Als jüngst bekannt wurde, dass Korruptionsermittler die Vizepräsidentin des EU-Parlaments Eva Kaili im Visier haben, war die Aufregung groß. Bargeld in einer hohen sechsstelligen Summe stellten die Fahnder sicher, die griechische Politikerin wanderte in Untersuchungshaft. Dazu kursiert auch bei Facebook ein Video, das einen Fernsehbericht der Bild-Zeitung zeigt. Parallel dazu läuft darunter ein Clip, in dem Unmengen von Euro-Banknoten zu sehen sind. 

Bewertung 

Bild und Ton des Mitschnitts aus dem Bild-Livestream entsprechen dem Original. Der darunter laufende Clip ist zwar auch nicht bearbeitet, hat aber nichts mit dem aktuellen Fall zu tun. Die Bilder gestapelter Banknoten sind wesentlich älter: Sie stammen aus einer Installation eines spanischen Künstlers. 

Fakten 

Bild TV stellte seinen Clip am 12. Dezember 2022 auch auf YouTube online. Er leitete einen Fernsehbericht zur Korruptionsaffäre rund um Eva Kaili ein. In der Wohnung der 44-Jährigen, die tags darauf abgesetzt wurde, fanden die Fahnder Bargeld in PlastiktütenRund 600.000 Euro stellten belgische Ermittler sicher. Die Spuren des Skandals führen nach Katar und Marokko

Das Geld, das im zweiten Videoclip des vielfach geteilten Postings zu sehen ist, hat jedoch nichts mit der aktuellen Korruptionsaffäre zu tun – und auch nicht mit früheren, ähnlich gelagerten Vermutungen rund um Bestechlichkeit von Politikern. 

Eine Bilderrückwärtssuche mit dem ersten Standbild des Videos liefert zahlreiche Resultate, darunter einen französischen Faktencheck aus dem Jahr 2019. Damals prüfte die Redaktion das gleiche Video auf einen angeblichen Zusammenhang mit einem haitianischen Korruptionsskandal. 

Die Redakteure fanden das Video auch im Rahmen ähnlicher Behauptungen aus Russland und Kamerun. Tatsächlich stammt es von einer Kunstinstallation des Spaniers Alejandro Monge. Er selbst teilte und kommentierte das inzwischen viral gegangene Video seines Werks im Februar 2019 auf seinem Instagram-Kanal

Ursprünglich teilte er ein Foto der gesamten Installation bereits ein Jahr davor, als es im Rahmen einer spanischen Kunstmesse in einer Galerie in Barcelona zu sehen war und schon damals Aufsehen erregte. Passenderweise trägt die Installation den Titel “Europäischer Traum”. Mit der Causa Kaili, die erst Jahre später von sich reden machte, hat das Kunstwerk dennoch nichts zu tun.

Links

Artikel zur Korruptionsaffäre bei “dw.com” (archiviert

Facebook-Posting (archiviert) (Video archiviert

“Bild”-Clip auf YouTube (archiviert) (Video archiviert

Artikel zur Absetzung bei “spiegel.de” (archiviert)

„spiegel.de“ zu Plastiksackerln, archiviert

dpa-Artikel zur Razzia (archiviert

Artikel zu den Hintergründen bei “sz.de” (archiviert

Faktencheck bei “france24.com” (archiviert

Monges Profil bei Instagram (archiviert

Das Video bei Monges Instagram (archiviert) (Video archiviert

Die Installation bei Instagram (archiviert

Blogeintrag zur Art Madrid 2018 (archiviert)

Interview mit dem Künstler aus 2018 (archiviert)

Über dpa-Faktenchecks

Mehr Faktenchecks von dpa finden Sie auf der Seite dpa-factchecking.com. Über die Grundsätze unserer Arbeit informieren wir hier.

Wenn Sie inhaltliche Einwände oder Anmerkungen haben, schicken Sie diese bitte an faktencheck@dpa.com.

Schon gewusst?

Wenn Sie Zweifel an einer Nachricht, einer Behauptung, einem Bild oder einem Video haben, können Sie den dpa-Faktencheck auch per WhatsApp kontaktieren. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.