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Wien (APA) – Die Wachstumseffekte durch das EU-Mercosur-Handelsabkommen für die europäische Wirtschaft dürften eher gering ausfallen. Zu dem Schluss kommen zwei Fachleute, mit denen die APA – Austria Presse Agentur am Montag gesprochen hat. Positiv sei das Abkommen aus Sicht der Ökonomen aber trotzdem. Die FPÖ kritisierte am Montag indes mögliche Auswirkungen des Abkommens auf Bäuerinnen und Bauern und nahm dabei den ÖVP-Bauernbund ins Visier.

Verschiedene Studien zum EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay und Bolivien seien zum dem Schluss gekommen, dass die EU-Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt; BIP) in zehn Jahren um rund 0,05 Prozent höher sein werde als ohne das Abkommen. Für den Mercosur-Raum wird ein Plus von im Schnitt 0,25 Prozent erwartet, erklärte IHS-Ökonom Klaus Weyerstrass im Gespräch mit der APA.

Vergangene Woche war nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen ein Durchbruch bei dem Handelsabkommen gelungen. Die EU-Botschafter stimmten mehrheitlich für eine Unterzeichnung des Abkommens. Österreich war durch einen Parlamentsbeschluss an ein Nein gebunden.

Seltene Erden im Fokus

Weniger das wirtschaftliche Potenzial, sondern eher geostrategische Argumente würden für das Abkommen sprechen, so Weyerstrass mit Blick auf die (Zoll-)Politik von US-Präsident Donald Trump und die Konkurrenz mit China. Der Ökonom verwies auf die Vorkommen an Seltenen Erden in Südamerika, die für die wirtschaftliche Transformation benötigt werden. „Zum anderen werden wir, wenn wir da diversifizieren, weniger abhängig von und weniger erpressbar durch China.“

Keine großen Sorgen macht er sich über die europäische Landwirtschaft, deren Interessen – vor allem gemessen an ihrem geringen Anteil an der Gesamtwertschöpfung – in dem Vertragswerk stark berücksichtigt worden seien. „Es gelten ja nach wie vor die hohen Standards in der EU, die werden ja nicht abgeschafft. Alles was an Lebensmittel in die EU eingeführt wird, muss natürlich nach wie vor die in der EU geltenden Standards erfüllen.“

„Idee, dass beide profitieren“

Es seien viele Ausnahmen und Kontingente für landwirtschaftliche Produkte in das Abkommen hineinverhandelt worden, meinte auch der Wifo-Ökonom Harald Oberhofer. „Handelsabkommen haben die Idee, dass beide profitieren sollen.“ Wenn die Industrie in Europa über die Exporte profitieren soll, müssten auch die Mercosur-Staaten profitieren. Sensible Bereiche, wie zum Beispiel Rindfleisch, seien in dem Abkommen zudem stark geschützt. Oberhofer erwartet hier keine starke Auswirkung auf die heimischen Bauern. Bei anderen landwirtschaftlichen Produkten könne man aber stärkere Preiseffekte erwarten.

FPÖ fordert verpflichtende Herkunftskennzeichnung

Deutliche Kritik an dem geplanten EU-Mercosur-Abkommen gab es erneut vonseiten der FPÖ. Die Zustimmung (einer Mehrheit) der EU-Mitgliedstaaten zu dem Abkommen sei „ein Drama“, sagte der stellvertretende FPÖ-Sprecher für Land- und Forstwirtschaft Albert Royer am Montag bei einer Pressekonferenz. Er forderte eine Herkunftskennzeichnungspflicht für Lebensmittel. Deutliche Kritik übte Royer an der ÖVP und dem ihr nahestehenden Bauernbund. Er warf der ÖVP vor, sich auf EU-Ebene anders zu verhalten, als sie sich bei den heimischen Landwirten gebe. (12.1.2026)

Die redaktionelle Verantwortung für die Veröffentlichung liegt bei der APA.