Kinder, die in der Schule, zu Hause und überall sonst an ihren Smartphone-Bildschirmen kleben, sind ein alltägliches Bild. Die Sorge über negative psychische Auswirkungen wächst. Diese reichen von Ablenkung im Unterricht über die Verbreitung von Falschinformationen durch Fake News und soziale Medienabhängigkeit bis hin zu Online-Belästigung und Mobbing.
Bei einem Treffen Anfang dieser Woche in Brüssel haben die EU-Jugend- und Bildungsministerinnen und -minister eine Reihe von Maßnahmen diskutiert. Darunter waren Handyverbote in Schulen, strengere Alterskontrollen für Online-Aktivitäten, Einschränkungen der Nutzung sozialer Medien für Minderjährige und ein EU-weiter Plan zur Bekämpfung von Cybermobbing.
Italien steht an vorderster Front bei der Forderung nach strengeren Einschränkungen der Handynutzung. Bildungsminister Giuseppe Valditara stellte auf dem Treffen eine Initiative vor. Sie soll die Nutzung von Smartphones im Unterricht für unter 14-Jährige in ganz Europa verbieten. Diplomatischen Quellen zufolge unterstützen elf EU-Mitgliedstaaten – darunter Frankreich, Schweden, Österreich, Zypern und Griechenland – sowie die derzeitige polnische Ratspräsidentschaft diesen Vorschlag.
„Wenn wir unsere Kinder wirklich lieben, müssen wir ihnen in der Schule eine Pause von den Handys garantieren“, sagte Valditara. Er forderte einen koordinierten Ansatz auf europäischer Ebene in Bezug auf „den Zugang zu sozialen Netzwerken, um Phänomene wie Cybermobbing, Kinderpornografie, Selbstverletzungen und geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen“.
Der EU-Kommissar für Jugend, Glenn Micallef, stellte am Montag seine Vision für einen Aktionsplan gegen Cybermobbing vor. „Soziale Medien haben ihre Vorteile, können aber auch unsere psychische Gesundheit und den sozialen Zusammenhalt beeinträchtigen“, schrieb er auf der Plattform X. „Ich möchte, dass sich Menschen, insbesondere Kinder und andere gefährdete Gruppen, online sicher fühlen, frei von Schaden und Belästigung.“
Digitale Ablenkung
Valditara erklärte, dass „die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zeigen, dass der Missbrauch von Mobilgeräten in der Kindheit und Vorpubertät die kognitive Entwicklung negativ beeinflusst, Konzentrations- und Gedächtnisverlust, eine Verringerung der Sprachfähigkeiten und des kritischen Denkens verursacht“. Der italienische Minister fügte hinzu: „Neben dem Rückgang der schulischen Leistungen wird die übermäßige Nutzung von Smartphones in jungen Jahren als eine der Hauptursachen für soziale Isolation anerkannt.“
Laut Daten der PISA-Studie 2022 der OECD gaben rund 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, während des Mathematikunterrichts durch digitale Geräte abgelenkt zu sein. Die Studienautoren äußerten auch Bedenken hinsichtlich der Suchtgefahr: „Im Durchschnitt über die OECD-Länder hinweg berichteten 45 Prozent der Schüler, dass sie nervös oder ängstlich wurden, wenn ihre Telefone nicht in der Nähe waren.“
Die 2023 und 2024 veröffentlichten Ergebnisse zeigten, dass ein moderater Einsatz digitaler Geräte in der Schule und für das Lernen zu besseren Leistungen führte und die Kinder und Jugendlichen von einem „größeren Zugehörigkeitsgefühl“ in der Schule berichteten. Wenn Schülerinnen und Schüler jedoch mehr als eine Stunde pro Tag ihre Geräte für Freizeitaktivitäten nutzten, hatten sie tendenziell schlechtere Mathematiknoten. PISA bewertet die Fähigkeiten von 15-Jährigen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen.
Schulregeln unterschiedlich streng
Einige Mitgliedstaaten haben bereits Handyverbote für Schulen erlassen, andere ziehen sie in Betracht. Die Bandbreite der Einschränkungen variiert jedoch innerhalb einzelner Staaten, Regionen oder sogar Schulen. Sie sind auch unterschiedlich streng – von vollständigen Verboten, bei denen Handys überhaupt nicht auf dem Schulgelände erlaubt sind, bis hin zu einer Nutzung, die auf bestimmte Zeiten wie Pausen beschränkt ist.
In Bulgarien ist es Schülerinnen und Schülern seit 2016 verboten, Smartphones im Unterricht zu benutzen. Die Regierung strebt derzeit ein vollständiges Verbot von Smartphones in Schulen an, außer für strikt pädagogische Zwecke, medizinische Notwendigkeiten oder Notfälle. Bildungsminister Krasimir Valchev erklärte, er rechne mit einer Parlamentsabstimmung im Juni.
In Spanien gelten seit dem Schuljahr 2020/21 Einschränkungen für die Nutzung von Mobiltelefonen in Schulen, die jedoch von Region zu Region unterschiedlich sind. Der staatliche Schulrat empfahl 2024, dass die Mobiltelefone von Sekundarschülerinnen und -schülern bis zum Verlassen der Schule ausgeschaltet bleiben. In Vorschulen und Grundschulen wird empfohlen, sie gar nicht erst mitzubringen, es sei denn, es gibt „sehr spezifische“ individuelle Gründe.
Frankreich verbot bereits 2018 Grund- und Sekundarschülern die Nutzung von Handys auf dem Schulgelände.
Italiens Bildungsministerium zufolge ist seit vergangenen September die Nutzung von Smartphones im Klassenzimmer für alle Schülerinnen und Schüler verboten. Die dänische Regierung plant ebenfalls, die Nutzung von Mobiltelefonen in Schulen und Nachmittagsbetreuungen zu verbieten.
Österreich ist das bislang letzte Land, das Einschränkungen eingeführt hat. Seit dem 1. Mai gilt dort ein Handyverbot sowohl im Unterricht als auch während der Pausen. Bildungsminister Christoph Wiederkehr erklärte Anfang dieser Woche: „Wir sehen immer mehr Mitgliedstaaten, die dieselbe Regel übernehmen.“ Schulen als handyfreie Zonen führten zu besseren Leistungen und weniger Konflikten, fügte er hinzu.
In Schweden schlug die Regierung ein neues, umfassendes Verbot für die Nutzung von Mobiltelefonen in Grundschulen (bis zu einem Alter von 16 Jahren) vor. Die Telefone sollen morgens eingesammelt und erst wieder herausgegeben werden, wenn die Schülerinnen und Schüler die Schule verlassen. Lehrende und Schulleiterinnen und -leiter sollen Telefone, iPads, Smartwatches und andere Geräte konfiszieren dürfen.
„Es ist wirklich wichtig, die Zeit, die Schüler mit Telefonen und Bildschirmen in der Schule verbringen, zu reduzieren“, sagte Schulministerin Lotta Edholm auf einer Pressekonferenz im März. Eine schwedische Regierungsbehörde empfahl im vergangenen Jahr für Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren maximal zwei bis drei Stunden Bildschirmzeit pro Tag, für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren ein bis zwei Stunden und für Kinder unter sechs Jahren nicht mehr als eine Stunde pro Tag.
In der Tschechischen Republik verbieten bislang nur einzelne Schulen Mobiltelefone. Die öffentliche Meinung tendiert jedoch zu einem Verbot von Smartphones in Schulen. Laut einer im März veröffentlichten Umfrage unterstützen 73 Prozent der Lehrenden an Grundschulen solche Einschränkungen.
In Deutschland liegt die Zuständigkeit für Bildung bei den Bundesländern. Einige Länder fordern Beschränkungen für die private Nutzung von Mobiltelefonen in Schulen und planen, entsprechende Vorschriften zu erlassen. Bis dahin entwickeln viele Schulen ihre eigenen Regeln.
In Belgien gibt es weder seitens der flämischen Regierung noch der Regierung der französischen Gemeinschaft oder der föderalen Regierung detaillierte Pläne, wie die Nutzung von Smartphones und sozialen Medien unter jungen Menschen geregelt werden soll. Die Politik konzentriert sich weitgehend auf Bildungsmaßnahmen zur Medienkompetenz in Schulen, etwa durch Workshops oder Fernsehprogramme.
Anfang dieses Monats veröffentlichte jedoch eine Gruppe belgischer Experten und Psychiater einen offenen Brief an die flämische Regierung und an die belgische Bundesregierung. Sie forderten eine klarere und strengere Politik zur Nutzung von Smartphones durch Kinder und Jugendliche und sprachen sich auch dafür aus, die Nutzung sozialer Medien bis zum Alter von 16 Jahren zu verbieten.
Vanessa Matz, die föderale Ministerin für Digitalisierung, erklärte, sie sei nicht abgeneigt, über Verbote auf nationaler Ebene nachzudenken, betonte jedoch, dass das Thema auf europäischer Ebene interessanter sei.

TikTok im Visier
Ein weiterer Ansatz, den einige Länder verfolgen, besteht darin, den Zugang zu sozialen Medien für junge Menschen einzuschränken.
Der EU-Beitrittskandidat Albanien etwa ging Ende 2024 gegen TikTok vor und verbot die beliebte App für ein Jahr. Laut Ministerpräsident Edi Rama habe dieses soziale Netzwerk Gewalt und Mobbing unter albanischen Teenagern gefördert. Die Regierung erklärte, das Verbot habe die überwältigende Unterstützung der Eltern – 90 Prozent der befragten Eltern seien dafür.
In Belgien forderte Digitalisierungsministerin Matz im vergangenen Monat ebenfalls Maßnahmen von TikTok und den europäischen Behörden gegen „SkinnyTok“, einen TikTok-Trend, der bei Jugendlichen für ein extrem schlankes Erscheinungsbild wirbt.
Totale Verbote sind nicht der einzige Weg, Kinder online zu schützen – Altersüberprüfungen und Datenschutzgesetze bieten weitere Möglichkeiten. EU-Rechtsvorschriften wie der Digital Services Act (DSA) erfordern, dass Plattformen das Alter der Nutzenden überprüfen, und die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) soll den Datenschutz gewährleisten. Allerdings ist es einfach, auf „Ich bin über 18“ zu klicken – es gibt derzeit keine zuverlässigen Systeme, die das Alter der Nutzerinnen und Nutzer überprüfen können, ohne Datenschutzgesetze zu verletzen.
Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte Anfang dieser Woche, er sei für eine Altersverifikation, bevor sich Teenager in sozialen Netzwerken registrieren. Bereits 2024 hatte er ein Verbot von sozialen Medien für Kinder unter 15 Jahren und ein Handyverbot für Kinder unter 11 Jahren gefordert. Er betonte erneut, dass dies auch eine europäische Verantwortung sei: „Wir sollten auch parallel einen europäischen Kampf führen, aber ich denke, das muss geschehen.“
Die Staatsministerin für Digitales, Clara Chappaz, sagte gegenüber La Tribune Dimanche, dass Frankreich sich drei Monate Zeit nehme, um „seine europäischen Partner zu mobilisieren“ für eine „europäische Vereinbarung“, die soziale Medien verpflichtet, das Alter von Teenagern zu überprüfen. Falls dies nicht gelingt, werde die Regierung Sanktionen verhängen.
„Soziale Medien unter 15 Jahren sind ein absolutes Nein.“
Frankreichs Staatsministerin für Digitales Clara Chappaz
Bei all den Diskussionen über Verbote darf jedoch nicht vergessen werden, dass Mobiltelefone ein allgegenwärtiger Bestandteil unseres Lebens geworden sind – unabhängig vom Alter. Sie sind Werkzeuge der Kommunikation zwischen Familie und Freunden, und für viele Eltern ist ein Smartphone auch ein Mittel, den Aufenthaltsort ihrer Kinder im Blick zu behalten.
Einige Experten, darunter der deutsche Kinderschutzexperte Benjamin Thull vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, halten Verbote sogar für kontraproduktiv. „Das Smartphone ist das Medium, durch das alles passiert. Ich denke, ein Verbot in Schulen ist ein Fehler“, sagte er. Thull argumentiert, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die zu Hause keine Medienkompetenz erlernen. Daher sollte das Thema eine wichtige Rolle in Schulen spielen.
Dieser Artikel wird zwei Mal pro Woche veröffentlicht. Der Inhalt basiert auf den Nachrichten der am European Newsroom beteiligten Agenturen.
