Die Diversifizierung der EU-Energieversorgung, die Beschleunigung des grünen Wandels und die Verbesserung der Energieversorgungssicherheit der EU sind die Ziele des REPowerEU-Plans, der kürzlich sein zweijähriges Bestehen feierte.

Am Dienstag gaben die EU-Minister außerdem einer Reform des Strommarktes final grünes Licht, die ebenfalls auf die Verbesserung der Energiesicherheit in der EU abzielt. Sie fördert außerdem den Ausbau der erneuerbaren Energien und soll Verbraucher künftig besser vor steigenden Strompreisen schützen.

Zwei Jahre REPowerEU 

Wegen der Schwierigkeiten und Störungen auf dem globalen Energiemarkt, verursacht durch den russischen Einmarsch in der Ukraine im Februar 2022, hat die Europäische Kommission im Mai 2022 den REPowerEU-Plan ins Leben gerufen. Der Plan sieht Energie-Einsparziele, die Erzeugung von sauberer Energie und die Diversifizierung der Energieversorgung – und letztlich die Beendigung der Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen vor. 

Seit der Verabschiedung des Plans hat die EU ihre Gaslieferungen aus Russland erfolgreich reduziert. Der Anteil des Gases aus Russland – über Pipelines und Flüssigerdgas (LNG) – machte 2021 noch 45 Prozent des gesamten Gasimports aus, 2023 jedoch nur 15 Prozent. Die Union hat ihn durch Gas aus anderen Drittländern ersetzt. Norwegen und die USA sind zu den größten Gaslieferanten geworden.

Die Einfuhr von russischem Rohöl, raffinierten Erdölerzeugnissen und russischer Kohle auf dem Seeweg ist durch die EU-Sanktionen verboten worden. 

Um wie viel haben die Mitgliedstaaten den Erdgasverbrauch gesenkt?

In den 27 Länderberichten, die anlässlich des zweijährigen Bestehens von REPowerEU veröffentlicht wurden, hat die Europäische Kommission die Leistungen der Mitgliedstaaten zwischen August 2022 und Januar 2024 zusammengefasst. Jeder Länderbericht enthält eine länderspezifische Analyse zu einer Reihe von Punkten, zum Beispiel zu den Energiekennzahlen, zur Diversifizierung der Energieversorgung, zur Entwicklung der Energiepreise oder zur Reduzierung der Erdgasnachfrage. 

Die EU-Länder hatten sich auf ein freiwilliges 15-Prozent-Reduktionsziel für den Erdgasverbrauch geeinigt, und fast alle Länder haben es geschafft, ihren Gasverbrauch zu senken. Auf EU-Ebene erreichten die Länder einen Rückgang von 18 Prozent.

21 Länder senkten ihren Gasverbrauch sogar noch weiter als das vereinbarte Reduktionsziel, darunter Dänemark (-40%), Finnland (-39%), Lettland (-30%), Schweden (-29%), Litauen (-29%), Estland (-28%), die Niederlande (-27%), Luxemburg (-26%), Portugal (-23%), Slowakei (-22%), Frankreich (-20%), Rumänien (-19%), Österreich (-19%), Ungarn (-18%) und Bulgarien (-18%), Italien (-17%), Kroatien (-17%), Tschechien (-17%), Griechenland (-16%), Deutschland (-16%) und Belgien (-16%).  

Den Daten der Europäischen Kommission zufolge haben nur fünf Länder das 15-Prozent-Reduktionsziel nicht erreicht. Dazu gehören Spanien (-12%), Slowenien (-10%), Polen (-8%), Irland (-4%) und Malta, das als einziges Land seinen Gasverbrauch um zehn Prozent erhöhte. Dem Bericht zufolge nutzt Zypern kein Erdgas. 

Slowenien: Verbrauchsreduzierung, aber weiterhin abhängig von russischem Gas

Der REPowerEU-Bericht weist darauf hin, dass Slowenien zwar „Maßnahmen zur Stärkung alternativer Erdgaslieferungen ergriffen hat“, aber „faktisch weiterhin von russischem Gas abhängig ist, das über Österreich importiert wird“.

Daten der slowenischen Energieagentur aus 2023 zeigen, dass Slowenien 68,3 Prozent des Gases aus Österreich und 28,3 Prozent aus Algerien über Italien importiert. Die Agentur kann nicht mit Gewissheit sagen, wie viel des aus Österreich importierten Gases russischen Ursprungs ist. 

Auch wenn die Gasimporteure keine direkten Verträge über Gaslieferungen aus Russland für 2023 oder 2024 abgeschlossen haben, geht die Energieagentur davon aus, dass der Anteil des russischen Gases sowohl 2023 als auch im ersten Teil des Jahres 2024 noch immer überwog.

Fortschritte bei den erneuerbaren Energien, aber: Da ist noch Luft nach oben

Die EU und ihre Mitgliedstaaten arbeiten kontinuierlich daran, nachhaltiger zu werden und weniger auf fossile Brennstoffe angewiesen zu sein. Was haben die Länder bisher erreicht? 

Im Jahr 2023 hat Portugal nach Angaben der Europäischen Kommission beispielsweise rund 1,3 Gigawatt an erneuerbaren Stromkapazitäten installiert, womit sich die Gesamtkapazität auf 18,4 Gigawatt erhöht hat – im Vergleich zu 5,1 Gigawatt im Jahr 2021. Darüber hinaus stieg die jährliche Wachstumsrate der installierten Kapazität an erneuerbaren Energien auf 7,6 Prozent, verglichen mit 6,1 Prozent im Jahr 2021. Der Energiemix des Landes bestand jedoch bis 2022 zu 69 Prozent aus fossilen Brennstoffen.

Das benachbarte Spanien hat seinen Übergang zu einem entkarbonisierten Energiesystem beschleunigt. Nach Angaben des spanischen Netzbetreibers Red Eléctrica lag der Anteil der erneuerbaren Energien am spanischen Strommix im März bei 65,2 Prozent – ein Allzeithoch. Laut dem REPowerEU Report für Spanien spielen fossile Brennstoffe jedoch weiterhin eine zentrale Rolle im Energiesystem des Landes. 2021 machten sie 70,1 Prozent der importierten Primärenergie aus.

Kroatien hat seine Abhängigkeit von russischen Gasimporten zügig gesenkt, indem es seine eigene Produktion erhöht und die Nutzung des bestehenden LNG-Terminals intensiviert hat. Dennoch ist Kroatien nach wie vor in hohem Maße von Energieeinfuhren aus Ländern außerhalb der EU abhängig. Fossile Brennstoffe spielen auch im kroatischen Energiemix weiterhin eine wichtige Rolle. Im Jahr 2022 haben sie 72 Prozent der verfügbaren Energie ausgemacht.

Das Land könnte schon bald mit der Produktion von grünem Wasserstoff beginnen: INA, das führende kroatische Öl- und Gasunternehmen, hat kürzlich zwei Verträge über Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien unterzeichnet – einen für die Produktion von grünem Wasserstoff und den anderen für eine Anlage zur Herstellung von Biomethan. Der Bau beider Anlagen wird voraussichtlich im Jahr 2026 abgeschlossen sein. Das Projekt für grünen Wasserstoff wird zusammen mit der dazugehörigen Solaranlage und den Logistik-Kapazitäten über die Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF) kofinanziert. 

Die ARF der EU ist ein Instrument, das Zuschüsse und Darlehen zur Unterstützung von Reformen und Investitionen in den Mitgliedstaaten bereitstellt. Sie soll unter anderem dazu beitragen, dass die Mitgliedstaaten nachhaltiger werden, den grünen und digitalen Wandel vorantreiben und das EU-Ziel der Klimaneutralität bis 2050 erreichen.

…noch ein Jahr warten

In Bulgarien wurde eine der wichtigsten nationalen Energie-Reformen um ein Jahr verschoben, was bedeutet, dass die künstliche Aufrechterhaltung der Kohle-Kapazitäten mindestens weitere zwölf Monate andauern wird. Dies wiederum könnte dazu führen, dass das Land die erwarteten 1,3 Milliarden Lew (BGN, rund 665,15 Mio. Euro) im Rahmen des bulgarischen Nationalen Aufbau- und Resilienzplan, der durch die ARF der EU finanziert wird, nicht bekommt. Die Energiereform ist eine zwingende Voraussetzung. 

Während bulgarische Abgeordneten das mit nicht ausreichender Bereitschaft für einen reibungslosen Übergang von einem regulierten zu einem freien Strommarkt begründeten oder fehlende Mittel nannten, führten mehrere Medien und Experten die Entscheidung hauptsächlich auf Populismus vor den Wahlen zurück. 

Nach Ansicht der belgischen Energieministerin ebnet die Strommarktreform „den Weg für einen stabileren, vorhersehbaren und nachhaltigen Energiemarkt“. Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Ein reformierter Strommarkt für Sicherheit und eine grüne Zukunft

In dieser Woche nahm die Strommarktreform ihre letzte Hürde, nachdem Vertreter der EU-Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments die Marktreformen im vergangenen Dezember abgesegnet hatten.

Belgiens Energieministerin Tinne Van der Straeten bezeichnete den Tag als „Meilenstein der EU“ auf dem Weg zu einer kohlenstofffreien und grüneren Zukunft. „Mit der Verabschiedung der Strommarktreform stärken wir die Verbraucher, gewährleisten die Versorgungssicherheit und ebnen den Weg für einen stabileren, berechenbaren und nachhaltigen Energiemarkt.“

Im Mittelpunkt der Reformbemühungen stehen neue langfristige Verträge zwischen dem Staat und den Stromerzeugern, bei denen der Staat einspringt, wenn der Marktpreis unter einen vereinbarten Preis fällt, um Anreize für die inländische Erzeugung von Ökostrom und Kernenergie zu schaffen und die Rentabilität der Investitionen zu gewährleisten.

Die Reform schützt auch die Verbraucher. Sie sollen künftig sowohl ein Recht auf Festpreisverträge als auch auf Verträge mit dynamischen Preisen haben. So könnten Verbraucher sich sowohl für sichere, langfristige Preise als auch für Verträge mit sich verändernden Preisen entscheiden, wenn sie Preisschwankungen ausnutzen wollen – etwa um Strom zu nutzen, wenn er billiger ist für das Aufladen von Elektroautos oder für Wärmepumpen.

Wie funktioniert der Strommarkt? 

Der Strommarkt in der EU funktioniert nach dem Merit-Order-Prinzip, das die Reihenfolge festlegt, in der die an die Strombörse angeschlossenen Kraftwerke zur Lieferung von Energie herangezogen werden und den Marktpreis bestimmen.

Diejenigen, die Strom zu relativ niedrigen Grenzkosten erzeugen können, wie beispielsweise Windparks, werden zunächst zur Deckung der Nachfrage genutzt. Steigt die Nachfrage jedoch über die Möglichkeiten dieser ursprünglichen Quellen hinaus, werden andere mit höheren Marginal-Kosten genutzt.

Der endgültige Preis hängt daher davon ab, welche Quellen zur Deckung der Nachfrage genutzt werden müssen, sowie von den Schwankungen der Kosten für die Nutzung dieser Quellen. Ein Anstieg der Erdgaspreise erhöht beispielsweise die Kosten für den Einsatz von Gaskraftwerken.

Dieser Artikel wird wöchentlich veröffentlicht. Der Inhalt basiert auf Nachrichten der teilnehmenden Agenturen im enr.