{"id":79839,"date":"2022-12-29T09:31:49","date_gmt":"2022-12-29T08:31:49","guid":{"rendered":"https:\/\/enr.today\/?p=79839"},"modified":"2022-12-29T10:05:45","modified_gmt":"2022-12-29T09:05:45","slug":"atomkraft-wird-gruen-umstrittene-eu-einstufung-tritt-in-kraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeannewsroom.com\/de\/atomkraft-wird-gruen-umstrittene-eu-einstufung-tritt-in-kraft\/","title":{"rendered":"<strong>Atomkraft wird &#8222;gr\u00fcn&#8220; &#8211; Umstrittene EU-Einstufung tritt in Kraft<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wien\/Br\u00fcssel  &#8211; Ab 1. J\u00e4nner k\u00f6nnen Investitionen in Gas-und Atomkraftwerke in der EU als klimafreundlich eingestuft werden. Die umstrittene Erg\u00e4nzung zur EU-Taxonomie-Verordnung tritt zum Jahreswechsel in Kraft. Daran \u00e4ndert auch eine Klage \u00d6sterreichs beim Europ\u00e4ischen Gerichtshof (EuGH) vorerst nichts. Eine Entscheidung wird erst in rund zwei Jahren erwartet. Experten gehen davon aus, dass zus\u00e4tzliche Investitionen durch die neue Regelung vor allem in bestehende AKWs flie\u00dfen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Ziel der sogenannten Taxonomie-Regelung ist es, den Kampf gegen den Klimawandel voranzubringen. Dies geschieht durch eine Art Katalog f\u00fcr klimafreundliche Investitionen, die Unternehmen und Privaten dabei helfen sollen, klimafreundliche Projekte zu identifizieren und Geld dort zu investieren. F\u00fcr Kritik von Umweltsch\u00fctzern und Atomkraftgegnern sorgt, dass im vergangenen Jahr Atomkraft und Gas unter Auflagen darin aufgenommen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Vor allem Frankreich, das 70 Prozent seines Energiebedarfs durch Atomenergie deckt, war eine treibende Kraft dabei, Investitionen in die Atomkraft aufzunehmen. Auch viele andere Staaten &#8211; allen voran die \u00f6stlichen Nachbarstaaten \u00d6sterreichs &#8211; erhoffen sich von der neuen Regelung mehr Geld f\u00fcr den Ausbau ihrer Atomkraftwerke. Deutschland unterst\u00fctzte den Plan andererseits, weil Gas als \u00dcbergangstechnologie eingestuft wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Die Einstufung sende &#8222;ein katastrophales Signal an die internationalen Finanzm\u00e4rkte&#8220;, kritisiert der Pariser Energieexperte Mycle Schneider gegen\u00fcber der APA und sieht eine &#8222;einzigartige historische Chance&#8220; verpasst. &#8222;Milliarden werden in Optionen flie\u00dfen, die f\u00fcr den Klimanotstand keine Erl\u00f6sung bieten&#8220;, prognostiziert der Experte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Das Geld d\u00fcrfte dabei weniger in Neubauprojekte als in die Erneuerung und Instandhaltung alter AKW-Anlagen flie\u00dfen, meint Schneider. Einen zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkten Ausbau der Atomenergie in Europa erwartet er nicht und verweist auf Bauverz\u00f6gerungen, fehlende technische Voraussetzungen und Abh\u00e4ngigkeiten von russischem Kernbrennstoff. Die zus\u00e4tzlichen Investitionen werden daher eher in den AKW-Bestand flie\u00dfen und &#8222;vielleicht weitere Milliarden in Projektentwicklungen und Baustellen, die vielleicht nie vollendet werden&#8220;, so Schneider.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Der Experte betont, dass die Einstufung von Atomenergie und Gas als nachhaltig in beiden F\u00e4llen faktisch falsch sei. &#8222;Erdgas ist de facto ein ausgesprochen wirkungsvolles Treibhausgas &#8211; wesentlich wirkungsvoller als CO2 &#8211; und Atomkraft erzeugt de facto radioaktiven M\u00fcll, der auf Tausende von Generationen Auswirkungen hat und damit eindeutig einem Grundprinzip der Nachhaltigkeit widerspricht&#8220;, so Schneider.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Der Chef\u00f6konom der Nuclear Energy Agency (NEA), die bei der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris angesiedelt ist, Jan Horst Keppler, ist anderer Ansicht. Die Einstufung von Kernenergie und Erdgas als &#8222;gr\u00fcne Energien&#8220; diene dazu, beide Energien ohne finanziellen oder politischen Malus weiterzubetreiben. &#8222;Da Europa auf absehbare Zeit beide Energien brauchen wird, ist das eine gute Sache&#8220;, meint Keppler gegen\u00fcber der APA.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Allerdings handle es sich um eine &#8222;weiche&#8220; oder indirekte Form der Unterst\u00fctzung. &#8222;Es ist eine Illusion zu meinen, dass die Taxonomie nun automatisch neue Finanzierungsquellen zu geringeren Kapitalkosten erm\u00f6glichen wird&#8220;, so der Experte. Die Kriterien f\u00fcr Umwelt, Soziales und guter Unternehmensf\u00fchrung (ESG) seien viel zu vage, als dass sie zu mehr als ungef\u00e4hren Absichtserkl\u00e4rungen der Investoren f\u00fchren k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Zudem gebe es in den USA eine Gegenbewegung zu ESG und die amerikanischen Finanzstr\u00f6me seien wichtiger als die europ\u00e4ischen. Die Finanzierungsbedingungen f\u00fcr Kernkraft und Erdgas in Europa werden sich daher in einem Wechselspiel zwischen beiden Finanzpl\u00e4tzen, sowie den nationalen Rahmenbedingungen in den europ\u00e4ischen Mitgliedsl\u00e4ndern entscheiden, prognostiziert Keppler. (27. Dezember)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tanner warnt vor Blackouts in Teilen der EU in &#8222;naher Zukunft&#8220;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berlin\/Wien &#8211; Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (\u00d6VP) rechnet schon bald mit gro\u00dffl\u00e4chigen Stromausf\u00e4llen in der Europ\u00e4ischen Union, wie sie in einem Interview mit der deutschen Tageszeitung &#8222;Welt&#8220; sagte. Die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts in Teilen der EU in naher Zukunft sei sehr gro\u00df. &#8222;Die Frage ist nicht, ob er kommt, sondern wann er kommt&#8220;, so Tanner. Das Risiko f\u00fcr einen fl\u00e4chendeckenden Stromausfall habe sich durch den Ukraine-Krieg noch einmal deutlich erh\u00f6ht, betonte sie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; &#8222;F\u00fcr Putin sind Hackerangriffe auf die westliche Stromversorgung ein Mittel der hybriden Kriegsf\u00fchrung. Wir sollten nicht so tun, als ob das nur Theorie w\u00e4re. Wir m\u00fcssen uns in \u00d6sterreich und in Europa auf Blackouts vorbereiten.&#8220; Tanner betonte, &#8222;dass ein Drittel der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sp\u00e4testens am vierten Tag eines Stromausfalls nicht mehr in der Lage w\u00e4re, sich selbst zu versorgen&#8220;. Das Bundesheer will daher bis 2025 insgesamt 100 autarke Kasernen, die sich f\u00fcr zwei Wochen selbstst\u00e4ndig versorgen k\u00f6nnen, einrichten. Au\u00dferdem soll es sogenannte Sicherheitsinseln geben, die im &#8222;Ernstfall Anlaufstellen sein k\u00f6nnen f\u00fcr zivile Helfer und Ordnungskr\u00e4fte&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Ein baldiges Ende des Ukraine-Siegs erwartet die \u00d6VP-Politikerin indes nicht. Russland verf\u00fcge \u00fcber enorme Reserven an Material und an Soldaten, sagte sie. &#8222;Die Ukraine hat gl\u00fccklicherweise sehr wichtige Erfolge erzielt, aber sie muss ein riesiges Gebiet verteidigen. Es ist unklar, ob es in diesem Krieg \u00fcberhaupt jemals einen Sieger geben wird.&#8220; Tanner forderte die internationale Gemeinschaft auf, sich st\u00e4rker auf Verhandlungen zur L\u00f6sung des Ukraine-Kriegs zu konzentrieren und in dieser Frage mit der Ukraine zusammenzuarbeiten. &#8222;Es ist wichtig, dass im Hintergrund Gespr\u00e4che laufen und der Fokus wieder vermehrt auf die Diplomatie gelegt wird.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Einige EU-Staaten w\u00fcrden die Ansicht vertreten, dass die Ukraine als souver\u00e4ner Staat allein dar\u00fcber entscheiden solle, wann verhandelt werde und was das Ziel dieser Verhandlungen sein sollte. &#8222;Man kann es aber auch so sehen, dass der Westen, der die Ukraine seit Monaten mit Waffen und Milliardenbetr\u00e4gen unterst\u00fctzt, gemeinsam mit Kiew herausfinden muss, wann die Grenze dieses Krieges erreicht ist und wann es Sinn macht, in einem geeigneten Format mit Verhandlungen zu beginnen&#8220;, sagte die Verteidigungsministerin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Das sei &#8222;eine schwierige Angelegenheit&#8220;, aber mit dieser Frage sollte sich die internationale Staatengemeinschaft jetzt verst\u00e4rkt besch\u00e4ftigen, so Tanner. &#8222;Wir d\u00fcrfen in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen, dass die hohen Energiepreise, die eine Folge von Putins brutalem Angriffskrieg gegen die Ukraine sind, von den Menschen im Westen zunehmend als Belastung empfunden werden k\u00f6nnten.&#8220; (27. Dezember)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Teuerung: \u00d6sterreich h\u00e4lt sich im internationalen Vergleich gut<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Wien &#8211; Die Inflation hat sich hierzulande in den vergangenen Monaten in lichte H\u00f6hen katapultiert &#8211; Werte von teilweise mehr als 10 Prozent im Jahresvergleich bedeuten das h\u00f6chste Niveau seit der Nachkriegszeit. Vergleicht man die Situation mit anderen L\u00e4ndern, stand \u00d6sterreich mit zuletzt 10,6 Prozent aber noch relativ gut da. In Argentinien etwa wurde im November ein Preisauftrieb von kr\u00e4ftigen 92,4 Prozent erreicht, in der T\u00fcrkei waren es laut OECD-Daten 84,4 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;&nbsp; Auch im EU-Vergleich schnitt die Alpenrepublik nicht allzu schlecht ab. Dort platziert man sich knapp unter dem November-Schnitt von 11,1 Prozent. Besonders mit der Teuerung k\u00e4mpfen Litauen (22,9 Prozent) und \u00d6sterreichs Nachbarland Ungarn (22,5 Prozent). Festzuhalten ist jedoch auch: Manche europ\u00e4ische L\u00e4nder haben die Teuerung, die besonders von den hohen Energiepreisen getrieben wird, besser im Griff. Zu nennen sind etwa Frankreich mit 6,2 Prozent oder die Schweiz mit 3 Prozent. Etwas besser ist die Situation auch in Deutschland, wo im November eine Rate von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen war. (28. Dezember)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Diese Zusammenstellung ist eine redaktionelle Auswahl der APA-Europaberichterstattung. Die redaktionelle Verantwortung f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung liegt bei der APA. Sie wird montags und donnerstags ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch eine Klage \u00d6sterreichs beim Europ\u00e4ischen Gerichtshof (EuGH) \u00e4ndert vorerst nichts daran: Ab 1. 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