scheu vor dem Menschen. Wir d\u00fcrfen als politisch Verantwortliche nicht zulassen, dass es zu Wolfs-Angriffen kommt. Genau deshalb k\u00e4mpfe ich seit Jahren f\u00fcr eine Senkung des Schutzstatus&#8220; , begr\u00fc\u00dfte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (\u00d6VP) die Entscheidung in einer Aussendung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle (\u00d6VP) sah sich durch die Annahme der auch seitens Tirol geforderten \u00c4nderung best\u00e4tigt. &#8222;Der Wolf ist nicht mehr vom Aussterben bedroht&#8220;, betonte Mattle auf APA-Anfrage, die Senkung des Schutzstatus sei &#8222;logische Konsequenz&#8220; daraus. Wenn die EU-Kommission nun noch die FFH-Richtlinie \u00e4ndere, sei die Senkung endg\u00fcltig &#8222;schwarz auf wei\u00df&#8220; festgehalten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Da unsere Alm- und Weidewirtschaft viel st\u00e4rker gef\u00e4hrdet ist als der zu Zehntausenden in Europa herumstreifende Wolf, ist die heutige Entscheidung der Berner Konvention ein wichtiger Etappensieg f\u00fcr die Zukunft und Vitalit\u00e4t des l\u00e4ndlichen Raumes&#8220;, betont Landwirtschaftskammer \u00d6sterreich-Pr\u00e4sident Josef Moosbrugger. &#8222;Die Entscheidung ist ein Erfolg f\u00fcr den Artenschutz in \u00d6sterreich und zeigt ganz klar, dass sich die Wolfspopulation in vielen L\u00e4ndern Europas auf einem hohen Niveau befindet und stetig stark steigt&#8220;, unterstreicht Jagd \u00d6sterreich Pr\u00e4sident Maximilian Mayr Melnhof laut Aussendung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Die Herabsetzung des Schutzstatus ist ein wichtiger Fortschritt, um die Balance zwischen Naturschutz und den Bed\u00fcrfnissen unserer Almwirtschaft sowie des Tourismus zu wahren&#8220;, sagt Salzburgs Landeshauptmann-Stellvertreterin Marlene Svazek (FP\u00d6). Auch FP\u00d6-EU-Abgeordneter Roman Haider begr\u00fc\u00dft die Senkung des Schutzstatus des Wolfs ausdr\u00fccklich: &#8222;Damit wird ein positives Zusammenleben von Mensch, Nutztier und Wildtier in unserer Natur erm\u00f6glicht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tiersch\u00fctzer kritisieren Entscheidung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Diese Entscheidung ist ein R\u00fcckschlag f\u00fcr den Artenschutz und ein Beispiel f\u00fcr Demokratieversagen&#8220;, kritisiert hingegen Madeleine Petrovic, Pr\u00e4sidentin von Tierschutz Austria. &#8222;Es zeigt, wie oft wissenschaftliche Erkenntnisse und der Wille der Mehrheit zugunsten einzelner Lobbyinteressen ignoriert werden.&#8220; Sowohl die Umfrage zum ersten Wolfsreport als auch die Umfrage der EU Kommission zur Senkung des Schutzstatus f\u00fchrten zu dem Ergebnis: Die Mehrheit (77 Prozent im Wolfsreport und 71 Prozent in der EU-Studie) bef\u00fcrworte die Beibehaltung des bestehenden strengen Schutzstatus des Wolfes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Die regierende Politik verweigert die Hausaufgaben und startet stattdessen einen populistischen Angriff auf den Artenschutz. Tats\u00e4chlich notwendig w\u00e4re eine gut geplante Herdenschutz-Offensive&#8220;, sagt WWF-Experte Christian Pichler. Das Vorgehen sei wissenschaftlich nicht gedeckt und k\u00f6nne insgesamt kontraproduktiv wirken. Als heimische Wildtiere und Beutegreifer seien W\u00f6lfe ein nat\u00fcrlicher Beitrag zur Artenvielfalt. Sie verhinderten die Ausbreitung von Krankheiten und st\u00e4rken im Idealfall auch die wichtigen Schutzw\u00e4lder, weil sie zu hohe Wildbest\u00e4nde reduzieren k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thomas Waitz, Agrarsprecher der Gr\u00fcnen im EU-Parlament, sagt: &#8222;Die Herabstufung basiert nicht auf wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern reinem Populismus. Der Wolf dient den Konservativen als S\u00fcndenbock und soll von ihrem Versagen im l\u00e4ndlichen Raum in ganz Europa ablenken. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass es mit der \u00c4nderung der Naturschutzrichtlinie nun nicht nur dem Wolf an Kopf und Kragen geht, sondern auch andere bedrohte Tiere wie Biber, Otter, Seeschildkr\u00f6ten, Robben oder Luchse ihren Schutzstatus verlieren.&#8220; (03.12.2024)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU hatte den entsprechenden Schritt beantragt. \u00d6sterreichs Landwirtschaftsminister Totschnig (\u00d6VP) begr\u00fc\u00dfte die Entscheidung und forderte eine rasche Umsetzung.<\/p>\n","protected":false},"author":91,"featured_media":453652,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[45],"tags":[17542,147,17544,17543],"class_list":["post-707747","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-europe-in-brief","tag-animal","tag-eu","tag-hunting","tag-protection"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/707747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/91"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=707747"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/707747\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/453652"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=707747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=707747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=707747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}