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Sie wollen innerhalb der EU in den Urlaub fliegen, befürchten aber, dass Ihnen Seife und Shampoo ausgehen könnten, weil am Abflughafen noch immer die 100-Milliliter-Regel für Handgepäck gilt? Oder dass Sie am Gate eine zusätzliche Gebühr für Ihr Handgepäck zahlen müssen?

Dann gibt es für Sie gute Nachrichten: Flughäfen in der gesamten Europäischen Union könnten bald die seit Jahren unpopulären Flüssigkeitsbeschränkungen fürs Handgepäck abschaffen.

Die Zusatzkosten für kleines Handgepäck bleiben jedoch umstritten: Die EU-Gesetzgeber drängen auf ein Verbot für Fluggesellschaften, Passagieren Gebühren für kleines Handgepäck zu berechnen. Die Luftfahrtbranche hingegen lehnt diesen Schritt vehement ab.

Aber zuerst zu den Flüssigkeiten. Derzeit dürfen Passagiere eine Maximalmenge von 100 Milliliter Flüssigkeit pro Behältnis mitführen. Die Behälter wiederum müssen in einem wiederverschließbaren, durchsichtigen Plastikbeutel mit einem Gesamtvolumen von maximal 1 Liter verstaut werden.

Diese Vorschrift wurde 2006 nach einem vereitelten Terroranschlag in London eingeführt. Damals hatten Attentäter versucht, flüssigen Sprengstoff an Bord eines Flugzeugs am Flughafen Heathrow zu schmuggeln. 

Fast 20 Jahre später hat die Europäische Union nun Scanner zugelassen, die flüssige Sprengstoffe zuverlässig erkennen können. Das könnte den Weg für die Aufhebung dieser langjährigen Beschränkungen ebnen.

Eine Sprecherin der Europäischen Kommission sagte, die neuen Computertomographie-Scanner (CT-Scanner), die denen in der medizinischen Bildgebung ähneln, könnten Bedrohungen zuverlässig identifizieren. Das könne es Passagieren theoretisch ermöglichen, größere Flaschen mitzuführen, wenn klar sei, dass die Flüssigkeiten ungefährlich seien. Es liege nun an den einzelnen Flughäfen, diese Technologie einzuführen, fügte sie hinzu.

Nach Angaben der Kommission sind derzeit rund 700 Scanner mit der neuen Software in 21 EU-Ländern im Einsatz oder werden dort installiert. Medienberichten zufolge sind sie an einigen Flughäfen in Deutschland, den Niederlanden, Italien, Spanien und Irland bereits im Einsatz. 

Kein Update über Nacht

Mehrere EU-Flughäfen hatten bereits im Juli 2024 die Flüssigkeitsbeschränkungen gelockert, da sie neue CT-Scanner installiert hatten, die schnell ein dreidimensionales Bild des Inhalts einer Tasche erstellen können.

Die EU hatte jedoch Zweifel an der Zuverlässigkeit der neuen CT-Gepäckscanner. In Deutschland etwa brachten die Bundespolizei und der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport die bevorstehende Regeländerung zur Sprache.

Die Europäische Kommission führte daher als Vorsichtsmaßnahme ab dem 1. September 2024 eine „vorübergehende“ Beschränkung für die Kontrolle von Flüssigkeiten „an bestimmten EU-Flughäfen“ wieder ein, wenn auch in etwas gelockerter Form. Flüssigkeiten, die in einem durchsichtigen Beutel verstaut waren, durften im Handgepäck verbleiben.

Bei einer Vorabkontrolle im Terminal C des Flughafens Hannover-Langenhagen packt ein Mitarbeiter die Flüssigkeitsbehälter der Reisenden in eine Plastiktüte. Foto: picture alliance/dpa/Michael Matthey
Bei einer Vorabkontrolle im Terminal C des Flughafens Hannover-Langenhagen packt ein Mitarbeiter die Flüssigkeitsbehälter der Reisenden in eine Plastiktüte. Foto: picture alliance/dpa/Michael Matthey

Die offizielle Zulassung der neuen Scanner durch die EU ebnet nun den Weg für Flughäfen, diese bei ihren Sicherheitskontrollen einzusetzen. Die Umsetzung wird jedoch aufgrund veralteter Geräte und technischer Hürden einige Zeit in Anspruch nehmen.

Eine Sprecherin des Deutschen Flughafenverbands (ADV) sagte, die vollständige deutschlandweite Einführung sei komplex und teuer und erfordere nicht nur neue Geräte, sondern aufgrund der größeren Maße der Maschinen auch bauliche Veränderungen.

Am Frankfurter Flughafen – dem verkehrsreichsten Deutschlands – seien 40 von rund 190 Sicherheitskontrollen mit den neuen Systemen ausgestattet, 40 weitere seien bestellt, sagte eine Sprecherin. Allerdings gilt für Passagiere weiterhin die 100-Milliliter-Beschränkung, da unklar ist, mit welchem Scanner ihre Taschen kontrollieren werden. Bei einigen der neuen Geräte fehle zudem noch die erforderliche Software.

Der Flughafen München hat mit ähnlichen Verzögerungen zu kämpfen, da Software-Upgrades bis nach der Hauptreisesaison im Sommer verschoben wurden.

Am wichtigsten internationalen Airport Sloweniens, dem Jože-Pučnik-Flughafen Ljubljana, modernisierte der deutsche Betreiber Fraport anlässlich der Eröffnung eines neuen Terminals im Jahr 2021 seine Röntgengeräte für die Handgepäckkontrolle. Für die Kontrolle von aufgegebenem Gepäck setzt Fraport bereits fortschrittliche Technologie gemäß dem neuesten Standard (EDS 3.1) ein, die eine dreidimensionale Analyse des Gepäckinhalts ermöglicht und Sprengstoffe erkennen kann.

„Was das Handgepäck angeht, prüfen wir derzeit noch alle Aspekte: Vorteile, Kosten, Platzbedarf und die Auswirkungen auf den gesamten Sicherheitskontrollprozess. Dies ist eine große Investition, die nicht nur die Anschaffung von Geräten, sondern auch Anpassungen an die Infrastruktur und Organisation des Terminals umfasst,“ erklärte das Unternehmen. 

In Spanien ist ein neuer CT-Scanner bereits am Flughafen von Palma de Mallorca in Betrieb, weitere werden derzeit an den Flughäfen Adolfo Suárez Madrid-Barajas und Josep Tarradellas Barcelona-El Prat installiert und in einigen Sicherheitskontrollen bereits eingesetzt.

In Rumänien ist das erforderliche Software-Update für die Aufhebung der Beschränkungen an Flughäfen fast fertiggestellt. Zwölf Flughäfen in Rumänien bedienen internationale Strecken.

Die Nationale Gesellschaft Bukarester Flughäfen, die die zwei größten Flughäfen des Landes betreibt, teilte AGERPRES mit, die Aufhebung der Beschränkungen hänge vom Abschluss der Installations- und Inbetriebnahmearbeiten aller Geräte ab. Laut Zeitplan für die Projektumsetzung sollte dies spätestens im ersten Quartal 2026 erfolgen.

Der rumänische Inlandsgeheimdienst (SRI), der die Sicherheitskontrollen an allen Flughäfen im Land durchführt, sagte im Juli, dass die Aufhebung der Beschränkungen für Flüssigkeiten im Handgepäck ausschließlich an Flughäfen in Rumänien möglich sein werde, deren Anlagen neu zertifiziert und vollständig modernisiert seien.

Zahlreiche Koffer sind im Gepäckausgabebereich gelagert. Foto: Jonas Walzberg/dpa

Der Kampf um „gratis” Handgepäck

Ein zweites umstrittenes Thema bei Flugreisen sind die Kosten für Handgepäck. Viele Billigfluggesellschaften erlauben nur ein kleines Handgepäckstück – wie einen kleinen Rucksack oder eine Laptoptasche – im Ticketpreis und verlangen für weiteres Handgepäck einen Aufpreis – eine Praxis, die von Verbraucherrechtsorganisationen als rechtswidrig angesehen wird.

Im Mai forderten etwa fünfzehn europäische Verbände die Europäische Kommission auf, eine EU-weite Untersuchung der Regelungen zu Handgepäckgebühren von sieben Billigfluggesellschaften einzuleiten.

EasyJet, Norwegian, Ryanair, Transavia, Volotea, Vueling und Wizzair „belasten die Verbraucher mit unangemessenen Gebühren“, kritisierte die französische Verbraucherrechtsorganisation Confédération de la Consommation, du Logement et du Cadre de Vie (CLCV) in einer Erklärung.

„Der Europäische Gerichtshof hat (…) im Jahr 2014 entschieden, dass für die Beförderung von Handgepäck keine zusätzlichen Gebühren erhoben werden dürfen, sofern es den angemessenen Anforderungen hinsichtlich Gewicht, Abmessungen und Sicherheitsvorschriften entspricht,“ betonte der Verband.

Die sieben genannten Fluggesellschaften erhoben laut des Verbandkollektivs  jedoch Gebühren für Handgepäck in üblichen Größen, das sie als „groß“ einstuften: 36 Euro seien es bei Ryanair, fast 43 Euro bei EasyJet und bis zu 280 Euro bei Vueling, wenn die von der Fluggesellschaft festgelegten Abmessungen nicht eingehalten würden.

Im Juni verabschiedete der Verkehrsausschuss (TRAN) des Europäischen Parlaments einen Vorschlag, der vorsieht, dass Reisende einen persönlichen Gegenstand wie eine Handtasche oder einen Rucksack sowie ein Handgepäckstück mit einem Gewicht von bis zu 7 Kilogramm ohne zusätzliche Gebühr mit in die Kabine nehmen dürfen.

Die für alle Flüge mit Start oder Landung innerhalb der 27 Länder der Europäischen Union geltende Maßnahme wurde als Teil eines Pakets an Änderungen der  Passagierrechtevorschriften verabschiedet, das von der Europäischen Kommission vorgelegt wurde.

Der Branchenverband Airlines for Europe (A4E) verurteilte den Vorschlag und wies darauf hin, dass er zu höheren Flugpreisen führen und die Kosten für Reisende mit geringem Gepäck erhöhen würde.

Ebenfalls im Juni setzte ein spanisches Gericht die hohen Geldstrafen aus, die die linke Regierung gegen die Billigfluggesellschaften Ryanair und Norwegian Air verhängt hatte. Das Verbraucherschutzministerium hatte im November finanzielle Bußen gegen fünf Unternehmen wegen „missbräuchlicher Praktiken” verhängt, darunter die Erhebung von Gebühren für Handgepäck, die Bereitstellung irreführender Informationen und mangelnde Preistransparenz.

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair wurde besonders dafür bestraft, dass sie Passagieren „unverhältnismäßig hohe” Gebühren für das Ausdrucken von Bordkarten an den Terminals berechnet hatte, wenn diese ihre Bordkarten nicht dabei hatten. Die britische Billigfluggesellschaft EasyJet und die spanischen Fluggesellschaften Volotea und Vueling gehörten ebenfalls zu den bestraften Unternehmen.

Über den Vorschlag des Verkehrsausschusses des Europäischen Parlaments zum Handgepäck muss nun vom gesamten Parlament abgestimmt werden. Es können noch Änderungen vorgenommen werden, da er mit den Mitgliedstaaten ausgehandelt und von diesen angenommen werden muss, bevor er in Kraft treten kann.

Das bedeutet, dass Verbraucherinnen und Verbraucher noch etwas länger warten müssen, wenn sie Flaschen von  lokalem Wein oder Olivenöl in ihrem kostenlosen Handgepäck mitnehmen möchten.

Dieser Artikel ist eine Key Story des enr. Der Inhalt basiert auf der Berichterstattung der teilnehmenden Nachrichtenagenturen.