Mehrere Pharmaunternehmen machten sich nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie daran, wirksame Impfstoffe zu entwickeln. Sehr viel schneller als gewöhnlich wurden mehrere zugelassen und produziert. In sozialen Netzwerken wird gar behauptet, die Impfstoffe gegen Covid-19 mit dem Botenmolekül mRNA seien «innerhalb von Tagen» hergestellt und auf den Markt gebracht worden. Fiebersaft für Kinder werde hingegen knapp, verbreitet ein Nutzer aus Luxemburg im selben Sharepic. Stimmt das so?

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Die Behauptung zu den Impfstoffen ist eindeutig falsch. mRNA-Impfstoffe wurde nicht innerhalb weniger Tage hergestellt, es dauerte Monate, bis sie auf den Markt kommen konnten.

Fakten

Die Gensequenz des Ende 2019 in der chinesischen Provinz Wuhan erstmals aufgetretenen Virus wurde im Januar 2020 veröffentlicht. Daraufhin erklärte die WHO am 30. Januar 2020 zunächst offiziell eine «internationale gesundheitliche Notlage». Am 11. März 2020, wurde die Krankheit von der Weltgesundheitsorganisation WHO zu einer globalen Pandemie erklärt.

Am Ende desselben Jahres, nämlich am 11. Dezember 2020, erteilte die US-Arzneimittelbehörde FDA dem von Biontech entwickelten und gemeinsam mit dem US-Hersteller Pfizer produzierten Covid-Impfstoff eine Notfallzulassung. Am 21. Dezember 2020 stimmte auch die EU-Arzneimittelbehörde EM einer bedingten Zulassung zu. Als zweiter mRNA-Impfstoff wurde das Vakzin des Herstellers Moderna am 6. Januar 2021 von der EMA zugelassen.

Dies bedeutet, dass zwischen dem Bekanntwerden des neuen Virus und der Zulassung der ersten Impfstoffe ziemlich genau ein Jahr vergangen ist.

Dass in diesem vergleichsweisen kurzen Zeitraum ein Impfstoff entwickelt werden konnte, hat unter anderem damit zu tun, dass Biontech nach eigenen Angaben bereits am 27. Januar 2020 mit der Entwicklung begann. Man habe sich entgegen der bisherigen Planung entschieden, «Ressourcen umzuwidmen», heißt es in einer ausführlichen Darstellung des Zeitablaufs, der von Biontech im Geschäftsbericht für 2020 (ab Seite 24) veröffentlicht wurde.

Das sogenannte «Project Lightspeed» (Projekt Lichtgeschwindigkeit) von Biontech beruhte demnach unter anderem darauf, dass man einerseits mit den Zulassungsbehörden einen sogenannten «Rolling-Review-Verfahren» vereinbart hatte: Das bedeutete, dass die verfügbaren Daten von klinischen Tests sofort an die Behörden übermittelt wurden, ohne sie zuvor etappenweise zu bündeln.

Andererseits gingen die Pharma-Unternehmen mit der Produktion ins Risiko: Sobald sie davon überzeugt waren, dass ihr Impfstoff die Genehmigung erhalten würde, begannen sie mit dessen Produktion. «Es wird mit der Produktion schon begonnen, während die Zulassung läuft», sagte der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im September 2020.

Die in dem Sharepic enthaltene weitere Behauptung, es handele sich bei der Impfung um eine «Gentherapie», ist ebenfalls falsch. Faktenchecker der dpa haben dies bereits mehrfach erläutert.

Die erwähnte Knappheit bei Fiebersäften für Kinder wurde von der Vizepräsidentin des luxemburgischen Apothekerverbandes, Danielle Becker-Bauer, laut einem Artikel in der Zeitung Tageblatt vom 15. Dezember 2022 grundsätzlich bestätigt. Allerdings sei die Lage in Luxemburg deutlich entspannter als in Deutschland. Zudem könne man Kunden immer noch «gleichwertige Medikamente von anderen Marken» anbieten.

Links

Facebook-Postarchiviert
Lancet zu Corona-Virusarchiviert
WHO zu Notlagearchiviert
WHO-Erklärungarchiviert
Zulassung USAarchiviert
Zulassung EUarchiviert
Zulassung Moderna EUarchiviert
Biontech Geschäftsbericht 2020archiviert
dpa-Bericht via Sueddeutsche.dearchiviert
Faktencheck dpa Gentherapie I

Faktencheck dpa Gentherapie II
Tageblatt zu Fiebersäftenarchiviert
Bundesinstitut für Arzneimittelarchiviert

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