Neu Delhi – Angesichts der Gefahren durch Künstliche Intelligenz (KI) hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Einrichtung eines neuen globalen Beratungsgremiums vorgeschlagen. Ein Organ, das dem Weltklimarat (IPCC) ähnele, könnte sich mit den gesellschaftlichen Risiken, aber auch mit den möglichen Vorteilen der Technologie beschäftigen, erklärte die Deutsche am Sonntag zum Abschluss des G20-Gipfels der führenden Industrie- und Schwellenländer in Indien. Gemeinsam mit Partnern solle Europa einen globalen Regelungsrahmen entwickeln.

«Die entscheidende Frage lautet, wie wir eine sich rasant entwickelnde Technologie nutzen», sagte von der Leyen. Es sei bezeichnend, dass selbst die KI-Erfinder und -Entwickler von der Politik eine Regulierung forderten.

Über die möglichen Gefahren von Künstlicher Intelligenz wird seit Monaten weltweit intensiv diskutiert. Für viel öffentliches Aufsehen sorgen unter anderem der Text-Automat ChatGPT, Googles Konkurrenz-Software Bard sowie Programme, die Bilder auf Basis von Textbeschreibungen erzeugen können. Dabei gibt es zum Beispiel Sorgen, dass ihre Fähigkeiten etwa für die Produktion und Verbreitung von Falschinformationen genutzt werden könnten.

Etliche Tech-Experten wie Tesla-Chef Elon Musk und Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hatten im März ein mindestens sechsmonatiges Moratorium bei der Entwicklung leistungsstarker künstlicher Intelligenz vorgeschlagen. Dieses solle der Branche Zeit geben, Sicherheitsstandards für die Entwicklung von KI festzulegen und mögliche Schäden durch die riskantesten KI-Technologien abzuwenden, hieß es damals.

Der Weltklimarat, den Ursula von der Leyen als Vorbild für ein mögliches neues KI-Gremium nannte, gilt als enorm einflussreich. Für die UN-Institution in Genf tragen Fachleute den wissenschaftlichen Kenntnisstand zum Klimawandel alle fünf bis sieben Jahre zusammen. Zudem zeigen sie Handlungsoptionen und ihre jeweiligen Konsequenzen auf. Die IPCC-Berichte sind die wichtigste Grundlage für politische Entscheidungen zur Eindämmung des Klimawandels.

Özdemir verlangt erneut Nachbesserung bei EU-Plänen zu Pestiziden

Radebeul – Der deutsche Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hält die Pläne der EU zur Reduzierung von Pestiziden auch im Weinbau für unrealistisch. Man teile zwar das grundsätzlich Ziel, bis zum Jahr 2030 den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu halbieren, sagte der Grünen-Politiker im sächsischen Radebeul, einem Weinanbaugebiet. Bei den Vorstellungen der EU zur Umsetzung dieses Ziels hätten sich aber „ein paar grobe handwerkliche Fehler“ eingeschlichen. „Ich spreche das bei jeder Gelegenheit in Brüssel an und werbe dafür, dass man entsprechende Korrekturen vornimmt.“

Korrekturbedarf sieht Özdemir unter anderem bei der Definition von sensiblen Gebieten und beim hohen bürokratischen Aufwand. Man habe mit dem Weinbau und dem Obstbau Sonderkulturen, die auch Sonderbedingungen bräuchten. „Wir haben eine Struktur, die andere Länder so nicht haben“, sagte Özdemir. Dem müsse man Rechnung tragen. Nötig sei eine ausgewogene Lösung. Die Interessen von Naturschutz und Landwirtschaft ließen sich gut zusammenbringen.

Özdemir äußerte sich überzeugt, dass die vorliegenden Pläne der EU so nicht umgesetzt werden. Dafür werde die Bundesrepublik mit anderen Partnern in der EU sorgen. Es gebe Signale aus der Kommission, dass man die Bedenken verstanden habe. Man müsse auch die bisherigen Anstrengungen berücksichtigen. Diejenigen, die in der Vergangenheit fleißig gewesen seien und sich anstrengten, dürften dafür nicht bestraft werden.

Der EU schwebt unter anderem vor, den Einsatz von Pestiziden in sensiblen Gebieten – etwa in Natur- oder Landschaftsschutzgebieten – gänzlich zu untersagen. Gleiches gilt für Flächen, die sich in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauungen befinden. (9. September)

Nach dem verheerenden Erdbeben am 08.09.2023 hat es in Marokko am Sonntagmorgen ein Nachbeben gegeben. Foto: Mosa’ab Elshamy/AP/dpa

EU bietet Marokko nach verheerendem Erdbeben Unterstützung an

Neu Delhi – Die Europäische Union hat Marokko nach dem verheerenden Erdbeben Hilfe angeboten. «Die EU ist bereit, Marokko in diesen schwierigen Momenten zu unterstützen», schrieb EU-Ratspräsident Charles Michel am Samstagmorgen über den Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter). Die Nachrichten aus dem Land seien schrecklich. Er sei in Gedanken bei allen, die von der Tragödie betroffen seien, und bei den Rettungskräften.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen äußerte ebenso ihr Mitgefühl. Sie sei angesichts des schrecklichen Erdbebens mit ganzem Herzen beim marokkanischen Volk, teilte die deutsche Spitzenpolitikerin mit.

Michel und von der Leyen äußerten sich vom G20-Gipfel führender Industrie- und Schwellenländer in der indischen Hauptstadt Neu Delhi zu den Ereignissen in Marokko. Bei dem schweren Erdbeben dort sind nach offiziellen Angaben mindestens 296 Menschen ums Leben gekommen. (9. September)