Brüssel/Kopenhagen (enr) – Eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien ist entscheidend, um Europas Energieversorgung zu sichern, wenn die EU ihre CO₂-Emissionen deutlich senken und unabhängig von importierten fossilen Brennstoffen werden will, sagte Leena Ylä-Mononen, Exekutivdirektorin der Europäischen Umweltagentur (EEA).
„Der Übergang in eine nachhaltige Zukunft durch die Verbesserung unserer Kreislaufwirtschaft, die stärkere Nutzung erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz – all das ist von zentraler Bedeutung für Europas Bestrebungen, unsere Abhängigkeit und Angewiesenheit von Energieimporten, fossilen Brennstoffen und Importen natürlicher Ressourcen zu verringern“, sagte sie in einem 1. September veröffentlichten Interview des European Newsroom (enr).
Nach einem Sommer der in ganz Europa von Hitzewellen, Dürren und Waldbränden gezeichnet war, erneuerte die EEA-Chefin ihre Forderung, die Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu beschleunigen. Dies könne „das zunehmende Ausmaß klimabedingter Katastrophen und damit verbundener Verluste“ begrenzen. Sie argumentierte, dass die Abkehr von fossilen Brennstoffen und die Beschleunigung des Übergangs zu erneuerbaren Energien ein entscheidender Teil der Lösung seien.
Gleichzeitig verwies sie auf den üblichen Anstieg der Gaspreise während „einer Kälteperiode“. Ylä-Mononen forderte mehr „Flexibilität“ bei der Energiespeicherung, „damit wir für die Bürgerinnen und Bürger ein etwas größeres Polster haben, wenn schwierige Zeiten kommen“.
In einem im Juli veröffentlichten Bericht warnte die EEA, dass die EU „weiterhin anfällig für externe Schocks bei der Versorgung mit fossilen Brennstoffen ist, da die Gaspreise nach wie vor die Großhandelspreise für Strom in der EU bestimmen“. Dem Bericht zufolge kosteten die Schwankungen der Gaspreise die EU bis Mitte April 2026 13 Milliarden Euro. Gleichzeitig konnten Verbraucherinnen und Verbraucher dank erneuerbarer Energien 29 Milliarden Euro sparten. Diese seien damit „der wirksamste Stoßdämpfer des Systems“.
Ylä-Mononen sagte, dass „tatsächlich viele Aspekte und Lösungen notwendig sind, um auch die besonders schutzbedürftigen Haushalte zu schützen“. Sie verwies auf innovative Lösungen, etwa die Nutzung von Batterien von Elektrofahrzeugen zur Versorgung von Haushalten, „die dann als spezifische Reserve dienen könnten, um bei hohen Preisen wieder Strom ins Netz einzuspeisen“.
Die EEA-Chefin wies darauf hin, dass der Ausbau lokaler erneuerbarer Energiequellen für Städte besonders schwierig sei. „Städte stehen vor einer besonderen Herausforderung, weil ihre gesamte Energie- und auch ihre Mobilitätsinfrastruktur noch sehr stark auf der fossilen Wirtschaft basiert.“
Städte hätten „nur begrenzte Möglichkeiten, einzelne Windkraftanlagen aufzustellen“, sagte sie. Solarzellen seien jedoch „eine machbare Option, insbesondere wenn die Stadt oder die nationalen Behörden diese Art von Investition unterstützen“, fügte sie hinzu.
Die Europäische Umweltagentur (EEA) ist die EU-Agentur, die unabhängige Umweltdaten, Bewertungen und Analysen bereitstellt, um die politische Entscheidungsfindung in Europa zu unterstützen.
